Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse zum "künstlichen Schlaf"

19.06.2001


Sie soll den Organismus möglichst wenig belasten, andererseits aber dafür sorgen, dass der Patient keine Schmerzen verspürt und von der Operation nichts mitbekommt: Eine gelungene Narkose ist immer auch eine Gratwanderung für den Anästhesisten, insbesondere da ihre Mechanismen bis heute nicht komplett verstanden sind. Vom 28. bis zum 30. Juni diskutieren in Bonn international führende Anästhesie-Experten über neue Erkenntnisse zum "künstlichen Schlaf". Tagungsort ist das Gustav-Stresemann-Institut am Langen Grabenweg 68.

Die Wissenschaftler wollen verstehen, wie Narkosemittel auf molekularer und zellulärer Ebene sowie auf Netzwerke von Neuronen wirken und wie sie unterschiedliche Reaktionen im menschlichen Organismus hervorrufen können. So nimmt man heute an, dass die Medikamente die Funktion bestimmter Eiweiße im Gehirn beeinflussen, die das Bewusstsein und die Schmerzempfindung verarbeiten. Dass dabei nur wenige sogenannte "Anästhesie-Schalter" wie zum Beispiel Rezeptoren für die Gamma-Aminobuttersäure eine wesentliche Rolle spielen, ist umstritten. Viele Wissenschaftler glauben heute stattdessen, dass noch eine ganze Reihe weiterer Schlüsseleiweiße im Gehirn existieren, deren Wirkung durch die Narkosemittel verändert wird.

Seit der ersten Äthernarkose 1846 in Boston hat die Anästhesie enorme Fortschritte gemacht. Wurde der Patient früher ausschließlich mit gasförmigen Narkotika in den Tiefschlaf versetzt, setzt der Anästhesist heute einen fein abgestimmten Mix von Anästhesiegasen und verschiedenen intravenös gespritzten Medikamenten ein, um Nebenwirkungen und andere Belastungen für den Körper möglichst gering zu halten. Mit Erfolg, denn das Anästhesierisiko ist heutzutage statistisch kaum mehr nachweisbar: Weniger als einer von 250.000 Patienten stirbt bei einer Narkose.

Die Anästhesietiefe ist bis heute immer noch nicht verlässlich direkt messbar. In der Vergangenheit konnte es daher vorkommen, dass Patienten während der Operation erwachten oder ihr Schmerzempfinden zurückkehrte. Selbst der erfahrene Anästhesist kann von solchen Situationen überrascht werden, denn nicht immer kommt es zum Beispiel zu einem Warnzeichen wie einem plötzlichen Blutdruckanstieg, auf den er mit weiterer Medikamentengabe reagieren kann. Ein besseres Verständnis der Mechanismen könnte aber dazu beitragen, diese Zwischenfälle gänzlich zu verhindern. Informationen zum Tagungsprogramm finden sich im Internet unter http://mac2001.uni-bonn.de/

Ansprechpartner für Redaktionen: Prof. Dr. Bernd W. Urban, Klinik für Anästhesiologie an der Universität Bonn, Tel.: 0228/287-6703, Fax: 0228/287-5157, E-Mail: bwurban@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Anästhesist Narkose Organismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Das Immunsystem in Extremsituationen
19.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm
19.10.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise