Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Genchips Krankheiten diagnostizieren - Experten diskutieren in Tübingen

01.04.2005


Von Freitag, 15., bis Sonntag, 17. April tagen Wissenschaftler und Unternehmer aus zwölf Ländern über Microarrays (Genchips) in der Diagnostik humaner Erkrankungen. Unter dem Titel "Microarrays meets diagnostics" diskutieren die von der European Science Foundation eingeladenen Experten die technologische Basis, erste Anwendungen, Perspektiven aber auch Probleme der diagnostischen Anwendung von Genchips. Organisiert wird der Workshop vom Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Tübingen. Veranstaltungsort ist das Tübinger Schloss, Fürstenzimmer.



Genchips werden die Diagnostik komplexer Erkrankungen wie Krebs und Diabetes in Zukunft grundlegend verändern. Mit ihrer Hilfe können diejenigen Varianten in der Sequenz der Gene einzelner Menschen erkannt, geordnet und wieder erkannt werden, die mit der Ausprägung dieser Erkrankungen verbunden sind.

... mehr zu:
»Gen »Genchips »SNP


Üblicherweise untersucht man in genetischen Analysen einzelne kleine Gene oder Genfragmente in einem Experiment. Microarrays können mehr. Mit der Microarray Technologie gelingt es, große und verschiedene Gene, ganze Teile eines Genoms und sogar das gesamte menschliche Genom auf einmal in den Blick zu bekommen. So ist es technologisch möglich, Variationen, die im Erbgut der Menschen auftreten, zu messen. Diese Differenzen tragen zu den individuellen Unterschieden der Menschen entscheidend bei: Unterschiede, die wir sehen können, wie Haarfarbe und Größe, aber eben auch Unterschiede in der Prädisposition bestimmte Krankheiten zu entwickeln und bei der Reaktion auf Medikamente.

Prof. Olaf Riess und Dr. Michael Bonin vom Tübinger Institut für Humangenetik, stellen einen so genannten Resequenzierungschip für die Diagnostik der Mukoviszodose (Zystische Fibrose) vor. Die Tübinger Gentiker haben für Mukoviszodose, eine der häufigsten autosomal rezessiv vererbten Stoffwechselerkrankungen, einen Microarray entwickelt. Dieser erlaubt die gleichzeitige Analyse aller derzeit über 600 bekannten Mutationen, die zu einer Erkrankung an Zystischer Fibrose führen können. Im Gegensatz hierzu werden in der genetischen Routinediagnostik heute nur 19 bis 32 Mutationen nacheinander getestet. Dabei werden nicht nur weniger Mutationen getestet, es kostet auch mehr Zeit.

Erweiterte und verbesserte diagnostische Möglichkeiten sowie Zeitersparnis sind Faktoren, die auch die Krankenkassen an Microarrays interessieren. Letztendlich zielt die diagnostische Anwendung der Genchips auf Informationen, die es gestatten, individuelle Besonderheiten in die Therapieplanung mit einzubeziehen. Das Ziel ist, nicht mehr nur ein und dieselbe Therapie für eine Erkrankung zu finden, sondern auf die einzelnen Menschen und ihre Individualität bezogene Therapien.

Was sind Microarrays?

Microarrays oder auch Genchips bestehen aus einem Trägermaterial, auf das biologische Sondenmoleküle, etwa DNA Fragmente, in hoher Anzahl und Dichte angeordnet, fixiert sind. Je nach Anwendung befinden sich heute bis zu mehrere hunderttausend Punkte (Spots) mit den synthetisch hergestellten Sondenmolekülen auf einem Träger, wobei jeder Punkt ein Reaktionsgefäß ersetzt. Bei der im Augenblick am häufigsten angewandten Methode werden fluoreszenzmarkierte Moleküle der Testprobe zu den fixierten Sondenmolekülen gegeben. Wie ein Schlüssel in das passende Schloss binden die freien Moleküle in einer Hybridisierungsreaktion an die zu ihnen passenden Sondenmoleküle. Nach einer gewissen Zeit wird die nicht gebundene Testprobe vom Chip gewaschen, Fluoreszenzmarken befinden sich dann nur noch an den Punkten mit komplementär passenden Teststrängen.

Derart lassen sich Variationen in der Sequenz eines Gens detektieren, die von der normalerweise vorgefundenen Sequenz abweichen. Die häufigsten genetischen Variationen sind dabei die so genannten SNPs (single nucleotide polymorphisms). Ein SNP ist das Auftreten eines Nukleotids an einer bestimmten Stelle des Genoms, das von dem Nukleotid abweicht, das an derselben Stelle bei den meisten Menschen gefunden wird. Die Anzahl der SNPs geht im menschlichen Genom in die Millionen. In der Tat wird geschätzt, dass im Vergleich zweier Genome durchschnittlich alle 1000 Basenpaare ein SNP gefunden werden würde. Diagnostisch relevant werden SNPs und andere genetische Variationen dann, wenn eine bestimmte Anzahl von ihnen mit einer Erkrankung, mit einem erhöhten Risiko für eine Erkrankung oder einer modifizierten Reaktion auf eine Therapie bzw. ein Medikament in Verbindung gebracht werden kann.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Institut für Humangenetik, Abt. Medizinische Genetik
Holm Graessner, Wissenschaftsmanager
Calwerstr. 7, 72076 Tübingen
Tel. 0 70 71/29-7 22 85
holm.graessner@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Gen Genchips SNP

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin
24.02.2017 | TMF - Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF)

nachricht Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie
24.02.2017 | Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie