Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DOG Kongress 2008: Innovative Therapieansätze bei Altersblindheit

09.09.2008
Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist hierzulande die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen. Etwa 4,5 Millionen Deutsche leiden an der Netzhauterkrankung. Betroffene sehen im Bildzentrum einen dunklen Fleck und können Gesichter nicht mehr erkennen.

Bei der Behandlung sollen neben neuen Medikamenten jetzt auch Technologien aus der Molekularbiologie zum Einsatz kommen. Gene, die eine AMD verursachen, lassen sich damit gezielt ausschalten.

Die AMD-Therapie ist ein zentraler Themenschwerpunkt auf dem 106. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Bei der AMD nimmt die Stelle des schärfsten Sehens - die Makula - Schaden. Die Krankheit tritt in zwei Formen auf: der "trockenen" und der "feuchten" Variante. "Bei einer feuchten AMD bilden sich Blutgefäße in der Makula und wuchern in das Gewebe hinein. Sie sondern Flüssigkeit in die Netzhaut ab und zerstören so die Sinneszellen", erklärt Professor Frank G. Holz, Präsident der DOG. Ursache für die Bildung der Blutgefäße ist ein Eiweiß mit der Abkürzung VEGF (vascular endothelial growth factor). Derzeit erhalten Patienten mit feuchter AMD vor allem Medikamente, die den Stoff unwirksam machen. Sie binden ihn an sich und verhindern so ein weiteres Wachstum der Blutgefäße.

Ein neuer Therapieansatz zielt darauf ab, dass VEGF gar nicht erst gebildet wird. Zum Tragen kommt hier die sogenannte RNA-Interferenz. "Dabei handelt es sich um ein molekularbiologisches Verfahren, mit dem sich einzelne Gene gezielt 'stumm schalten' lassen. Bei der AMD geht es darum, das Gen außer Gefecht zu setzen, das für die Bildung von VEGF verantwortlich ist", erläutert Holz im Vorfeld des DOG-Kongresses. "Inwieweit dieser spannende neue Ansatz bei Patienten funktioniert, wird derzeit noch untersucht."

Während für die feuchte AMD bereits verschiedene Medikamente zur Verfügung stehen, ist für die trockene Form, von der noch mehr Menschen betroffen sind, bislang noch kein wirksames Präparat auf dem Markt. Eine Verbesserung des Krankheitsbildes versprechen sich die Ärzte allerdings von dem Wirkstoff Fenretinide, der sich derzeit in der Testphase befindet. Welches Potenzial er für die AMD-Therapie birgt, werden Holz und seine Kollegen aus Wissenschaft und Medizin in der nächsten Woche auf dem DOG-Kongress diskutieren.

Die DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5400 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln.

Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org
http://www.dog2008.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Internationale Konferenz zu Sprachdialogsystemen und Mensch-Maschine-Kommunikation in Saarbrücken
24.07.2017 | Universität des Saarlandes

nachricht Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg
24.07.2017 | Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu Sprachdialogsystemen und Mensch-Maschine-Kommunikation in Saarbrücken

24.07.2017 | Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Power-to-Liquid: 200 Liter Sprit aus Solarstrom und dem Kohlenstoffdioxid der Umgebungsluft

24.07.2017 | Energie und Elektrotechnik

Innovationsindikator 2017: Deutschland auf Platz vier von 35, bei der Digitalisierung nur Rang 17

24.07.2017 | Studien Analysen

Netzwerke statt Selbstversorgung: Wiesenorchideen überraschen Bayreuther Forscher

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie