Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rendezvous von Licht und Materie

23.03.2001


Internationale Tagung über Atom- und Molekülphysik in Berlin

Quanten, Atome und andere Bewohner des Mikrokosmos geben sich vom 2. bis 6. April ein Stelldichein an der Technischen Universität Berlin: Neueste Erkenntnisse der Optik sowie der Atom- und Molekülphysik stehen im Mittelpunkt einer Konferenz, zu der sich rund 1.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland angekündigt haben. Das Wochenprogramm spannt einen weiten Bogen von der Laserforschung über Studien zu Quantencomputern bis hin zur Biophysik. In einzelnen Beiträgen geht es um optische Datenspeicher, ein weiteres Thema: Speziallampen für Fernsehprojektoren. Die "7. Europäische Konferenz über Atom- und Molekülphysik" (ECAMP VII) zählt zu den größten Fachtreffen ihrer Art; die European Physical Society (EPS) und die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) richten diese Tagung gemeinsam aus.

Die Konferenz ist ein Treffpunkt der "Extreme": Superkalte Atome, heiße Gase und ultrakurze Laserpulse geben sich gewissermaßen die Klinke in die Hand. Gleich zum Tagungsauftakt berichtet der französische Forscher Alain Aspect über Experimente mit sehr kalten Atomen. Dabei dreht sich alles um die so genannte "Bose-Einstein-Kondensation" - ein exotischer Materiezustand, der nur in der Nähe des absoluten Nullpunkts (minus 273,15 Grad Celsius) existiert. Unter diesen außergewöhnlichen Bedingungen regiert die Quantenphysik das Geschehen: Atome geben ihren Teilchencharakter auf und verhalten sich wie Wellen. Hier beginnt das Reich der Atomoptik. Licht und Materie vollziehen dabei eine Art Rollentausch. Während in der normalen Optik Lichtwellen über Spiegel - also mit Hilfe von Materie - manipuliert werden, lassen sich Materiewellen auch per Laserlicht dirigieren.

Licht als besonderes Werkzeug ist auch das Thema von Gustav Gerber am 3. April. In seinem Plenarvortrag beschreibt der Würzburger Wissenschaftler wie Laserblitze chemische Reaktionen steuern können. Dazu wird den Reaktionspartnern feindosierte Energie zugeführt - der chemische Prozess auf diese Weise in die gewünschte Richtung geleitet. Die hierbei verwendeten Laserpulse dauern nur Bruchteile einer billionstel Sekunde, damit erreicht die Länge des Lichtpakets nicht einmal Haaresbreite. Wie mit einem Stroboskop lassen sich über ultrakurze Laserpulse auch die Zwischenschritte von chemischen Reaktionen untersuchen. Solche Studien ziehen sich durch das Tagungsprogramm wie ein roter Faden.

Wasser gehört zu den Molekülen, die im Universum am weitesten verbreitet sind. Es kommt sogar auf der Sonnenoberfläche vor, insbesondere innerhalb der Sonnenflecken. Der Fingerabdruck von Atomen und Molekülen ist ihr Energiespektrum. Und so verrät sich der heiße Wasserdampf auf der Sonne durch sein typisches Strahlungsmuster. Dem Thema "heißes Wasser im Himmel und auf Erden" ist am 5. April ein Plenarvortrag des Briten Jonathan Tennyson gewidmet.

Am letzten Tag der Konferenz nimmt der Münchner Theodor Hänsch einzelne Wasserstoff-Atome unter die Lupe. Dieses einfachste Mitglied im Periodensystem der Elemente ist das Versuchskaninchen der Quantenoptik: ein ideales Testobjekt für Vergleiche zwischen Theorie und Experiment.

Wie sich mit Hilfe von Quanten Information verarbeiten oder auch verschlüsseln lässt - diese Thematik behandeln mehrere Fachsitzungen am 2. und 3. April. In diesem Rahmen wird Hans Jürgen Briegel aus München ein neues Konzept zur Realisierung eines Quantenrechners vorstellen. Solche Computer versprechen geradezu astronomische Rechenleistungen, noch gibt es allerdings nur rudimentäre Prototypen.

Im Grenzgebiet zwischen Biologie, Chemie und Nanophysik sind jene Schwerpunkte angesiedelt, mit denen sich ein Symposium am 2. April auseinandersetzt. Hier geht es beispielsweise um Nano-Röhren aus Kohlenstoff (synthetische Moleküle mit außergewöhnlichen Eigenschaften), aber auch um molekulare Zellmotoren. Ein anderer Beitrag aus der Biophysik begibt sich im Laufe der Woche auf die Spur des Malaria-Erregers, in der Fachsitzung "Einzel-Molekül-Spektroskopie" wird unter anderem über den Mechanismus der Photosynthese diskutiert.

Zum Auftakt der Tagung findet eine Pressekonferenz statt, zu der Journalistinnen und Journalisten herzlich eingeladen sind.

Der Termin:
Montag, 2. April, 10:30 Uhr

... mehr zu:
»Laserpuls

Technische Universität Berlin
Hauptgebäude, Senatssitzungssaal (Raum H 1036, 1. Etage)
Straße des 17. Juni 135

Weitere Informationen

Deutsche Physikalische Gesellschaft


Pressestelle
Hauptstraße 20a
53604 Bad Honnef
Tel.: 02224 / 95 195 - 18
Fax: 02224 / 95 195 - 19
E-Mail: presse@dpg-physik.de

Technische Universität Berlin
Referat für Presse und Information
Hauptgebäude (Raum H 1004)
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin

Tel.: 030 / 314-23922 oder -22919
Fax: 030 / 314-23909 oder -21421
E-Mail: pressestelle@tu-berlin.de

Walter Iser | idw

Weitere Berichte zu: Laserpuls

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017
23.10.2017 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Die Zukunft der Luftfracht
23.10.2017 | Frankfurt University of Applied Sciences

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie