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Neue Landschaften braucht das Land - Innovative Konzepte für die Schwarzerde

15.09.2005


Etwa 100 Wissenschaftler aus 15 Ländern beraten vom 21. bis 23. September am Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) über die zukunftsfähige Nutzung von Agrarregionen. Dabei geht es darum, vielfältige Anforderungen an moderne Landschaften unter einen Hut zu bringen: Landnutzung, Artenvielfalt sowie ökonomische und soziale Funktionen. Erstmals wird dabei ein umfangreiches digitales Nutzerhandbuch - entwickelt von der Firma OLANIS - vorgestellt, das Behörden und Landschaftsplanern die Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen an den Naturschutz in der Landwirtschaft erleichtern soll. Die Konferenz ist Teil des Projektverbundes "Lebensraum Börde", die den Naturschutz in intensiv genutzten Agrarlandschaften zum Ziel hat und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wird.

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Wenn Gerhard Pflock den Boden auf seinen Äckern in die Hand nimmt, dann rieselt dunkle Erde durch seine Finger: Schwarzerde, der fruchtbarste Boden überhaupt und zum "Boden des Jahres 2005" gekürt. Für Landwirte wie ihn ein wahrer Schatz. Pflock leitet die Pflanzenproduktion beim Agrarunternehmen Barnstädt (AUB) auf der Querfurter Platte im südlichen Sachsen-Anhalt. Mit etwa 6.000 Hektar Land zählt die Genossenschaft zu den größten Agrarbetrieben Europas. Doch die fruchtbare Schwarzerde in der Börde hat auch einen Nachteil: Der Boden wird schnell vom Wind verweht und vom Wasser weggespült. Dazu kommt noch, dass die Felder in dieser Region besonders groß sind und der Wind hier seine ganze Kraft entfalten kann. Ein bedrohter Schatz also. Deshalb beteiligt sich das AUB an einem einmaligen Pilotprojekt, das sich gleichermaßen um Naturschutz und um die Interessen der Landwirte kümmert. "Das Problem der Bodenerosion lässt sich durch Strukturen wie Hecken, Feldraine oder kleine Wäldchen sowie agrartechnische Maßnahmen wirksam bekämpfen", erklärt Projektleiterin Prof. Heidrun Mühle vom UFZ die Grundidee. Zirka 24 Hektar setzt das Agrarunternehmen Barnstädt ein. Doch die Mühe lohnt sich. Heidrun Mühle: "Der Abtrag von fruchtbarem Boden ist ein Problem mit großer ökonomischer Bedeutung für die Landwirte. An manchen Stellen der Querfurter Platte leuchtet bereits jetzt der Löß ockerfarben durch. Dort ist die Schwarzerde schon abgetragen".

Obendrein bieten die neuen Strukturen vielen bedrohten Tierarten eine Überlebenschance. Dazu gehören der Feldhase, der Rotmilan oder der Feldhamster. Die Zahl dieser possierlichen kleinen Nager beispielsweise ist in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen, weil die Tiere nach Abernten des Getreides keine ausreichende Nahrung mehr finden und die Jungen im Hamsterbau verhungern. Ein 20 Meter breiter so genannter Hamsterschutzstreifen aus Gras und Feldfrüchten, die erst später abgemäht werden, soll das künftig verhindern. In ihrem Pilotprojekt IUMBO (Integrative Umsetzung des multikriteriellen Bewertungs- und Optimierungsverfahrens auf der Querfurter Platte) untersuchen die UFZ-Wissenschaftler zusammen mit Kollegen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Softwarefirma OLANIS, wie sich die neu angelegten Landschaftsstrukturen auf die Populationen dieser bedrohten Tierarten auf der Querfurter Platte auswirken. Multikriterielle Landschaftsoptimierung nennen die Wissenschaftler das Ziel einer innovativen Software, die künftig die Qualität der Landschaftsplanung mithilfe von Modellen verbessern soll. Verschiedene Kriterien wie Verringerung der Bodenerosion, Erhöhung der Grundwasserneubildung oder Steigerung des Erholungswertes werden in die Entwicklung neuer Landschaftsszenarien integriert.


Die Erfahrungen aus der Gegend um Barnstädt sind auch für andere Landwirte von Bedeutung. Schließlich ist die Querfurter Platte nicht die einzige Region, die mit diesen Problemen zu kämpfen hat. Auch andere Bördegebiete wie die Magdeburger Börde, die Börde zwischen Hildesheim und Wolfenbüttel, die Soester Börde oder die Kölner Bucht stehen vor den gleichen Herausforderungen. Mehr noch, die Wissenschaftler wollen mit ihrer Methode eine Hilfe für die Planung in anderen Agrarlandschaften geben.

Weitere fachliche Informationen über:

Prof. Heidrun Mühle
UFZ-Department Naturschutzforschung
Telefon: 0341-235-2344
Email: heidrun.mühle@ufz.de

und
Doris Böhme
UFZ-Pressestelle
Telefon: 0341-235-2278
Email: presse@ufz.de

Die Wissenschaftler des UFZ-Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforschen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Sie entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.

Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ist eine der größten Stiftungen in Europa. Sie fördert innovative beispielhafte Projekte zum Umweltschutz. Seit der Gründung im Jahr 1991 hat sie weit über 5000 Projekte mit über einer Milliarde Euro Fördervolumen unterstützt. Sie fördert Projekte aus den Bereichen Umwelttechnik, Umweltforschung/Naturschutz und Umweltkommunikation. Allgemeine Voraussetzungen für eine Förderung sind die folgenden drei Kriterien Innovation, Modellcharakter und Umweltentlastung: Die Vorhaben müssen sich klar vom gegenwärtigen Stand der Forschung und Technik abgrenzen und eine Weiterentwicklung darstellen. Die Innovation soll für eine breite Anwendung, z. B. eine ganze Branche, interessant sein und sich unter marktwirtschaftlichen Konditionen zeitnah umsetzen lassen. Mit der Innovation sollen neue, ergänzende Umweltentlastungspotentiale erschlossen werden.

Doris Böhme | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de

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