Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reale Chance für Reha

16.03.2007
Experten auf IIR-Reha-Kongress: „Gesundheitsreform stärkt Position der Rehabilitation“

Der Weg zu einer zukunftsfähigen Rehabilitation (Reha) ist geebnet. Zu diesem Konsens kommen die Referenten des zweitägigen 9. Deutschen IIR-Reha-Kongresses, der heute in München zu Ende geht. Doch auch wenn die Gesundheitsreform Reha-Maßnahmen zu Pflichtleistungen erklärt, können sich Reha-Anbieter nicht zurücklehnen. Patientenorientierung und neue Wege sind gefragt.

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Zöller sagte in seinem Auftaktreferat, die Gesundheitsreform habe die wesentlichen Rahmenbedingungen für einen stabilen Reha-Markt geschaffen. Die Reform, von der er behauptete, sie werde in der Öffentlichkeit zu negativ dargestellt, führe zu Verbesserungen für Versicherte, fördere den Wettbewerb und gestalte die Vergütung leistungsgerechter als bisher.

Seit diesem Jahr gehören Reha-Maßnahmen zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen. Nach Zöller sei dies ein Armutszeugnis für die Moral der Verantwortlichen in der Gesundheitswirtschaft: „Es ist doch schlimm, dass man etwas Gutes zur Pflicht machen muss.“ Bis vor kurzem seien Reha-Patienten immer dort eingewiesen worden, wo es gerade finanziell passte. Das ginge nun nicht mehr. Patienten könnten sich ihre Einrichtung selbst aussuchen, was den Wettbewerb unter den Einrichtungen fördern werde.

... mehr zu:
»Gesundheitsfond »Reha
Die Finanzierungsstrukturen der gesetzlichen Krankenversicherung würden auf eine neue Grundlage gestellt, erklärte Zöller außerdem. Der ab 2009 geplante Gesundheitsfonds garantiere eine wirtschaftliche Verwendung von Steuern und Beiträgen. Die Krankenkassen bestimmten dann nicht mehr über die Beitragssätze ihrer Mitglieder und der Arbeitgeber.

Zöller warnte weiter davor, das Gesundheitssystem zu amerikanisieren. In den USA werde mehr Geld dafür ausgegeben, die Haftung von Ärzten abzusichern als dafür, Patienten zu heilen. „Wenn wir in Deutschland eine ähnliche Philosophie entwickeln, dann fahren wir unser System an die Wand“, so Zöller.

Vehement kritisierte Zöller außerdem Krankenkassen, die für im Ausland erbrachte Reha-Leistungen werben: „Die müssen doch etwas weitsichtiger denken!“ Es sei nicht nur fahrlässig, die Gelder ins Ausland zu geben statt in deutsche Einrichtungen zu investieren, die Kassen enthielten den Patienten auf diese Weise auch Qualität vor.

Dem widersprach Helmut Heckenstaller, Leiter der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern: „Ich erlebe derzeit eine Karawane an Menschen, die den deutschen Kurorten den Rücken kehren.“ Um diesem Trend gerecht zu werden, schließe die TK vermehrt Verträge mit ausländischen Kurorten. Eine schlechtere Versorgung drohe den Versicherten im Ausland nicht: „Unsere Vertragspartner verpflichten sich, die deutschen Qualitätsstandards einzuhalten.“ Die TK verzichte jedoch darauf, für ausländische Einrichtungen zu werben: „Wir gehen lediglich den Wünschen unserer Versicherten nach.“ Eine Benachteiligung des Gesundheits-Standortes Deutschland befürchtet der Experte nicht.

Auch Heckenstaller stellte fest, dass Reha eine immer größere Rolle spiele. „Rehabilitation erhält die Leistungsfähigkeit eines Versicherten, reduziert Arbeitsunfähigkeitszeiten und Produktionsausfall“, so der Experte. Immer mehr Menschen seien sich der Bedeutung einer Reha-Maßnahme bewusst. „Reha wird einen festen Stellenwert in unserem System erhalten.“ Ein wichtiger künftiger Wettbewerbsparameter sei die Qualitätssicherung.

Er begrüßte, dass laut Reform ab 1. April 2007 nur noch qualifizierte Vertragsärzte Reha-Maßnahmen verschreiben dürften: „Hier hat die Regierung hervorragende Arbeit geleistet.“ Kritik äußerte er allerdings an dem Finanzierungskonzept. „Der Gesundheitsfonds ist ein Fonds, den niemand will“, so Heckenstall. Pünktlich zur Einführung am 1. Januar 2009 werde die Ernüchterung kommen. „Dann wird die einheitliche Beitragssituation dazu führen, dass die Diskussionen nur noch über die Preisschiene laufen, nicht mehr über die Qualität.“

Außerdem sprach sich Heckenstaller für das Konzept der integrierten Versorgung aus: „Die Kombination ambulanter und stationärer Reha ist das Modell der Zukunft.“ Reha werde immer wichtiger für Krankenhäuser, denn durch sie wachse die Effizienz der Akutversorgung. Noch seien nicht alle Möglichkeiten der integrierten Versorgung ausgeschöpft. Da auch unter den Menschen das Gesundheitsbewusstsein wachse, müsse das Leistungsangebot an den Markt und an das sich verändernde Bild der Bevölkerung angepasst werden. „Man trägt besser auf zwei Schultern als auf einer.“

Mit der Reform sei die Regierung auf wesentliche Forderungen des Bundesverbands deutscher Privatkrankenanstalten (BDPK) eingegangen und habe die Position der Reha gestärkt, wie dessen Geschäftsführer Thomas Bublitz auf dem Kongress erklärte: Nicht nur würde Reha nun zur Pflichtleistung, alle Leistungen würden auch im Risikostrukturausgleich berücksichtigt. Zudem müssten jetzt die Krankenkassen für die Kosten einer externen Qualitätssicherung aufkommen. „Damit hat die Reha eine reale Chance.“

Er vermisse allerdings in den Zugangsverordnungen die negative Erfolgsprognose für weitere Leistungen der ambulanten Krankenbehandlung. „Wenn ich doch schon weiß, dass eine Leistung nichts bringt, dann sollte ich doch ebenso darauf verzichten oder direkt eine Reha-Maßnahme verordnen dürfen.“

Auch auf die Risiken der Reform wies Bublitz hin: „Noch wissen wir nicht, ob das Gesetz sinnvoll angewendet oder wie sich der Fonds auswirken wird.“ Auch sei noch unklar, ob es durch unterschiedliche Preise auch unterschiedliche Leistungen und damit eine ZweiKlassen-Reha geben werde.

Dierk Neugebauer von der Barmer Ersatzkasse Bayern kritisierte, der Gesetzgeber habe bei der Reform das Thema Vorsorge vernachlässigt. Diese Maßnahmen seien noch immer Ermessensleistungen und flössen zudem nicht in den Risikostrukturausgleich ein. Auch er betrachtet den Gesundheitsfonds skeptisch: „Der Fonds erzeugt einen großen Wettbewerbsdruck. Er kann zur Folge haben, dass der Wettbewerb nur noch über die Prämie stattfindet.“ Eine Krankenkasse müsse sich dann selbst tragen. Alle weiteren Punkte der Reform, so sagte er, stärkten jedoch die Rehabilitation.

Skepsis herrscht auch unter den Klinikbetreibern. Wie Dr. Thomas Wessinghage, ärztlicher Direktor der Reha-Klinik Damp, zu bedenken gab, seien die Rahmenbedingungen nur scheinbar gut: „Viele Reha-Anbieter lehnen sich nun zurück und meinen, sie seien ja nun im Leistungskatalog enthalten. Aber die Frage lautet doch: Stellen die Kostenträger auch die Mittel zur Verfügung?“

Er prognostizierte, dass der Bedarf an Reha immer weiter steigen werde. Nicht nur werde es immer mehr alte und kranke Menschen geben, immer mehr Personen werden auch nach den aktuellen Kriterien in Reha-Einrichtungen eingewiesen werden können. „Was wir brauchen, ist ein gesamtwirtschaftlicher Nachweis der Effizienz einer Reha-Maßnahme. Eine Return-to-work-Quote reicht mir nicht. Ich will einen Nachweis über das Leistungsverhalten vor und nach der Reha.“ Er sprach sich deshalb für eine stärkere Vernetzung zwischen Auftragnehmern, Kostenträgern, Hilfswerken und Arbeitgebern aus. „Wir müssen gemeinsam Wiedereingliederungshilfe leisten, mehr in Richtung Prävention anbieten und schließlich auch die Menschen zum Umdenken anregen.“

Der Kongress tagt noch bis heute Abend im Münchener Holiday Inn Hotel. Der Veranstalter IIR zählt über 200 Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz. Über 20 Experten, darunter Klinikbetreiber, Kostenträger und Politiker, erörtern in Vorträgen und Diskussionen aktuelle Entwicklungen, Probleme und Lösungen in der stationären und ambulanten Rehabilitation.

Dem Kongress ist eine Fachausstellung angeschlossen, in der sich folgende Anbieter präsentieren: Fresenius Netcare GmbH, Beratungsgesellschaft im Gesundheitswesen, CORTEX Software GmbH, MediTec GmbH, Wellsystem GmbH, 3M Health Information Systems, SWM Versorgungs GmbH, Stadtwerke München, Staun GmbH, Rehaklinik Bellikon und proxomed Medizintechnik GmbH.

Romy König | IIR Deutschland GmbH
Weitere Informationen:
http://www.reha-kongress.de
http://www.iir.de

Weitere Berichte zu: Gesundheitsfond Reha

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern
08.12.2017 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter
07.12.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie