Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Dienstleistungsmodellen Rohstoffe einsparen

10.06.2013
Dienstleistungen sind heute die vorrangige Erwerbsquelle in den Industriestaaten und haben ein erhebliches Wachstums- und Innovationspotenzial.

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI zeigt, dass durch die Integration von Dienstleistungsmodellen in die Wertschöpfungsprozesse nicht nur Wettbewerbsvorteile realisiert, sondern auch Rohstoffe eingespart werden können.

Dienstleistungsmodelle (DLM) dienen der Lösung kundenspezifischer Probleme. Dabei wird die Verantwortung für bestimmte Prozesse oder Ergebnisse (zum Beispiel die Zweitnutzung von Prozessabfällen) an einen Spezialisten delegiert, wodurch die Unternehmen ihre Aufmerksamkeit stärker auf ihre Kernkompetenzen richten können. Diese Konzentration ermöglicht den Aufbau dauerhafter Wettbewerbsvorteile und führt zu höheren und stabileren Erträgen.

Die Studie „Ressourceneinsparpotenziale durch den Einsatz von Dienstleistungsmodellen in rohstoffnahen Produktionssystemen“ entstand im Rahmen des BMBF- Förderschwerpunkts „Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – rohstoffintensive Produktionsprozesse“. Das Fraunhofer ISI befragte Experten aus den Bereichen Stahl- und Metallproduktion, Chemische Industrie/Beschichtung sowie Recycling.

Dabei stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass in Deutschland in den untersuchten Industrien vorrangig klassische Geschäftsmodelle eingesetzt werden, bei denen alle Eigentumsrechte sowie die Verantwortung für alle Produktionsprozesse allein beim produzierenden Unternehmen liegen. Aufgrund der geringen Marktdurchdringung von DLM fehlen Erfahrungen hinsichtlich ihrer Nutzung sowie den einhergehenden Potenzialen. Im Gegensatz zu den klassischen Geschäftsmodellen ist bei DLM eine deutlich höhere Integration und Interaktion mit Prozessen des Kunden erforderlich, im Gegenzug profitieren sowohl Anbieter als auch Kunden von dem Modell.

Risiken sehen die Kunden sowohl in der Abhängigkeit von Anbietern als auch im Verlust von Know-how in teilweise betriebskritischen Verantwortungsbereichen. Nicht zuletzt schrecken einige potenzielle Kunden vor dem organisatorischen Aufwand für die Einrichtung, Planung und Gestaltung der Rahmenbedingungen für DLM zurück.

Die Studie zeigt jedoch, dass DLM wirtschaftlich attraktiv sind und zudem einen Beitrag zur Einsparung von Rohstoffen leisten können, wenn sie an den richtigen Stellen im Prozess integriert werden. Die bislang fehlende Erfahrung mit der Auslegung und Organisation von DLM erfordert eine systematische Herangehensweise an die Thematik. Das Fraunhofer ISI empfiehlt daher, in sechs Schritten vorzugehen:

1. Heutige Situation
In Schulungen oder Workshops lässt sich das grundsätzliche Konzept von DLM vermitteln und die Akzeptanz im Unternehmen fördern. Nach einer internen Ideengenerierung und Sensibilisierung für das Konzept ist ein Austausch zwischen Anbietern und Kunden ratsam, um mögliche DLM zielgerichtet zu diskutieren. Dabei ist zu beachten, dass DLM eine Partnerschaft auf lange Zeit vorsehen und damit die Unterstützung der Geschäftsführung brauchen.
2. Nutzenversprechen
Im zweiten Schritt ist es wichtig, eine Win-win-Situation zu genieren. Kundenseitig bedeutet dies beispielsweise einen umfassenden Kostenvergleich zwischen dem DLM und dem traditionellen Geschäftsmodell. Aspekte wie niedrigere Betriebskosten, längere Nutzungsdauern, höhere Verfügbarkeiten sowie niedrigere Servicekosten sollten dabei den nötigen Investitionskosten gegenübergestellt werden. Der Anbieter sollte insbesondere die angebotene Produktqualitäten und Dienstleistungskomponenten sowie die Kosten offen legen.
3. Ertragsmodelle und Wertschöpfungsarchitekturen
Im dritten Schritt gilt es, das Ertragsmodell und die Wertschöpfungsarchitektur zu konkretisieren und eine Win-win-Situation zwischen Anbieter und Kunde zu beschreiben. Dazu dient vor allem eine ausgewogene Verteilung der Risiken und Ertragschancen.

4. Technische Eigenschaften
Bei der Integration des DLM in die bestehenden Prozesse übernehmen insbesondere die technischen Abteilungen die Aufgabe, dass bestehende Prozesse nicht beeinträchtigt werden und die angedachten Ertragsmodelle und Wertschöpfungsarchitekturen sich umsetzen lassen und gegebenenfalls messbar sind.
5. Bewertung von Alternativen und 6. Auswahl Geschäftsmodell
Im fünften und sechsten Schritt werden die erarbeiteten Alternativen einander gegenübergestellt, und ein DLM wird ausgewählt. Entscheidungskriterien können Quantität und Qualität, Total Cost of Ownership, Abhängigkeit gegenüber einem Geschäftspartner, Nutzung externer Expertise, Know-how-Verlust, Materialeffizienz sowie die nachhaltige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sein.

Den Ergebnissen der Studie folgend hat das Fraunhofer ISI eine Methode zur Bewertung alternativer DLM entwickelt. Damit können produzierende Unternehmen komplexe Entscheidungssituationen abbilden und unter Nutzung von multikriteriellen Methoden bewerten. Das Ergebnis ist eine Präferenzfolge aller möglichen Alternativen − einschließlich des derzeitigen Geschäftsmodells. Hierzu bietet das Fraunhofer ISI interessierten Unternehmen individuelle Workshops an.

Die Studie „Ressourceneinsparpotenziale durch den Einsatz von Dienstleistungsmodellen in rohstoffnahen Produktionssystemen“ kann unter http://www.r-zwei-innovation.de/_media/V26_Studie_Dienstleistungsmodelle.pdf heruntergeladen werden.

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de
Twitter: @Fraunhofer_KA
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.r-zwei-innovation.de/_media/V26_Studie_Dienstleistungsmodelle.pdf
http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/service/presseinfos/2013/pri13-17_ressourceneinsparpotenziale-dienstleistungsmodelle.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie verändert der Verlust von Arten die Ökosysteme?
18.05.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie