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Konsequente Wildereikontrolle ist das A und O für ein Schutzgebiet

24.11.2006
Will man einen Nationalpark vom Schlage der Serengeti effektiv und langfristig bewahren, gibt es nur eins: der Park muss über die Finanzmittel verfügen, eine wirkungsvolle Wildereikontrolle durchzuführen. Das belegt eine Studie in der heutigen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science.

Macht sich Wilderei-Kontrolle tatsächlich in den Bestandszahlen von Tierarten in einem Nationalpark bemerkbar? Dieser Frage gingen kanadische Wissenschaftler, Mitarbeiter der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt ZGF und der Parkbehörde Tansania National Parks (TANAPA) nach. Sie werteten Tierbestandszahlen sowie Daten über Wilderei und die Liquidität der Nationalparkverwaltung im Serengeti Nationalpark (Tansania) über die letzten 50 Jahren aus.

"Die Daten belegen sehr eindeutig, dass es möglich ist, ein Schutzgebiet und seine Tiere wirkungsvoll zu beschützen und zu erhalten, wenn man eine konsequente und effektive Kontrolle der Wilderei durchführt", sagt ZGF-Referatsleiter Dr. Markus Borner, Mitautor der Studie. Voraussetzung hierfür ist eine dauerhaft sichere Finanzierung eines Schutzgebietes. Die Wissenschaftler um Erstautor Ray Hilborn von der Universität Washington erläutern in ihrem Science-Artikel den direkten Zusammenhang von Wildereirate in der Serengeti und den Status der Liquidität der Nationalparkbehörde. Diese Rate ergibt sich aus dem Verhältnis der Anzahl festgenommener Wilderer und der Anzahl der täglichen laufenden Patrouillen.

Keine Ranger, viele Wilderer

Am Beispiel der Serengeti-Nashörner zeigen die Autoren wie Ende der 70er Jahre deren Bestand innerhalb kürzester Zeit auf Null gewildert wurde, da kaum Wildereipatrouillen durchgeführt werden konnten. 1977 waren die Grenzen zwischen Kenia und Tansania geschlossen worden, der Serengeti-Tourismus in der Folge fast völlig zusammengebrochen. Aufgrund fehlender Tourismusgelder konnte sich der Park nicht mehr ausreichend Rangerpatrouillen leisten, was innerhalb kürzester Zeit zu immenser Wilderei führte. Nashörner, Büffel und Elefantenbestände brachen erheblich zusammen und erholten sich erst ab Mitte der 80er Jahre wieder, als die Wilderei-Patrouillen des Parks wieder deutlich verstärkt werden konnten.

"Für die ZGF, die seit vielen Jahrzehnten den Serengeti Nationalpark finanziell unterstützt ist die Konsequenz aus dieser Studie die Einrichtung eines Serengeti Trust Funds", sagt Dr. Markus Borner. Eine solche Stiftung sei schon lange in Planung, solle aber nun vehement vorangetrieben werden, so Borner. "Dieser Trust soll die Finanzmittel zum Schutz des Parks auf alle Zeit sichern und von Tourismusgeldern unabhängig machen", sagt Borner. Der Serengeti Trust könnte eine Situation wie sie 1977 aufgetreten war sofort abpuffern.

50 Jahre Frankfurter Geld für die Serengeti

In der Serengeti hat Wilderei heute ein anderes Gesicht als in den 70er Jahren. Die Jagd auf Trophäen von Elefanten und Nashörnern war damals eines der Hauptprobleme. Mittlerweile ist sie fast ganz verschwunden, was sich aber schnell wieder ändern kann, sobald die Preise für Elfenbein das Risiko der Wilderei wieder lohnenswert erscheinen lassen. Heute spielt die Fleischwilderei ein stärkere Rolle, da der Bevölkerungsdruck auf die Parkgrenzen bei zunehmender Verarmung stetig steigt. Diese Probleme erfordern jedoch einen ganz anderen Ansatz und lassen sich nur durch eine enge Zusammenarbeit der Parkbehörden und Naturschutzorganisationen mit den Menschen vor Ort lösen. "Und genau aus diesem Grund braucht man für die langfristige Erhaltung eines Ökosystems wie der Serengeti beide Strategien: Wildhüterpatrouillen plus Entwicklungsprojekte", sagt Borner.

Für die ZGF bestätigt der Science-Artikel ihre Strategie der langfristigen finanziellen Unterstützung der Parkbehörde TANAPA. Seit fast 50 Jahren fließen Spendengelder von Frankfurt aus konsequent in den Parkschutz der Serengeti.

Ansprechpartner für Redaktionen
Dipl.-Biol. Dagmar Andres-Brümmer | Presse u. Öffentlichkeitsarbeit
Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V.
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