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Neue Problemstoffe in der Umwelt

02.09.2008
Pharmazeutika, polyfluorierte Substanzen, Flammschutzmittel, Nanopartikel oder Treibstoffadditive, die erst seit kurzer Zeit im Umlauf sind, können sich als problematisch für die Umwelt erweisen.

Aber auch Stoffe, die bereits seit Dekaden in die Umwelt gelangen, werden erst in letzter Zeit als problematisch wahrgenommen. Umweltchemiker und -toxikologen diskutieren mögliche Lösungen auf einer Tagung an der Goethe-Universität Frankfurt.

Mit dem Verhalten und den Wirkungen von Chemikalien in der Umwelt sowie mit Lösungsansätzen für damit verbundene Umweltprobleme befasst sich vom 23. bis 26. September 2008 eine Tagung an der Goethe-Universität. Zu diesem bedeutendsten Forum für Umweltwissenschaftler im deutschsprachigen Raum treffen sich Experten der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des deutschsprachigen Zweigs der Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC-GLB).

Benutzerfreundliche und empfindlichere Methoden erleichtern es, immer mehr und neue Chemikalien in der Umwelt festzustellen. Doch wie wirken sie auf die Organismen, die ihnen ausgesetzt sind? Welche Konzentrationen gelten als gefährlich? "Vielfach sind es nicht einzelne Stoffe, die Organismen schädigen, sondern ganze Cocktails unterschiedlicher Chemikalien", erläutert Dr. Matthias Oetken, Wissenschaftler in der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie an der Goethe-Universität und Mitorganisator der Tagung, "Über die Wechselwirkung zwischen diesen Stoffen wissen wir zurzeit noch wenig". Mit diesem Problemkreis beschäftigen sich in Plenarvorträgen Prof. Walter Giger und Prof. Hansruedi Siegrist von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung im schweizerischen Dübendorf sowie Prof. Thomas Braunbeck von der Universität Heidelberg.

Auf umweltchemischem Gebiet befasst sich die Jahrestagung schwerpunktmäßig mit der Verteilung und dem Transport von Umweltchemikalien sowie ihrem chemischen und biochemischen Stoffwechsel. Diskutiert werden Strategien des Umweltmonitoring in Luft, Wasser, Boden und Lebewesen sowie der Stoffverteilung zwischen diesen verschiedenen Bereichen der Umwelt. In der Ökotoxikologie geht der Trend hin zu Methoden der molekularen Zell- und Entwicklungsbiologie. Genomics, Transcriptomics und Proteomics sind Techniken, mit denen große Erwartungen verbunden sind. Jedoch werden Spezifität und Empfindlichkeit noch kritisch betrachtet. Daher treten etablierte Ansätze wieder in den Vordergrund, zu denen beispielsweise klassische histologische Techniken gehören.

Zu den Lösungsmöglichkeiten, die in Frankfurt diskutiert werden und die es zu verstärken gilt, gehören Umweltlabel für Arzneimittel, die separate Behandlung von stark kontaminierten Abwässern, beispielsweise aus Krankenhäusern, oder auch die Urinseparation. Technische Möglichkeiten zur weitgehenden Verringerung der vielfältigen Spurenstoffe wäre die Zugabe von Ozon oder Pulveraktivkohle in den Ablauf aus der biologischen Klärstufe. Pilotprojekte klären zurzeit die technische Machbarkeit, also Kosten, Energieverbrauch oder Einfluss auf die Gewässer, und es muss insbesondere bei der Ozonung abgeklärt werden, ob sich Stoffwechselprodukte bilden, die toxisch wirken könnten.

Gesicherte wissenschaftliche Ergebnisse sind die Basis politischer Weichenstellungen und Entscheidungen. Eckpunkte für einen weltweit sicheren Umgang mit gefährlichen Chemikalien wurden erstmals auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro beschlossen. Zehn Jahre später wurde der Strategic Approach on International Chemicals Management (SAICM) auf den Weg gebracht. Hierin sollen weltweit vorhandene und teilweise konkurrierende Aktivitäten zur Chemikaliensicherheit übergreifend gebündelt, Lücken im Chemikalienmanagement identifiziert und geschlossen sowie die Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern verringert werden. Wie Dr. Reiner Arndt vom Bundesumweltministerium in Bonn im Eröffnungsvortrag zur Tagung in Frankfurt betont, stehen bei der nationalen Umsetzung von SAICM insbesondere die Schwellen- und Entwicklungsländer im Vordergrund, da in der EU die vorgeschlagenen Maßnahmen weitgehend durch nationale und EU-Regelungen abgedeckt sind.

Die SETAC ist eine der einflussreichsten Organisationen in der angewandten Ökotoxikologieforschung, ihr deutschsprachiger Zweig hat ca. 400 Mitglieder aus Universitäten, Behörden und Industrie. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit über 800 Mitgliedern.

Informationen:
Prof. Wilhelm Püttmann,
Institut für Atmosphäre und Umwelt, Campus Riedberg,
Tel.: (069)-798-40225, puettmann@iau.uni-frankfurt.de.
Dr. Matthias Oetken,
Institut für Ökologie,
Evolution und Diversität,
Tel.: (069)-798-24850, oetken@bio.uni-frankfurt.de.
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. Vor 94 Jahren von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit 45 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Uni den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigt sich die Goethe-Universität als eine der forschungsstärksten Hochschulen Deutschlands.
Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation,
Postfach 11 19 32,, 60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy,
Referentin für Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

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