Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Über Almdudler, Trabi und Schweizer Schokolade: Tagung über Konsum und nationale Identität

22.09.2009
Von 1. bis 3. Oktober 2009 findet in Wien die internationale Tagung "Product Communication and the Nationalisation of Consumption" statt.

Ausgangspunkt für die Konferenz ist ein vom Historiker Oliver Kühschelm durchgeführtes FWF-Forschungsprojekt über die Beteiligung von Konsumgütern an der Ausbildung österreichischer Identität. Die nun abschließende Tagung setzt die Ergebnisse in einen internationalen Kontext. Am Donnerstag, 1. Oktober, 18.30 Uhr, hält Karl Gerth, Fellow an der University of Oxford, einen öffentlichen Vortrag über Konsumkultur im modernen China.

Im Rahmen der Konferenz analysieren ForscherInnen mit sozial-, wirtschafts- und kulturgeschichtlichen Arbeitsschwerpunkten, wie in der Kommunikation über Konsumgüter nationale Identitäten transportiert werden. Organisiert wurde die Tagung von Oliver Kühschelm in Kooperation mit Franz X. Eder, beide Historiker am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, und Hannes Siegrist, Historiker am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig.

Die Nation im Konsumalltag

Puch 500, Almdudler, Atomic Schi - drei Varianten Österreich zu inszenieren; der VW-Käfer als das gute Deutschland; seine "östlichen" Gegenstücke Trabant, Lada und Dacia; Fiat und Pasta als Imageträger Italiens; Seagram-Whisky als Destillat der kanadischen Nation; Schokolade als typisches Schweizer Produkt; "moderne" Möbel als Verkörperung schwedischer Identität.

Ob es sich nun um einzelne Marken von ikonischer Qualität oder um bestimmte Produktgruppen handelt, die als Projektionsfläche dienen - solche Konfigurationen sind keine bloßen Oberflächenphänomene, die vom Eigentlichen nationaler Identitätsbildung ablenken. Im Konsumieren erhalten nationale Zuschreibungen Plausibilität, da sie in vordergründig unpolitische Lebenswelten eindringen. "Alltäglich ja, trivial nein", meint Oliver Kühschelm, "denn die Vorstellung von nationaler Zugehörigkeit erhält auf diese Weise Präsenz und Kontinuität - eben auch abseits einer spektakulären politischen Mobilmachung."

Wie wurden Spaghetti in Deutschland heimisch gemacht?

Wird die Stabilisierung nationaler Identitäten betrachtet, muss umgekehrt auch ihre Relativierung durch konkurrierende Zuschreibungen diskutiert werden. Wie positionierten sich Produkte/Nationen in übernationalen Spannungsfeldern: Westen versus Osten, USA und Europa? Thema sind auch Kreolisierung als Ergebnis des Zusammentreffens von fremder mit lokaler Kultur und Transferphänomene: Wie wurden z. B. Spaghetti in Deutschland heimisch gemacht?

Der Fokus der Tagung liegt auf dem 20. Jahrhundert. Die meisten Beiträge widmen sich europäischen Ländern, "westlichen" wie sozialistischen. Aber auch die USA, Japan und Kanada werden in den Blick genommen.

Made in China

Am Donnerstag, 1. Oktober, 18.30 Uhr, hält Karl Gerth (Merton College, Oxford) einen Vortrag. Er wird darüber sprechen, wie die KonsumentInnen in China seit dem frühen 20. Jahrhundert dazu angehalten werden, bewusst chinesisch zu kaufen. Weltweit lassen sich Aufrufe, nur heimische Waren zu konsumieren, derzeit wieder gehäuft vernehmen. Solche Kampagnen changieren typischerweise zwischen Propagierung des Eigenen und Boykott des Fremden, zwischen nationaler Emanzipation und nationalistischer Abschließung. Gerth stellt seine Überlegungen daher unter den Titel: "Variations on a Global Theme? A Comparative Perspective on Nationalism and Consumerism in China"

Die Tagung wird gefördert durch: Gerda Henkel Stiftung, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Kulturabteilung der Stadt Wien, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, Österreichische Forschungsgemeinschaft.

Konferenz: Product Communication and the Nationalisation of Consumption
Tagungssprache: Englisch
Zeit: 1. bis 3. Oktober 2009
Ort: Seminarhotel Springer Schlößl, Tivoligasse 73, 1120 Wien
Nachfolgetagung: Die Nationalisierung von Produktkommunikation. Historische, methodische und theoretische Perspektiven
Eine Follow-Up-Tagung wird im November die Diskussion fortsetzen, indem sie theoretische und methodische Fragen in den Mittelpunkt stellt. Welche analytischen Verfahren scheinen geeignet, den Zusammenhang von Nationalisierung und Produktkommunikation zu untersuchen?
Tagungssprache: Deutsch
Zeit: 12. bis 13. November 2009
Ort: Seminarhotel Springer Schlößl, Tivoligasse 73, 1120 Wien
Beide Tagungen sind öffentlich zugänglich. Anmeldung unter: oliver.kuehschelm@univie.ac.at
Kontakt:
Dr. Oliver Kühschelm
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Universität Wien
Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
1010 Wien
T +43-1-4277-41333
oliver.kuehschelm@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at
http://wirtges.univie.ac.at/_TCgi_Images/Ank/Tagung1_10_09k.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Ballungsräume Europas
26.04.2017 | Frankfurt University of Applied Sciences

nachricht 200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin
26.04.2017 | AiF Projekt GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie