Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie ein junger Amerikaner und Rostocker Forscher den afrikanischen Kolabaum schützen wollen

16.04.2012
Die sternförmigen Früchte des Kolabaumes, von dem über 100 Arten in den tropischen Regenwäldern Afrikas wachsen, geben den Wissenschaftlern immer noch Rätsel auf.

Forscher der Universität Rostock wollen jetzt gemeinsam mit ihren afrikanischen Kollegen herausfinden, welche Geheimnisse sich noch in den Samen der Früchte, den so genannten Kolanüssen, verbergen. Ihnen wird wegen des hohen Koffeingehaltes nachgesagt, dass sie unter anderem das zentrale Nervensystem anregen und für einige Zeit ein Gefühl von Glück und Euphorie auslösen.


Hübsch anzusehen, die Blüte des Kolabaums


So sieht die Frucht des Kolabaums, die so genannte Kolanuss aus

Einige bekommen nach dem Verzehr Nerven wie Stahlseile und lassen sich durch fast nichts mehr aus der Ruhe bringen. Auch wird man sehr munter und die körperliche Leistungsfähigkeit und die Ausdauer wird gesteigert. Die Wirkung soll bis zu drei Stunden andauern.

"Bei den afrikanischen Völkern besitzt die Kolanuss mit ihren Samen schon seit Jahrhunderten eine große kultische Bedeutung", weiß der US-Amerikaner Carl Skarbek. Er ist Teilnehmer eines einjährigen Stipendienprogramms, des Parlamentarischen Patenschafts-Programms, das der US-Kongress und die Deutsche Bundesregierung unterstützen. Nachdem er in Köln zwei Monate eine Sprachschule besuchte, studierte er in Rostock ein Semester Biologie und absolviert jetzt ein fünfmonatiges Praktikum im Botanischen Garten, wobei ihm seine sehr guten Deutschkenntnisse sehr hilfreich sind.

"Ich genieße es, für eine gewisse Zeit ein deutsches Leben zu führen", sagt der 22-Jährige. Hier schätzt er das Umweltbewusstsein der Menschen, die ausgewiesenen Naturschutzgebiete, die Mülltrennung, den öffentlichen Nahverkehr und das Essen. Von Rostock aus will er jetzt auch all die Geheimnisse um die Kolabäume und ihre Früchte knacken helfen. Er ist eingebunden in die Forschungsarbeit von Prof. Dr. Stefan Porembski, dem Direktor des Botanischen Gartens, und die von Kustos Dr. Dethardt Götze.

Fest steht: Dem Konsum der leicht bitteren und erdig schmeckenden Früchte kommt eine ähnliche Bedeutung zu wie dem Friedenspfeife Rauchen in indianischen Kulturen. Sie gilt dort als Symbol der Verbundenheit und wird bei Zeremonien, Ritualen und Festen gemeinsam gegessen sowie als Gastgeschenk überreicht.

Carl Skarbek will gemeinsam mit den Rostocker und afrikanischen Wissenschaftlern auch tiefer eindringen in die große Fülle der Arten von Kolabäumen. Er kommt aus dem Bundesstaat Kentucky und hat Umweltwissenschaften, Biologie und Deutsch am Macalester College in Minnesota studiert und damit gutes Rüstzeug fürs wissenschaftliche Arbeiten. "Ich trage jetzt alles zusammen, was diese Baum-Gattung bietet, wie viele Arten es wirklich gibt und wie der Baum verwendet wird", sagt Skarbek.

"Die Forschung kommt zum richtigen Zeitpunkt", ist der junge Amerikaner überzeugt. Er begründet es so: "Die Zeit drängt. Viele Wälder in Afrika sind bedroht durch Abholzung. Das umfangreiche Wissen über die Arten der Kolabäume ist deshalb so wichtig für ihren Schutz". Etwa 90 Prozent der Wälder sind dort in den letzten 100 Jahren gerodet worden.

Der junge Forscher will all sein Wissen für den Erhalt der Kolabäume in die Waagschale werfen, damit Schutzmaßnahmen für die bestandsbedrohten Kola-Baumarten ergriffen werden und damit für die Erhaltung dieser genetischen Ressourcen wirklich alles getan wird. Um diese Forschung so umfangreich wie möglich zu gestalten, würden sich die Akteure über jeden Förderer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Naturschutz freuen.

In den Loki-Schmidt-Gewächshäusern des Botanischen Gartens Rostock stehen ein paar kleine Kolabäumchen, "um sie Studenten und Besuchern zu präsentieren", sagt Dr. Götze. In der Natur werden sie bis zu 30 Meter hoch. Das werden sie in Rostock nicht schaffen. Da setzt das Gewächshaus Grenzen.

Kontakt:
Universität Rostock
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät Botanischer Garten
Prof. Dr. Stefan Porembski
Fon: +49 (0) 381 498 6200
Mail: stefan.porembski@uni-rostock.de
Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
Fon: +49 (0)381 498 1013
Mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de

Dr. Ulrich Vetter | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Chemische Biologie Früchte Kolabaum Kolabäume Samen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie