Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie bei einer Katastrophe künstliche Agenten zusammenarbeiten

12.08.2008
Wenn bei einer Katastrophe in Zukunft kleine autonome Fahrzeuge eingesetzt werden, um Überlebende zu finden und zu retten, steckt dahinter ein Multiagentensystem.

Dies ist ein komplexes System, dessen einzelne Komponenten selbständig handelnde Agenten sind. Internationale Wissenschaftler diskutieren auf einer Tagung vom 1. bis 5. September 2008 im Leibniz-Zentrum für Informatik auf Schloss Dagstuhl, wie man solche Multiagentensysteme programmieren und entwickeln kann.

Dabei versucht man, mehrere Methoden der Künstlichen Intelligenz mit anderen Techniken der Informatik zu verknüpfen.

In der Informatik hat sich in den letzen 20 Jahren der Begriff des intelligenten, autonomen Agenten herausgebildet (agens=handelnd). Auch heutige Industrieroboter in der Automobilfertigung oder Fahrzeuge, die zum Erkunden eines gefährlichen, einsturzgefährdeten Bereichs eingesetzt werden, kann man als Agenten bezeichnen, allerdings besitzen sie keine Intelligenz und handeln nicht autonom: sie werden durch den Menschen oder durch ein festes Computerprogramm gesteuert.

Im Gegensatz dazu haben Wissenschaftler die Vision von Fahrzeugen, die selbständig, also ohne Fahrer oder Fernsteuerung funktionieren. Sie könnten zum Beispiel bei einer Katastrophe Rettungsgüter von einem Ort zu einem anderen bringen. Solch ein autonomes Fahrzeug müsste auf viele unvorhergesehene Dinge achten können, wie zum Bespiel Absperrungen, geänderte Streckenführung oder Staus. Das Fahrzeug müsste auch auf seinem Weg Entscheidungen treffen und diese eventuell wieder revidieren, also sich "intelligent" und zielführend verhalten. Dazu gehört auch, dass das Fahrzeug mit der Umgebung, etwa anderen Agenten, kommuniziert und kreative, also nicht vorgefertigte Entscheidungen trifft. Agenten könnten sich auch zusammenschließen, um eine Aufgabe gemeinsam zu lösen.

Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz haben die Vision, bis zum Jahr 2050 eine Fußballmanschaft aus humanoiden Robotern zu bauen, die gegen den dann amtierenden Fußballweltmeister gewinnen kann. Eine solche Fußballmannschaft ist ein Multiagentensystem, in dem die einzelnen humanoiden Roboter selbständig Entscheidungen treffen. Diese neue Art der Entwicklung komplexer Systeme findet viele Anwendungsgebiete, etwa in der Flugsicherung, in der Logistik, im der Voraussage von Märkten oder in der Entwicklung von Geschäftsprozessen, aber auch im Bereich ambienter Technologien. Interessante Anwendungen ergeben sich dabei, bedürftigen Menschen zu helfen, damit sie solange wie möglich zu Hause leben können.

Multiagentensysteme werden in Zukunft in vielen Bereichen des täglichen Lebens eingesetzt werden. Insbesondere werden sie zur Modellierung und Simulation realistischer komplexer Systeme in vielen Bereichen helfen. So wurde an der Technischen Universität Clausthal vor kurzem ein Simulationswissenschaftliches Zentrum eingerichtet, an dem Wissenschaftler aus der Informatik, Physik, Mathematik und dem Maschinenbau interdisziplinär zusammenarbeiten, um solche Systeme zu untersuchen.

Die internationale Tagung auf Schloss Dagstuhl bringt Wissenschaftler aus unterschiedlichen Forschungsrichtungen wie der Künstlichen Intelligenz, der Programmiersprachen und anderer Bereiche der Informatik zusammen. Die Organisation haben die Wissenschaftler Jürgen Dix von der Technischen Universität Clausthal sowie Rafael Bordini von der University of Durham (Großbritannien), Mehdi Dastani von der Utrecht University (Niederlande) und Amal El Fallah-Seghrouchni von der Université Paris (Frankreich).

Hintergrund:
Schloss Dagstuhl lädt das ganze Jahr über Wissenschaftler aus aller Welt ins nördliche Saarland ein, um über neueste Forschungsergebnisse in der Informatik zu diskutieren. Rund 3.000 Informatiker von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und aus der Industrie nehmen jährlich an den wissenschaftlichen Veranstaltungen in Dagstuhl teil. Seit 2005 gehört Schloss Dagstuhl zur Leibniz-Gemeinschaft, in der zurzeit 82 führende außeruniversitäre Forschungsinstitute und wissenschaftliche Serviceeinrichtungen in Deutschland vertreten sind.

Dr. Roswitha Bardohl | idw
Weitere Informationen:
http://www.dagstuhl.de
http://www.dagstuhl.de/08361
http://www.dagstuhl.de/ueber-dagstuhl/presse/downloads/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von festen Körpern und Philosophen
23.02.2018 | Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG)

nachricht Spannungsfeld Elektromobilität
23.02.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics