Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meereszählung: Forscher von Vielfalt überrascht

04.10.2010
2.700 Forscher präsentieren Ergebnisse des Zehn-Jahres-Projekts

Unglaublich ist die Artenvielfalt der Lebewesen, die in den Weltmeeren leben. Zu diesem Schluss kommt der Leiter des Census of Marine Life, der ersten Lebewesenzählung der Weltmeere.

Nach zehnjähriger Forschungstätigkeit von mehr als 2.700 Wissenschaftlern aus 80 Ländern werden, heute, Montag, die wichtigsten Ergebnisse dieses internationalen Projekts mit mehr als 540 Einzel-Expeditionen der Öffentlichkeit vorgestellt.

"Es ist bei weitem noch nicht alles entdeckt", meint der Meeresbiologe Paul Snelgrove von der Memorial University gegenüber pressetext. Das heißt, dass das Zeitalter der Entdeckungen in der Meeresforschung noch lange nicht zu Ende sei. "Neue Technologien und technische Hilfsmittel stehen der Wissenschaft heute zur Verfügung", erklärt Snelgrove. Was die Forscher allerdings mit Schrecken festgestellt haben, ist die Tatsache, dass die Veränderungen der Meere wesentlich schneller vor sich gehen als bisher angenommen.

Dramatischer Rückgang der Raubfische

"Eine der schlimmsten Erkenntnisse war, dass die großen Raubfische wie etwa Haie in den meisten Regionen um 90 Prozent zurückgegangen sind", erklärt Snelgrove. Es gebe sogar Gebiete, in denen diese an der Spitze der Nahrungskette lebende Tiere um 99 Prozent abgenommen haben. "Welche Auswirkungen das für die gesamte Nahrungskette in den Weltmeeren hat, ist nicht absehbar", erklärt der Forscher.

Neue Erkenntnisse haben die Wissenschaftler auch bei der Nutzung der Meere durch den Menschen festgestellt. "Anhand von Aufzeichnungen und Untersuchungen von Siedlungen und deren Abfällen konnten wir feststellen, dass die Ausbeutung der Meere durch den Menschen bereits wesentlich länger existiert als wir das bisher angenommen haben. In den küstennahen Zonen fischen die Menschen seit Jahrtausenden - und das nicht gerade unter Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien", erklärt der Meeresbiologe.

Globale Datenbank für alle

Die Schaffung einer für alle zugänglichen globalen Datenbank über die Meereslebewesen - von Mikroben bis hin zu den Walen - war eines der grundlegenden Projekte innerhalb des Census of Marine Life. "Diese Datenbank mit dem Namen Ocean Biogeographic Information System OBIS http://www.iobis.org wird auch weiterhin betrieben und mit immer neuen Informationen aufgestockt", so Snelgrove. "In den vergangenen zehn Jahren hat sich dieses Werkzeug übrigens bereits bewährt, denn einige der Veränderungen - etwa in den Polarmeeren und in der Tiefsee - fanden bereits ihren Niederschlag."

Insgesamt wurden in den vergangenen zehn Jahren im Rahmen des COML mehr als 2.600 wissenschaftliche Arbeiten publiziert. "Das bedeutet, dass umgerechnet alle 1,5 Tage eine Studie veröffentlicht wurde. Hinzu kommen unzählige Fotogallerien, Websites und Videos", meint Snelgrove. "Die Vielfältigkeit der Ozeane wird allein durch die mehr als 30 Mio. Beobachtungen von mehr als 120.000 Arten innerhalb des Census unterstrichen", erklärt der Forscher.

Unbekannte Pfade der Meereslebewesen

Große Überraschungen brachten auch die Entdeckungen bisher unbekannter Migrationspfade von Lebewesen sowie der teilweisen Kartographie des Meeresbodens. Moderne Technologien mit Schallwellen erlauben die Erfassung bestimmter Fischbestände ohne Entnahmen. Ein solches Projekt wurde etwa zur Erfassung von Dorschbeständen an der Ostküste der USA eingesetzt.

Paul Snelgrove hat im Zuge des Projekts das Buch "Discoveries of the Census of Marine Life: Making Ocean Life Count" (Cambridge University Press) http://coml.org/discoveries-census-marine-life publiziert.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.coml.org
http://www.ucs.mun.ca

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Studie für Patienten mit Prostatakrebs: Einteilung in genomische Gruppen soll Therapie präzisieren

21.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz