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Für bessere Gewässer: neues Verfahren zur Optimierung von Renaturierungsmaßnahmen

12.10.2011
Die schrittweise Renaturierung von Flüssen kann eine kosteneffektive Möglichkeit sein, die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen, wonach alle Flüsse in den nächsten Jahren einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen müssen.

Zu diesem Ergebnis kommen Ökonomen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Die Forscher hatten in ihrer Untersuchung ein bereits früher entwickeltes Verfahren zum Management von Flusseinzugsgebieten auf die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Ihre Ergebnisse werden am Donnerstag auf einer Wasserkonferenz in Dresden vorgestellt.


Die schrittweise Renaturierung von Flüssen kann eine kosteneffektive Möglichkeit sein, die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen, wonach alle Flüsse in den nächsten Jahren einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen müssen. Foto: André Künzelmann/UFZ


Wehr an der Saale. Ein vielversprechender Ansatz könnte das vom Deutschen Rat für Landschaftspflege entwickelte Trittstein-Konzept sein, wonach nicht der ganze Fluss renaturiert werden muss, sondern optimale Bedingungen in einzelnen Abschnitten geschaffen werden, von denen die Organismen später die übrigen Abschnitte aus wiederbesiedeln können. Allerdings dürfen diese Nischen eine Mindestgröße nicht unterschreiten und sollten auch nicht zu weit auseinander liegen. Foto: André Künzelmann/UFZ

Während sich knapp 90 Prozent der Flüsse in Deutschland in einem guten chemischen Zustand befinden, ist es beim ökologischen Zustand genau umgekehrt. Dort erfüllen nur rund zehn Prozent diese Vorgabe. Hauptprobleme sind dabei Barrieren, Begradigungen und Verbauungen im Fluss sowie Nährstoffeinträge aus dem Umland. Entsprechend groß ist der Bedarf bei den Behörden, in den nächsten Jahren geeignete Maßnahmen zu planen, um den ökologischen Zustand dieser Flüsse zu verbessern. Ein vielversprechender Ansatz könnte dafür das vom Deutschen Rat für Landschaftspflege entwickelte Trittstein-Konzept sein, wonach nicht der ganze Fluss renaturiert werden muss, sondern optimale Bedingungen in einzelnen Abschnitten geschaffen werden, von denen die Organismen später die übrigen Abschnitte aus wiederbesiedeln können.

Allerdings dürfen diese Nischen eine Mindestgröße nicht unterschreiten und sollten auch nicht zu weit auseinander liegen. „Um den guten ökologischen Status eines gesamten Flusses zu erreichen, sollte mindestens die Hälfte so renaturiert werden, dass sich dort Wasserorganismen vermehren können. In Anbetracht des großen Anteils von degradierten Flüssen in Deutschland wird deutlich, dass kostengünstige Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie eine große Rolle spielen werden, um das Ziel eines guten Zustands der Gewässer in den nächsten Jahren zu erreichen“, erklärt Dr. Bernd Klauer, der zusammen mit seinen Kollegen ein auf dem Trittstein-Konzept aufbauendes Verfahren entwickelt hat, das die Kosteneffizienzanalyse mit einem multikriteriellen Bewertungsansätzen verknüpft.

„Unser Tool „BASINFORM-M“ bietet ein systematisches Verfahren zur Auswahl von Maßnahmen für die Verbesserung von Gewässermorphologie und ‑durchgängigkeit, das dem Kosteneffizienzprinzip Rechnung trägt, ohne andere wichtige Aspekte wie die Umsetzbarkeit der Maßnahmen zu vernachlässigen.“ Das Verfahren wurde zunächst für die Gewässerentwicklungskonzepte im Bundesland Brandenburg ausgearbeitet. Die Wissenschaftler hoffen, dass ihr Verfahren auch in weiteren Bundesländern und EU-Staaten genutzt wird.

Am 12./13. Oktober 2011 findet in Dresden eine Konferenz zum Integrierten Wasserressourcenmanagement (IWRM) statt. Etwa 400 Wissenschaftler und Mitarbeiter von Politik, Verwaltung, Unternehmen und der Entwicklungszusammenarbeit aus über 50 Ländern widmen sich in über 100 Vorträgen, Diskussionen und zahlreichen Posterbeiträgen der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasser. Behandelt werden aktuelle Fragen des Wassersektors wie z.B.: Wie kann die Wasserbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels nachhaltig geplant werden? Welche Technologien tragen zu einer effizienten und sparsamen Nutzung von Wasser bei? Wie kann deutsches Know-how in Schwellen- und Entwicklungsländern genutzt werden? Wie kann ein flexibles und integratives Wasserressourcen-Management konzipiert werden? Die Konferenz wird vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) organisiert, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der International Water Association (IWA) sowie dem Global Water Systems Project (GWSP) unterstützt.

Tilo Arnhold

Konferenz IWRM2011:
http://www.bmbf.iwrm2011.de/
Konferenzprogramm:
http://www.bmbf.iwrm2011.de/_media/IWRM_Progr_final_Web.pdf
Weitere Informationen:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Dr. Bernd Klauer/ Dr. Johannes Schiller/ Frauke Bathe
Telefon: 0341-235-1702, -1690, -1729
http://www.ufz.de/index.php?de=1653
http://www.ufz.de/index.php?de=1663
http://www.ufz.de/index.php?de=20817
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640
Links:
Verantwortung für Nachhaltigkeit – Die Bewirtschaftung von Wasserressourcen in der EU

http://www.ufz.de/index.php?de=21741

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 31.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 17 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

http://www.helmholtz.de

Tilo Arnhold | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=640
http://www.bmbf.iwrm2011.de/
http://www.bmbf.iwrm2011.de/_media/IWRM_Progr_final_Web.pdf

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