Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schnellfähren als tödliches Risiko für Wale - ein unterschätztes Problem

01.10.2010
Zahl der Zusammenstöße steigt jährlich und bedroht ganze Walpopulationen. Umweltschützer fordern Geschwindigkeitsbegrenzungen und Verlegung von Schifffahrtrouten für Risikogebiete. Detaillierte Informationen zum Thema jetzt erstmalig im Internet unter www.m-e-e-r.de/473.0.html .

Gemeinsame Pressemitteilung von M.E.E.R. e.V. und Deutsche Umwelthilfe e. V.

Der Wal schwimmt langsam nahe der Oberfläche und erkennt die große Gefahr nicht, die auf ihn zukommt. Erst im letzten Moment rollt er sich auf die Seite - eine scheinbar hilflose Bewegung - dann wird er vom Rumpf des Frachters erfasst.

Die dramatischen Bilder sind jetzt im Internet zu sehen, es ist der erste gefilmte Fall der Kollision zwischen einem Schiff und einem Wal. Warum hat der Wal das Schiff nicht wahrgenommen? Konnte er es nicht hören? Warum passieren solche Unfälle und wie oft? Diese Fragen beschäftigten jetzt Wissenschaftler aus aller Welt, die sich zu einem von der Internationalen Walfangkommission (IWC) organisierten Workshop in Südfrankreich trafen und über mögliche Schutzmaßnahmen berieten.

Kollisionen zwischen Schiffen und Walen stellen mittlerweile eine ernste Gefahr für mehrere Walpopulationen dar - besonders trifft dies auf vom Aussterben bedrohte Populationen zu, wie die letzten nicht einmal mehr 400 Nördlichen Glattwale vor der Ostküste der USA oder die Finnwale im Mittelmeer. Die Tiere werden von Schiffen überfahren, oft mit tödlichem Ausgang. Betroffen sind auch die Pottwale vor den Kanarischen Inseln. Ihre Kadaver werden häufig sogar nur noch in Teilen angeschwemmt, glatt abgetrennt von den Rümpfen der Katamaran-Fähren.

Aber nicht nur moderne Schnellfähren stellen eine Gefahr dar. "Das Problem ist jahrelang unterschätzt worden. Es konzentriert sich dort, wo große Schiffe mehr als 13 bis 14 Knoten schnell fahren und die Waldichte hoch ist", sagt Fabian Ritter vom Berliner M.E.E.R. e.V., einer der Teilnehmer des Workshops.

"Der weltweit stark ansteigende Schiffsverkehr und die immer schnelleren Schiffe verschärfen das Risiko für die Wale von Jahr zu Jahr. Aber auch bei Segelregatten und so genannten Ocean Races häufen sich die Kollisionen." Hier kam es schon öfter zu lebensbedrohlichen Havarien und Verletzungen von Seglern und zu Todesfällen bei den Walen.

"Wie viele Kollisionen tatsächlich stattfinden, weiß kein Mensch, doch werden immer mehr Fälle bekannt", ergänzt Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz bei der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH). Die Dunkelziffer ist aber vermutlich hoch, da längst nicht alle überfahrenen Tiere gefunden oder gemeldet werden und nicht immer eindeutig bestimmt werden kann, ob ein Wal durch ein Schiff getötet wurde. "Das Thema gehört auf die Tagesordnung internationaler Schutzabkommen und nationaler Regierungen", sagt Stöcker.

Zur Minderung des Kollisionsrisikos gibt es eine Reihe technischer Mittel wie z.B. Infrarotkameras, Sonargeräte, passive akustische Methoden oder komplizierte Netzwerke zur Warnung von Schiffen in Echtzeit. "Keine davon kann als 'Patentlösung' betrachtet werden, bei den meisten gibt es große Zweifel an der Effektivität", so Ritter weiter. M.E.E.R. e.V. und DUH fordern deshalb, dass Schiffe, die walreiche Gewässer oder gar Schutzgebiete durchqueren, ihre Geschwindigkeit auf 13 Knoten oder weniger verringern. "Zusätzlich sollten sie stets einen speziellen Wal-Ausguck haben. Auch über die Verlegung von Schifffahrtsrouten muss ernsthaft nachgedacht werden", sagt Fabian Ritter.

Mehr Öffentlichkeit kann zum Beispiel Urlauber für das Thema sensibilisieren, die ja in aller Regel die Natur schonen wollen, in der sie ihre Ferien verbringen. Hierzu hat M.E.E.R. e.V. eine von der DUH geförderte neue Website-Rubrik ins Netz gestellt, wo die Problematik zum ersten Mal im deutschsprachigen Web ausführlich dargestellt ist (www.m-e-e-r.de/473.0.html ). "Wir hoffen, dass dieser Informationspool eingehend von Urlaubern, Reiseunternehmen, Umweltbehörden und den Medien genutzt wird", so Stöcker.

Der gemeinnützige Verein M.E.E.R. hat seinen Sitz in Berlin und setzt sich für den Schutz der Wale und Delfine und ihrer Lebensräume ein. Sein Projekt MEER La Gomera auf den Kanarischen Inseln, das als ein herausragendes best-practice Beispiel für ökologisches Whale Watching gilt, hat seit vielen Jahren mit den Schnellfähren zu kämpfen, die mitten durch das Untersuchungsgebiet pflügen.

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) ist ein gemeinnütziger und unabhängiger Umwelt- und Verbraucherschutzverband. Sie wurde 1975 gegründet und bietet ein Forum für Umweltorganisationen, Politiker und Entscheidungsträger aus der Wirtschaft. Gemeinsam setzen wir uns für einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen ein und entwickeln Chancen für nachhaltige Wirtschaftsweisen und umweltfreundliche Produkte.

Ulrich Stöcker | DUH
Weitere Informationen:
http://www.duh.de
http://www.m-e-e-r.de
http://www.m-e-e-r.de/473.0.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

nachricht "Brauchen wir das?" Auf dem Weg zu einer umweltgerechten Bedarfsprüfung von Infrastrukturprojekten
09.08.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie