Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intensive Landwirtschaft beeinflusst Wasserhaushalt von Ökosystemen

15.03.2012
Göttinger Studie zeigt höhere Verdunstung und weniger Versickerung von Regenwasser

Die intensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden hat Auswirkungen auf den Wasserhaushalt dieser Ökosysteme. Wissenschaftler der Universität Göttingen konnten zeigen, dass auf gedüngten Grünlandflächen deutlich mehr Regenwasser verdunstet als auf ungedüngten.


"GrassMan"-Versuchsfläche bei Silberborn im Solling. Gut zu erkennen sind die Farbunterschiede zwischen den einzelnen Untersuchungsparzellen, die durch die unterschiedliche Behandlung der Grasnarbe zustande kommen. Foto: Laura Rose


Lysimeter zur Untersuchung des Wasserhaushaltes von Pflanzen und Boden. Foto: Universität Göttingen

Entsprechend weniger Regenwasser versickert im Boden, wo es dann bei der Bildung von Grundwasservorräten fehlt, die wiederum notwendig sind zur Gewinnung von Trinkwasser. Die Forscher gehen davon aus, dass die Kombination aus intensiver Bewirtschaftung und Klimawandel auch in einzelnen Regionen Mitteleuropas künftig unter Umständen zu Wasserknappheit in den Sommermonaten führen könnte. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Ecohydrology veröffentlicht.

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass auf intensiv gedüngtem Grünland bis zu 15 Prozent mehr Regenwasser verdunstet als auf ungedüngten Flächen. Gleichzeitig ist die Menge des Wassers, das im Boden versickert und dort neue Grundwasservorräte bilden kann, bis zu 50 Prozent geringer. In den vergangenen 50 Jahren wurden mehr als 70 Prozent der Grünlandflächen in Mitteleuropa auf intensive Bewirtschaftung umgestellt. „Wir gehen davon aus, dass die Grundwasserbildung in diesen Regionen bereits messbar abgenommen hat“, so Prof. Dr. Christoph Leuschner, Leiter der Abteilung Ökologie und Ökosystemforschung der Universität Göttingen.

„Eine Abnahme der Niederschläge in den Sommermonaten, wie sie im Zuge der Klimaveränderung für einige Regionen Mitteleuropas vorhergesagt wird, könnte die Grundwasserbildung noch zusätzlich vermindern.“

Die Versuche fanden im Rahmen des „GrassMan-Projekts“ in der Nähe der Ortschaft Silberborn im Solling statt. Dort erforschen die Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Functional Biodiversity Research“ der Universität Göttingen die Folgen einer intensiven Bewirtschaftung von Grünland unter praxisnahen Bedingungen. Im Exzellenzcluster arbeiten seit dem Jahr 2008 Forscher der Fakultät für Forstwissenschaft und Waldökologie, der Biologischen Fakultät und der Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität Göttingen zusammen. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert das Projekt fünf Jahre lang mit insgesamt rund 3,7 Millionen Euro.

Originalveröffentlichung: Laura Rose et al. Effects of fertilization and cutting frequency on the water balance of a temperate grassland. Ecohydrology 5 (2012): 64-72. Doi: 10.1002/eco.201.

Kontaktadresse:
Dr. Lars Köhler, Koordinator des Exzellenzclusters „Functional Biodiversity Research“
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaft und Waldökologie – Abteilung Forstbotanik und Baumphysiologie
Büsgenweg 2, 37077 Göttingen, Telefon (0551) 39-5739
E-Mail: lkoehle@uni-goettingen.de

Beate Hentschel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de
http://www.functionalbiodiversity.uni-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten