Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ölrückstände bereits an Bord herausfiltern

18.02.2009
Ein Schiff, das mit voller Kraft das Meer durchschneidet, lässt eine weiße Spur schaumgekrönter Wellen zurück. Damit dies malerische Bild nicht unter der Wasseroberfläche getrübt wird und wirklich nur die aufgewühlte See zurückbleibt, wird das Ablassen von Bilgenwasser genau kontrolliert.

Dass ökologische Anforderungen und Wirtschaftlichkeit mit einem verbesserten Aufbereitungsverfahren an Bord in Einklang gebracht werden können, demonstriert das ttz Bremerhaven in einem aktuellen Kooperationsprojekt, das von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. (AiF) über das Mittelstandsförderprogramm unterstützt wird.

Regionale Entwicklungszusammenarbeit für Wasserqualität und Gewässerschutz

Ob Fährschiff, Containerschiff, Öltanker oder Frachter - auf jedem Schiff sammelt sich im unteren Teil des Schiffsrumpfs, der Bilge, Wasser aus Tankleckagen, Restwasser aus Reinigungsprozessen sowie der Entwässerung von Absatz- und Schlammtanks. Die Mischung kann Salz- und Kühlwasser, Treibstoff und Schmieröl, Ruß- und Schmutzpartikel enthalten. Täglichen sammeln sich - je nach Größe des Schiffes - 1.000 bis 10.000 Liter Bilgenwasser an.

Die International Maritime Organization (IMO) hat mit der Festlegung einer Obergrenzen von 15 ppm eine weltweit verbindliche Vorgabe geschaffen. Jedes registrierte Schiff verfügt über einen eingebauten zertifizierten Prüfmechanismus, der den Abfluss von Bilgenwasser während der Fahrt reguliert und vor Manipulationen geschützt ist. Ein Öl-Wasser-Abscheider säubert das Wasser aus dem Schiffsrumpf. Ein Sensor kontrolliert anschließend, ob die Ölrückstände weniger als 15 ppm (Milligramm/Liter) betragen. Wird der Grenzwert überschritten, blockiert die Anlage das Ablassen des Wassers. Erst an Land kann das Bilgenwasser dann abgepumpt und per Tankwagen entsorgt werden. Dieser kosten- und zeitintensive Prozess verteuert den Schiffstransport.

Die organischen Bestandteile des Öls, die biologisch nur schwer abbaubar sind, führen in der Schifffahrt schnell zu Entsorgungsproblemen. Die übliche Praxis der Reinigung mit einem Öl-Wasser-Abscheider stößt bei stark verschmutztem Wasser schnell an ihre Grenzen: Nach wenigen Stunden Arbeitseinsatz ist eine zeitintensive Reinigung der Geräte häufig unumgänglich. Nach diesem Verfahren ist die Wasserqualität häufig noch so schlecht, dass das Wasser zurück an Land befördert werden muss. Der Rücktransport verursacht nicht nur erhöhte Treibstoffkosten und eine Entsorgungsgebühr für die Abholung des kontaminierten Wassers, sondern bedeutet auch einen großen Zeitverlust.

Der Bereich Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement des ttz Bremerhaven will zusammen Partnern aus der Region Abhilfe schaffen. Eine verfahrenstechnisch optimierte Anlage zur Bilgenwasseraufbereitung an Bord soll die Problematik entschärfen. "Die Planungsphase ist abgeschlossen, derzeit wird die Pilotanlage aufgebaut. Im Frühjahr starten die Testreihen, die zeigen werden, ob weitere Optimierungsschritte erforderlich sind," sagt ttz-Projektleiter Wolfgang Schulz.

Wichtigste Komponente des neuen Systems ist die Membranfiltration. Durch den Einsatz verschiedener Membranen, die für unterschiedlich große Partikel durchlässig sind, können diverse Verunreinigungen zuverlässig und sicher aus dem Wasser gefiltert werden. Der Ölgehalt in dem aufbereiteten Wasser liegt dann unter einem Wert von 5 ppm. Schwermetalle und andere Verunreinigungen werden in einem Durchlauf separiert. Das Besondere der Anlage ist neben der Betriebssicherheit ihre Kompaktheit, die es ermöglicht, solche Systeme bei geringem Platzbedarf - auch nachträglich - in jedes Schiff zu integrieren. Zum Abschluss des Projektes wird der höhere Reinheitsgrad einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität leisten und das Ökosystem Meer bzw. Fluss entlasten. Die Fahrspur eines Schiffes wird dann ein noch schöneres Bild bieten.

Kontakt:
ttz Bremerhaven
Britta Rollert, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0471 / 4832-121/-124
Fax: 0471 / 4832-129
E-Mail: brollert@ttz-bremerhaven.de

Britta Rollert | idw
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Antarktisches Meereis: mehr Schutz als Vorratskammer für Krilllarven
22.11.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung