Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strafrechtler und Philosophen diskutieren das Problem der Verantwortung

21.02.2002


Interdisziplinäre Konferenz an der Martin-Luther-Universität

Vom 28. Februar 2002 bis zum 2. März 2002 findet an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine von der DFG geförderte, interdisziplinäre Konferenz statt, die unter dem Titel "Zurechnung als Operationalisierung von Verantwortung" das Problem der Verantwortung beleuchtet. Auf dem Tagungsprogramm stehen drei Themenkreise: Geschichte des Zurechnungsbegriffs, Zurechnungsprobleme in der politischen Wirklichkeit sowie rechtliche und philosophische Aspekte des Zurechungsbegriffs. Neben Experten aus dem Bundesgebiet und den USA werden namhafte italienische Strafrechtler und Philosophen das Wort ergreifen. Die Veranstaltung beginnt am 28. Februar, 9:00 Uhr, im Seminarraum 2, Juridicum, Universitätsplatz 5 in Halle/Saale. Gemeinsame Organisatoren sind das Institut für Philosophie und die Juristische Fakultät (Professur für Strafrecht und Rechtsphilosophie). Für die wissenschaftliche Leitung zeichnen Prof. Dr. Matthias Kaufmann und Prof. Dr. Joachim Renzikowski (beide Uni Halle) verantwortlich.

Es gibt, besonders im Kontext der ökologischen Bewegung und der Kritik an den Folgen der Großtechnologien, eine seit einigen Jahren intensiver werdende Diskussion um das Problem der Verantwortung. Erinnert sei an Das Prinzip Verantwortung von Hans Jonas (einem der bekanntesten deutschen Philosophen) aus dem Jahre 1979, aber auch an die aktuelle Diskussion um individuelle und kollektive Verantwortung im Rahmen der Technikfolgenbewertung.

Bei moralischen Appellen an das menschliche Verantwortungsbewusstsein für die eigene Zukunft, für die Zukunft der Menschheit oder auch für das Leben auf dem Planeten Erde, tut man sich sehr schwer, die Verantwortlichen und die ihnen zuzuschreibenden Verhaltensweisen zu identifizieren. In der juristischen, speziell strafrechtlichen Tradition, bietet zumindest für vergangene Handlungen der Begriff der "Zurechnung" einen Weg zur systematischen Durchdringung der Problematik. So waren es vor allem Fragen der Strafgerechtigkeit, die den Anlass zu ersten Versuchen einer systematischen Entfaltung des Begriffs der "Zurechnung als Operationalisierung der Verantwortung" gaben.

Die europäische Tradition beginnt bereits bei Aristoteles, setzt sich über Thomas von Aquin und andere scholastische Autoren fort bis hin zu Naturrechtslehrern der Aufklärung wie Pufendorf, Daries und - als genius loci - Christian Wolff.
Berühmt geworden ist die Definition aus Kants Metaphysik der Sitten: "Zurechnung (imputatio) in moralischer Bedeutung ist das Urteil, durch welches jemand als Urheber (causa libera) einer Handlung, die alsdann Tat (factum) heißt und unter Gesetzen steht, angesehen wird". Darüber hinaus zeigen neuere Forschungen weitere unterschiedliche Zugangsweisen zu dieser Problematik bei Denkern aus verschiedenen europäischen Ländern, wie etwa dem italienischen Strafrechtler und Rechtsphilosophen Carmignani im frühen neunzehnten Jahrhundert. Die Bandbreite der Diskussion um die Zurechnung erfasst empirische Zugänge ebenso wie theoretisch-abstrakte Denkkategorien.

Andererseits gibt es seit einiger Zeit Bemühungen, das bereits erworbene Wissen um Verantwortung und Zurechnung in die politischen Debatten einzubringen, ohne dass allerdings so etwas wie ein tragfähiger Konsens entstanden wäre.
Die Tagung möchte diesem europäischen Erbe nachspüren und im interdisziplinären und internationalen Diskurs Marksteine für die derzeitige Diskussion setzen. Bei einem solchen Vorgehen stellt sich quasi von selbst die Frage, ob und inwieweit Forschungsergebnisse aus anderen Epochen und aus anderen Disziplinen für gegenwärtig diskutierte Fragen verarbeitet werden können.
Problembereiche sind dabei nicht nur die "ewige" Frage von Schuld und Willensfreiheit, sondern auch die methodische Unterscheidung verschiedener Zurechnungsarten. Diskutiert wird auch die Zurechnung bei Beteiligung mehrerer sowie die immer mehr in den Blickpunkt rückende Zurechnung zu Personenverbänden und die daraus sich ergebenden Konsequenzen für die Verhängung von Sanktionen.

Ingrid Godenrath | idw
Weitere Informationen:
http://www.jura.uni-halle.de/renzikowski/index.htm

Weitere Berichte zu: Operationalisierung Problematik Strafrecht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz
17.02.2017 | Universität Hohenheim

nachricht ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet
17.02.2017 | Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung