Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltforschung geht neue Wege

20.09.2006
Von "end of pipe"- Lösungen zur Nachhaltigkeit

"Quo vadis Umweltforschung?" - diese Frage stellt die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 4. bis 6. Oktober 2006 auf ihrer Jahrestagung an der Universität Halle-Wittenberg. Und sie beantwortet diese Frage auch gleich im Untertitel der Tagung, die dem Umwelt- und Verbraucherschutz gewidmet ist: Von der "end of Pipe"-Strategie zur Nachhaltigkeit. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: nicht nur die Abgas- oder Abwasserreinigung löst Umweltprobleme, besser ist, industrielle Prozesse so zu planen, dass Abfälle, Abgase oder Abwasser kaum noch entstehen.

Der Programmpunkt "Nachhaltige Chemie und Umweltmanagement" nimmt daher auf der Tagung in Halle breiten Raum ein. In einem Plenarvortrag spricht Professor Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes in Dessau, über "Nachhaltigkeit und Innovation im Chemiesektor: Welche Rolle nehmen Staat, Wissenschaft, Industrie und Verbände ein?". Da der Chemiesektor zu den wichtigsten und innovativsten Branchen in Europa zählt und die deutschen Chemieunternehmen das höchste Produktionswachstum seit 15 Jahren verzeichneten, trägt die Chemie für den Umweltschutz eine besondere Verantwortung. Es gilt, nachhaltige Konzepte für diese Branche zu entwickeln und zu verwirklichen. Nach Auffassung Troges sind freiwillige Regeln und Gesetze, wie etwa die künftige REACH-Gesetzgebung der Europäischen Union wichtig und notwendig; sie reichen aber allein nicht aus, um Chemikaliensicherheit zu gewährleisten. Unternehmen, Staat, Wissenschaft sowie Verbraucher- und Umweltverbände müssten gleichermaßen und wo möglich gemeinsam handeln und Strategien für eine dauerhaft umweltverträgliche Chemie entwerfen. Es gelte, weniger schädliche Stoffe in der chemischen Produktion zu verwenden, mit Ressourcen sparsam umzugehen und die Emissionen chemischer Produkte so gering wie möglich zu halten. Deutsche Unternehmen betreiben in diese Richtung Forschung mit steigender Tendenz und anspruchsvollen zusätzlichen Arbeitsplätzen. Viele Unternehmen engagieren sich bereits mit Nachhaltigkeitsberichten und strategischen Partnerschaften. Der Staat habe nun, so Troge, die Aufgabe, mit Regeln und Anreizen die Randbedingungen zu schaffen, damit die Unternehmen mit ihren Produktionsverfahren sowie Produkten die Belastungsgrenzen der Umwelt und der menschlichen Gesundheit einhalten. Die Wissenschaft müsse Möglichkeiten aufzeigen, wie Risiken zu vermeiden sind. Umwelt- und Verbraucherschutzverbände müssten die neue Verantwortung der Unternehmen annehmen und mit ihnen den konstruktiven Dialog intensivieren.

Was die REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien)-Verordnung zur nachhaltigen Chemie beitragen wird, analysiert ein weiterer Vortrag aus dem Umweltbundesamt. In ihm wird darauf hingewiesen, dass die unter REACH registrierten Chemikalien zwar sicher, aber nicht notwendigerweise nachhaltig sein werden. Unter nachhaltigen Chemikalien werden solche Stoffe verstanden, die in der Umwelt nicht persistent sind, die sich nicht über größere Entfernungen ausbreiten, keine irreversiblen Wirkungen zeigen und auf längere Sicht ungefährlich sind. Ihr Ressourcenbedarf bei der Herstellung muss gering sein, ebenso wie die bei Herstellung und Gebrauch anfallenden Abwasser- und Abfallmengen.

Mit der Entwicklung der Mikroverfahrenstechnik, der Nanotechnik, der Weißen Biotechnik und umweltfreundlicher Synthesen sowie mit der Nutzung nachwachsender Rohstoffe vor allem in Bioraffinerien und mit innovativen Lösungsvorschlägen für die künftige Energieversorgung trägt die Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung bei. Dies wird an Beispielen in Halle gezeigt. Vorgestellt werden auch die Ökoeffizienz-Analyse der BASF als erste zertifizierte Methode zur Messung der Nachhaltigkeit von Produkten und Prozessen sowie die an der Universität Jena entwickelte forschungsbegleitende Bilanzierung, mit der die gezielte Suche nach ökologisch nachhaltigen Stoffen, Synthesewegen oder Verfahrenstechniken ermöglicht werden soll.

In Halle geht es aber nicht nur um den Nachhaltigkeitsaspekt, sondern auch um toxikologische Aspekte des Verbraucherschutzes (u.a. mit Beiträgen zu Nanopartikeln, Phthalaten, Acrylamid, Pharmarückständen oder Mykotoxinen), um Chemikalien aus Haushaltsprodukten in der Umwelt, um die Atmosphärenchemie und Luftreinhaltung, um Mechanismen der Schadstoffwirkung und generell um die Ökosystemforschung.

Zur Eröffnung der Tagung wird der mit 1.500 Euro dotierte "Förderpreis für junge Wissenschaftler" der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie an die Dipl.-Geoökologin Sandra Russold aus Kaiserslautern verliehen. Sie hat sich in einer herausragenden Diplomarbeit, angefertigt am Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, mit dem Transportverhalten von grundwasserbelastenden Substanzen beschäftigt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit knapp 900 Mitgliedern. Hauptanliegen dieser Fachgruppe ist u.a., alle an Umweltchemie und Ökotoxikologie interessierten Wissenschaftler und Praktiker zusammenzuführen und somit das gesamte Wissensgebiet voranzubringen. Die Fachgruppe will helfen, Kenntnislücken auszufüllen über Eintrag, Verteilung, Umwandlung und Verbleib von chemischen Stoffen in der Umwelt und über die Einwirkungen von Stoffen auf Lebewesen und Lebensräume.

Kontakt:
Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker
Öffentlichkeitsarbeit
Postfach 900440
60444 Frankfurt
Tel.: 069/7917-493
Fax: 069/7917-307
E-Mail: r.hoer@gdch.de

Dr. Renate Hoer | Gesellschaft Deutscher Chemiker
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: Umweltchemie Umweltforschung Ökotoxikologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Technologievorsprung durch Textiltechnik
17.11.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS
17.11.2017 | Frankfurt University of Applied Sciences

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte