Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jahrestagung zur Qualität der Medizinischen Lehre vom 21.-23. November an der Uni Jena

18.11.2002


Ausbildungsdilemma: lieber gute Ärzte oder gute Forscher



Reformzeit in den medizinischen Studiengängen. Seit Jahren steht die Qualität der Lehre auf dem Prüfstand. Zu wenig Praxisbezug in der Ausbildung lautet die gängige Kritik. Das soll sich mit der neuen Studien- und Prüfungsordnung ändern, die im Sommer 2002 vom Bundesrat beschlossen wurde. Die so genannte Approbationsordnung soll weniger staatliche Prüfungen, mehr praktische Arbeit in kleinen Gruppen, mehr Freiraum für die Fakultät aber auch mehr Wettbewerb zwischen den Universitäten bewirken. "Es liegt nun an den Fakultäten, die neue Ordnung umzusetzen", sagt Prof. Dr. Bernhard Strauß, Studiendekan der Medizinischen Fakultät der Uni Jena. Welche Veränderungen und Maßnahmen von den Unis ergriffen werden müssen, wird vom 21.-23. November Gegenstand der Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sein. Die Tagung zur "Qualität der Lehre" wird vom Institut für Medizinische Psychologie der Jenaer Uni organisiert.



Mit geschickt gewählten Einleitungsbeiträgen führt Strauß das Dilemma vor, in dem sich die Medizinerausbildung in Deutschland befindet. Seit Jahren herrscht Uneinigkeit über die Frage: "Was wollen wir ausbilden, gute Ärzte oder gute Forscher?" Strauß selbst, als Studiendekan verantwortlich für die Klinische Ausbildung in Jena, plädiert für die Ausbildung guter Ärzte. Gut sind für ihn solche, die sowohl alle Möglichkeiten der Diagnose und Therapie kennen und ausschöpfen, als auch interdisziplinär, über das eigene Fachgebiet hinaus denken zum Wohle des Patienten. "Die neue Approbationsordnung betrifft also nicht nur die Studierenden", macht Strauß klar, "sondern Unzulänglichkeiten in der Lehre haben Auswirkungen für die Patienten."

Einen Ausweg bieten neue Lehr- und Lernkonzepte, wie zum Beispiel das fallorientierte Lernen. "Patienten sind das, was ein Arzt zu sehen bekommt", erklärt Strauß, "deswegen lernen die Mediziner in kleinen Gruppen direkt am Fallbeispiel, was zu beachten ist". An einigen Vorreiter-Unis ist diese Lehrmethode bereits getestet worden. "Sie hat sich bewährt", meint Strauß. Daher will die Universität Jena sie sukzessive einführen. Längst eingeführt (seit 1998) hat die Medizinische Fakultät hingegen die in der Approbationsordnung geforderte Evaluation (kritische Prüfung) der Lehre. "Besondere Leistungen werden anschließend gratifiziert", sagt Strauß. Das heißt, wer sich in der Lehre engagiert wird belohnt.

Eng verwoben mit den Reformen der Mediziner-Ausbildung ist auch die von der Bildungspolitik mittelfristig angedachte Abschaffung der zentralen Vergabe von Studienplätzen. Um den Wettbewerb der Unis untereinander zu ermöglichen und so die Fakultäten zu motivieren, die Lehre weiter zu verbessern, sollen sich Studierende künftig direkt bei den Universitäten bewerben. "Es ist also durchaus zeitgemäß, jetzt über die Möglichkeiten nachzudenken, die Fakultäten zu profilieren, um sie attraktiv für die Studierenden zu machen", erklärt Strauß die Brisanz der diesjährigen GMA-Tagung.

Kontakt:

Prof. Dr. Bernhard Strauß
Institut für Medizinische Psychologie der Uni Jena
Stoystr. 3, 07745 Jena
Tel.: 03641-93650
Fax: 03641-936546
E-Mail: bernhard.strauss@med.uni-jena.de

Monika Paschwitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-jena.de/mpsy/gma-tagung

Weitere Berichte zu: Approbationsordnung Psychologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht
22.03.2017 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Über Raum, Zeit und Materie
22.03.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie