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Wohin mit den radioaktiven Abfällen? - Endlager-Arbeitskreis trifft sich in Jena

13.03.2002


Der Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AKEnd) trifft sich vom 18. bis 20. März an der Uni Jena, um über die Kriterien bei der Suche nach einem Endlager für radioaktive Abfälle zu beraten. An dieser Suche soll auch die Öffentlichkeit beteiligt werden. Am 18. März diskutiert der Arbeitskreis außerdem mit den Jenaer Abgeordneten im Landtag von Thüringen und mit den Mitgliedern des Umweltausschusses des Bundestages. Gastgeber des Treffens ist der Geophysiker Prof. Gerhard Jentzsch von der Uni Jena, der Mitglied des Arbeitskreises ist.

Der im Februar 1999 vom Bundesumweltministerium eingerichtete Arbeitskreis soll ein Verfahren entwickeln, um die Suche nach einem solchen Endlager möglichst objektiv und transparent zu gestalten. Ihm gehören 16 Mitglieder an, die das gesamte Spektrum der öffentlichen Meinung und der unterschiedlichen Fachgebiete vertreten - aus Ökogruppen, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Bundesbehörden. Chemiker, Physiker und Geowissenschaftler sind ebenso dabei wie Bergbauexperten, Ingenieure oder Fachleute für Deponietechnik.

Beim Betrieb der deutschen Kernkraftwerke, aber auch zum Beispiel bei medizinischen Untersuchungen und Therapien, fallen radioaktive Abfälle an, die unter Aussendung von Strahlung allmählich zerfallen. Bei einigen geht das sehr schnell - innerhalb von Tagen oder sogar Sekunden -, bei anderen dagegen dauert dieser Zerfall Jahrmillionen. Thorium 219 zum Beispiel hat nur eine Halbwertszeit - die Zeitspanne, bis zu der von den ursprünglich vorhandenen Atomen die Hälfte zerfallen ist - von etwa einer Tausendstel Sekunde, das bei der Kernspaltung entstehende Plutonium von 24100 Jahren, das auch in der Natur vorkommende Uran 235 gar von 704 Millionen Jahren.

Die Stoffe mit den langen Halbwertszeiten können entweder für eine erneute Nutzung wiederaufbereitet werden oder sie müssen über Jahrhunderte von der Umwelt ferngehalten und sicher in einem atomaren Endlager verwahrt werden, damit sie keine Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Da Deutschland aus der Wiederaufbereitung ausgestiegen ist, sucht man derzeit nach einem Endlager für die radioaktiven Abfälle.

Der Arbeitskreis entwickelt in Phase I Kriterien für das Auswahlverfahren, hat aber mit der Suche nach dem Endlager selbst nichts zu tun. Bereits im vergangenen September hatte der Arbeitskreis in der Nähe von Frankfurt am Main erste Ergebnisse vorgestellt und dabei über sein weiteres Vorgehen diskutiert. Eine Bewertung der Standorte Gorleben und Konrad gehört jedoch ausdrücklich nicht zu seinen Aufgaben.

Ende 2002 legt der Arbeitskreis einen Abschlussbericht vor. Mit ihm beginnt Phase II, in der diese Kriterien ausführlich öffentlich diskutiert und politisch umgesetzt werden sollen. Ziel ist ein nachvollziehbares, wissenschaftlich begründetes Auswahlverfahren auf gesetzlicher Grundlage. Die Diskussion mit der nationalen und internationalen Fachwelt und der interessierten Öffentlichkeit soll das Verfahren transparent machen und so dafür sorgen, dass spätere Standortentscheidungen von der Bevölkerung auch akzeptiert werden. Erst danach soll in einigen Jahren in Phase III ein Standort ausgewählt werden. Etwa im Jahre 2030 soll dann ein Endlager für radioaktive Abfälle verfügbar sein.


Weitere Informationen: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Geowissenschaften, Lehrstuhl für Angewandte Geophysik, 07740 Jena, Prof. Dr. Gerhard Jentzsch, Tel. (0 36 41) 94 86 60, Fax: (0 36 41) 94 86 62, E-Mail: jentzsch@geo.uni-jena.de

Hubert J. Gieß | idw
Weitere Informationen:
http://www.akend.de

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