Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationaler Photochemie-Kongress in Köln

27.06.2007
Mehr als Photosynthese, Nanosysteme und Leuchtdioden

Kein Geringerer als der Münchener Chemie-Nobelpreisträger von 1988, Professor Dr. Robert Huber, wird auf der ICP 2007, der 23. International Conference on Photochemistry vom 29. Juli bis 3. August in Köln, das wissenschaftliche Programm einleiten, das rund 120 Vorträge und 450 Posterpräsentationen umfasst. Gastgeber der rund 600 Wissenschaftler aus allen Teilen der Welt ist die Fachgruppe Photochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), deren Vorsitzender und stellvertretender Fachgruppen-Vorsitzender, die Professoren Dr. Klaus Meerholz und Dr. Axel Griesbeck, an der Universität zu Köln, dem Tagungsort, tätig sind.

Die Chemie mit sichtbarem Licht und elektromagnetischer Strahlung in anderen Wellenlängenbereichen hat bereits eine lange Tradition, vor allem aber steht sie im Mittelpunkt des Lebens auf der Erde: Ohne die Photosynthese der grünen Pflanzen, in der, ausgelöst durch Sonnenlicht, Kohlendioxid und Wasser zu Kohlenhydraten umgesetzt wird, wäre Leben auf der Erde nicht möglich. Um von der effektiven Sonnenlichtnutzung der Pflanzen zu lernen, arbeiten weltweit Forscher an der Aufklärung der Reaktionsmechanismen der Photosynthese. Neben Robert Huber erhielten auch Professor Dr. Johann Deisenhofer und Professor Dr. Hartmut Michel 1988 den Nobelpreis für ihre Arbeiten zur Bestimmung der dreidimensionalen Struktur des photosynthetischen Reaktionszentrums. Huber, der als Emeritus die Gruppe Strukturforschung am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried leitet, zeigt auf dem Kölner Kongress, wie rasant sich in den vergangenen 20 Jahren Methode und Techniken zur Bestimmung von sehr großen und komplexen Proteinstrukturen, beispielsweise den photosynthetischen Reaktionszentren, entwickelt haben. Dadurch versteht man das Bindungsverhalten, die katalytischen und spektralen Eigenschaften und die Elektronen-Transfer-Prozesse besser - insgesamt also die physiologischen Prozesse, die in Biologie und Medizin eine Rolle spielen.

Für Schlagzeilen sorgte ein weiterer prominenter Münchner Wissenschaftler, Professor Dr. Christoph Bräuchle vom Department Chemie und Biochemie und Center for NanoScience der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), als er 2001 den Infektionsweg eines einzelnen Virus in eine lebende Zelle verfolgen konnte. In der Folge konnten künstliche Viren nachgebaut werden, die als Genfähren Verwendung finden, und Systeme entwickelt werden, aus denen in Zellen Wirkstoffe freigesetzt werden, deren Weg in den Zellen wiederum beobachtet werden kann. Bräuchle stellt in Köln vor, was einzelne Moleküle, die er mit speziellen spektroskopischen Methoden beobachten kann, über Nano- und Biosysteme aussagen können. Bei den Nanosystemen interessieren Bräuchle vor allem nanoporöse Materialien, die beispielsweise als molekulare Siebe dienen. Es gelingt mittlerweile, einzelne fluoreszierende Moleküle zu detektieren, deren Verhalten innerhalb des Nanomaterials Genaueres über dessen Aufbau verrät.

Diese Beispiele zeigen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem weiten Feld der Photochemie und aus dem umfassenden Programm der ICP, die viele weitere Highlights wie die Plenarvorträge von Professor Dr. Ken Ghiggino, University of Melbourne, über die Dynamik von Elektronen- und Energie-Transfer-Prozessen, von Professor Dr. Karl Leo, Institut für Angewandte Photophysik, Dresden, über hoch effiziente organische Leuchtdioden (OLEDs) und von Professor Dr. Jürgen Troe vom Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen, über neue Ansätze in der klassischen Organischen Photochemie zu bieten hat.

Preise der GDCh-Fachgruppe Photochemie 2007

Die GDCh-Fachgruppe Photochemie wird anlässlich ihrer Vortragstagung im Rahmen der 23. International Conference on Photochemistry in Köln folgende Preise vergeben:

Professor Dr. Gion Calzaferri, Universität Basel, wird mit der Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung ausgezeichnet. Hiermit werden seine Arbeiten zum photochemischen und photophysikalischen Verhalten von Farbstoffmolekülen in abgegrenzten vernetzten Systemen wie Zeoliten oder an Quantenteilchen gewürdigt. Angestoßen durch seine Arbeiten entstand ein neues Forschungsfeld über die Wanderung angeregter Zustände und den effizienten, lichtgetriebenen Elektronentransfer in organisierten Materialien, das wegen seiner Anwendungspotenziale in der Medizin oder der Photovoltaik von großer Bedeutung ist.

Dr. Manuela Schiek, Universität Oldenburg, z.Zt. University of Southern Denmark, wird für die Synthese und Untersuchung von neuartigen lichtemittierenden Nanofasern auf der Basis von funktionalisierten organischen Molekülen, die außerordentliche opto-elektronische Flexibilität und brillante Leistungsfähigkeit zeigen, mit dem Albert-Weller-Preis ausgezeichnet.

Diesen Preis erhält ebenfalls Dr. Anton Granzhan, Universität Siegen, z.Zt. Institut Curie in Paris, für seine Arbeiten über funktionale organischer Farbstoffe, die als DNA-sensitive Fluoreszenzsonden und als Liganden fungieren, die selektiv an dreifach helicale DNA- und an nichtbasische DNA-Strukturen binden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Photochemie mit über 300 Mitgliedern. Ihre Ziele auf dem Gebiet der Photochemie und ihren Grenzgebieten sind: den Gedankenaustausch unter Fachkollegen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln, die Beziehungen zu entsprechenden Organisationen im Ausland zu pflegen, die fachbezogene Lehre im Chemieunterricht an den Hochschulen zu verankern bzw. zu stärken und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

Kontakt:
Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
Öffentlichkeitsarbeit
Postfach 900440
60444 Frankfurt
Tel.: 069/7917-493
Fax: 069/7917-307
E-Mail: r.hoer@gdch.de

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: GDCh-Fachgruppe Photochemie Photosynthese

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht »Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung
19.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht MES-Special für Controller und Produktionsmanager in Hoffenheim sehr gut gebucht
04.09.2017 | gbo datacomp GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie