Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jährlich 38 Mio. Haie wegen Flossen gekillt

16.10.2006
Zubrot für Fischer zerstört ökologisches Gleichgewicht in den Ozeanen

Ein internationales Forscherteam hat erstmals eine genaue Untersuchung über die jährlich getöteten Haie für die in Asien so beliebte Haifischflossen-Suppe vorgenommen. Demnach werden jährlich 38 Mio. dieser Knorpelfische nur wegen ihrer Flossen getötet. Bisher wurden die Zahlen der jährlich getöteten Haie nur geschätzt und dabei lagen die Schätzungen irgendwo zwischen zehn und 100 Mio. Tiere. Wie das Wissenschaftsmagazin Ecology Letters berichtet, ist die Nachfrage nach Haiflossen steigend, nicht zuletzt deshalb, weil sich in China eine gut verdienende Mittelschicht etabliert hat.

Haifischflossen-Suppe gehört neben Abalone - einer Meeresschnecke - und Schwalbennestern zu den großen Spezialitäten der chinesischen Küche. Gourmets zahlen in den Luxus-Restaurants Hongkongs und Shanghais extrem viel Geld, um an diese Spezialitäten zu kommen. Abalones sind in den Meeren rund um China längst ausgestorben und werden jetzt von Mexiko importiert. Offensichtlich geht es nun auch den Haien immer mehr an den Kragen, wie zahlreiche Umweltorganisationen bereits seit Jahren behaupten. Die Haifischflossen-Industrie ist im Wesentlichen auf einige wenige Staaten in Asien beschränkt. Die Forscher um Shelley Clarke vom Joint Institute for Marine and Atmospheric Research der University of Hawaii und dem National Research Institute of Far Seas Fishery in Japan haben internationale Händler befragt und mehr als 400 Haiflossen untersucht. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass von 1996 bis 2000 26 bis 73 Mio. Haie jährlich gehandelt wurden. Daraus errechneten die Forscher den Durchschnittswert von 38 Mio. Fischen - fast vier Mal soviel wie von der UNO geschätzt.

Die Untersuchungen des Forscherteams waren nicht einfach, da in den meisten Fischerei-Statistiken die Haie fehlen. Zudem sind Haie oft reiner Beifang und dieser wird nicht nach Spezies beurteilt, sondern lediglich nach der Gesamtmenge. "Neben einigen Restriktionen über die Fangmethoden - vor allem dem Shark Finning - , die in den USA und in der EU bestehen, wurde nie ein Fischerei-Management-System für Haie erstellt", so Murdoch McAllister, Studien-Co-Autor vom Imperial College in London. "Die weltweite Nachfrage für Haifischflossen ist jedenfalls dramatisch angestiegen, das wiederum macht Fischer gierig auf ein Zubrot", meint McAllister.

"Tatsächlich ist die Nachfrage nach den Haiflossen vor allem in China deutlich spürbar", berichtet Peter Knights, Direktor der non profit-Organisation WildAid. "In der neuen chinesischen Mittelschicht wird Wert darauf gelegt zu zeigen, dass man sich Haifischflossen einfach leisten kann. Egal dabei ist, dass die Flossen weder besonders gut schmecken noch irgendwelche besonderen Nährstoffe enthalten", meint Knights. Tatsächlich legen Chinesen insbesondere bei großen Geburtstagsfeiern großen Wert auf teure Gerichte. Damit will man den Gästen die Wertschätzung ausdrücken. Umgekehrt bemerken die Forscher, dass die traditionelle Haifischflossen-Suppe aber nicht nur auf Speisekarten in Asien beschränkt ist. "Ein Teller Haifischflossen-Suppe wird im China-Max-Seafood-Restaurant in San Diego für 18 Dollar angeboten. Für 40 Dollar kann man eine ganze geschmorte Flosse bestellen", berichtet das Wissenschaftsmagazin National Geographic diese Woche und bemerkt noch süffisant, dass der Wirt versichert habe, dieses Gericht ständig anzubieten.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.blackwellpublishing.com
http://www.nationalgeographic.com

Weitere Berichte zu: Flossen Hai Haifischflossen-Suppe Haiflossen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics