Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Feinstaub: Neues Gerät soll präziser messen und Verursacher ausfindig machen

14.08.2007
Während die Warnungen vor gesundheitsschädlichem Feinstaub anhalten, wird öffentlich weiterhin kontrovers über Verursacher und Gegenmaßnahmen diskutiert. Ein neues Messgerät könnte hier künftig eine bessere Handlungsgrundlage schaffen: Der Projektverbund "MONET" will einen Vor-Ort-Detektor entwickeln, der die Feinstaubbelastung schnell erfasst und so detaillierte Messwerte liefert, dass sogar einzelne Verursacher der Luftverschmutzung identifiziert werden können.

Feinstaub ist ein Gemisch von Schwebstoffen in der Außenluft. Man unterscheidet grobe (Durchmesser zwischen 2,5 und 100 Mikrometer), feine (unter 2,5 Mikrometer) und ultrafeine Partikel (unter 0,1 Mikrometer). Je kleiner die Partikel, desto weiter können sie beim Einatmen in den Körper eindringen: feine bis in die Lungenbläschen, ultrafeine sogar bis ins Blut. Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen bis hin zu Lungenkrebs können die Folge sein. In der Europäischen Union gelten daher Höchstwerte für die Feinstaubbelastung, die jedoch im vergangenen Jahr in vielen deutschen Städten überschritten wurden.

Zu den Quellen des Feinstaubs zählen Straßenverkehr, Kraftwerke, Industrieanlagen, Gebäudeheizungen und natürliche Quellen. Bisher wird Feinstaub routinemäßig durch das Sammeln und Auswiegen der groben Partikel (PM10) erfasst; für genauere Informationen ist man auf personal- und zeitintensive Labormessungen angewiesen. Routinemessungen verraten bisher also nur wenig über Gefahrenpotenzial und Herkunft der Staubpartikel.

Das neue System soll dies entscheidend verbessern. Zum einen soll es im vollautomatischen Vor-Ort-Betrieb nicht nur die groben, sondern auch die feinen Partikel bis hinunter zu einer Größe von ca. 0,5 Mikrometern erfassen. Außerdem soll es dank des Prinzips der Einzelpartikelmessung den Verursachern auf die Spur kommen. Dazu werden die Staubpartikel unter UV-Licht in belebte und unbelebte Materie vorklassifiziert und dann mit molekülspektroskopischen Methoden (UV-Vis-Absorptions- und Raman-Spektroskopie) untersucht. Das Verfahren ordnet schließlich die Partikel typischen Emissionsklassen zu, z.B. verschiedenen Mineralstoffen, Reifenabrieb oder verschiedenen Rußarten.

Neben der Feinstaubdetektion könnte das Gerät weitere wichtige Anwendungen bedienen, beispielsweise im Arbeitsschutz bei der Produktion hochwirksamer Medikamente, im Zivilschutz und in der Mikroelektronik- und Halbleiterproduktion.

Um das neuartige Gerätekonzept zu verwirklichen, haben sich Spezialisten aus Industrie und angewandter Forschung zusammengetan. Der Startschuss für ihr Forschungsprojekt ist im Juli mit dem Förderbescheid des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefallen. Die G.I.P. Messtechnik GmbH (Pouch) und die rap.ID particle Systems GmbH (Berlin) werden nun zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (Freiburg) und dem Institut für Physikalische Chemie der Universität Jena das Labormuster erstellen. Dieses soll seine Praxistauglichkeit bis Mitte 2010 in Feldtests durch die G3 Messtechnik GmbH (Eberswalde) beweisen.

Ansprechpartner:

Dr. Marion Jürgens
Forschungsschwerpunkt Biophotonik - Öffentlichkeitsarbeit
Universität Jena, Institut für Physikalische Chemie
Tel: 03641/ 206 034, Fax: 03641/ 206 044
E-Mail: marion.juergens[at]uni-jena.de
Fred Keller
G.I.P. Messtechnik GmbH
E-Mail: fke[at]grimm-aerosol.com

Dr. Marion Jürgens | idw
Weitere Informationen:
http://www.biophotonik.org

Weitere Berichte zu: Feinstaub Messtechnik Mikrometer Partikel Verursacher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser
27.04.2017 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Plastik – nicht nur Müll
26.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie