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Hellmut-Bredereck-Stiftung stellt die bioorganische Chemie heraus

03.08.2005


Die bioorganische Chemie hat in Forschung und Lehre an den Hochschulen in den letzten Jahren eine stürmische Entwicklung erfahren. Das Fach ist "in", weil die molekularen Wissenschaften Grundlage des Verstehens von Lebensprozessen sind. Die Hellmut-Bredereck-Stiftung in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) fördert junge Wissenschaftler/innen, die auf dem Gebiet der bioorganischen Chemie erfolgreich tätig sind. In diesem Jahr erhält der Privatdozent Dr. Hans-Achim Wagenknecht von der Technischen Universität München den Preis der Hellmut-Bredereck-Stiftung für seine Untersuchungen zu Ladungstransferprozessen an DNA, und zwar anlässlich der GDCh-Jahrestagung am 12. September in Düsseldorf. Wagenknecht hat inzwischen einen Ruf auf eine W2 Professur an die Universität Regensburg angenommen und wird ab Wintersemester dort lehren und forschen.



Eines der Ziele von Wagenknecht ist es, die Entstehung von DNA-Schäden und die damit einher gehenden, meist gravierenden Folgen zu untersuchen. Darüber hinaus wird in Wagenknechts Arbeitskreis an neuen DNA-Assays für die molekulare Diagnostik und an DNA-"inspirierten" Nanodrähten für die molekulare Elektronik gearbeitet - Arbeiten, die auf einem grundlegenden Verständnis der Ladungstransferprozesse an DNA beruhen. Derartige Prozesse finden bereits in der DNA-Chiptechnologie zum elektrochemischen Auslesen beim Nachweis von Gendefekten sowie in der DNA-Nanotechnologie breite Anwendung. Die Details, insbesondere bei dem von Wagenknecht bevorzugt bearbeiteten reduktiven Ladungstransfer, sind noch nicht voll verstanden. Wagenknecht, der dieser Thematik seit seinem Postdoktorat am CalTech (California Institute of Technology, Pasadena) bei Professor Dr. Jaqueline K. Barton nachgeht, ist bereits im vergangenen Jahr von der GDCh mit dem ORCHEM-Preis ausgezeichnet worden.



Die Hellmut-Bredereck-Stiftung, benannt nach einem der bedeutendsten deutschen Chemiker des vergangenen Jahrhunderts und 1995 von dessen Witwe bei der GDCh eingerichtet, stellt auf der GDCh-Jahrestagung in einem Symposium noch drei weitere interessante Forschungsarbeiten vor. Professor Dr. Thomas J.J. Müller von der Universität Heidelberg berichtet über neue Strategien und Methoden - sogenannte Ein-Topf-Verfahren - zur Synthese von Heterocyclen, die von großem pharmazeutischen Interesse sind. Professor Dr. Clemens Richert von der Universität Karlsruhe bringt sich mit einem Beitrag zur "synthetischen Biologie" ein. Er zeigt chemische Wege zur Verlängerung von Primern auf, von kurzen DNA-Stücken (Oligonucleotiden), die für den Nachweis von bestimmten DNA-Abschnitten (Gensequenzen) erforderlich sind - Stichwort Polymerase-Kettenreaktion, die beispielsweise aus der Kriminalistik oder der medizinischen Diagnostik nicht mehr wegzudenken ist. Professor Dr. Beate Koksch von der Freien Universität Berlin befasst sich mit zielgerichtetem Peptiddesign und dem Einfluss des physiologischen Milieus auf die Peptid- bzw. Proteinfaltung. Diese Arbeiten sind fundamental für das Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und BSE.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Unter dem Dach der GDCh verfolgen diese Stiftungen typischerweise die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie die Auszeichnung wissenschaftlicher Exzellenz durch die Vergabe von Preisen und Stipendien. Die Hellmut-Bredereck-Stiftung erinnert an einen ehemaligen Präsidenten der GDCh, der von 1948 bis 1972 Professor und Direktor des Instituts für Organische Chemie an der Universität Stuttgart war. Die Höhe des Geldpreises beträgt in diesem Jahr 5.000 Euro.

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

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