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Riesige Landflächen in Sibirien ölverseucht

06.08.2001



In Westsibirien sind 700.000 bis 840.000 Hektar Land - rund die dreifache Fläche des Saarlandes - ölverseucht. Durch Ölförderung und -transport sowie zahlreiche Ölunfälle werden auch das Oberflächen- und das Grundwasser sowie die Luft massiv verschmutzt. Dies sind die Haupterkenntnisse eines Reports des niederländischen Beratungsbüros IWACO, den Greenpeace-Mitarbeiter aus Russland, Deutschland und den Niederlanden heute in Moskau vorstellen. Die normalerweise für die Ölindustrie tätige Consulting-Firma hat die Studie in rund einem Jahr im Auftrag von Greenpeace erstellt.

Allein im Samotlor-Ölfeld in Westsibirien, einem der größten Ölfördergebiete Sibiriens, sind dem Bericht zufolge 6.500 Hektar Land schwer ölverschmutzt. Die Bewohner der Region um die Stadt Nishnewartowsk im Zentrum des Ölfeldes sind erheblichen Gesundheitsrisiken durch verschmutztes Trinkwasser und verunreinigte Luft ausgesetzt. 97 Prozent des Trinkwassers aus dem Fluss Vakh beispielsweise waren in den letzten fünf Jahren über die russischen Grenzwerte hinaus ölverseucht. Etwa 50 Prozent der befischten Flüsse in der Region sind ölverschmutzt. Hauptursache für die Verunreinigungen sind zahlreiche Ölaustritte und Unfälle an Pipelines und Förderanlagen, die Freisetzung von Bohrabfällen, leckende Lagertanks und Mülldeponien sowie das Abfackeln von Gas und Öl. Die Weltbank klassifizierte das Samotlor-Ölfeld, in dem seit 40 Jahren Öl gefördert wird, im vergangenen Jahr als "ökologische Katastrophenzone".

"Die internationalen Ölfirmen, die ihr Öl aus Russland beziehen, müssen gemeinsam mit ihren russischen Partnern dieses ökologische Desaster stoppen", so Jörg Feddern von Greenpeace Deutschland. "Die verschmutzen Gebiete müssen nicht nur umgehend gereinigt werden. Zusätzlich muss großflächig eine satellitengestützte Fernüberwachung installiert werden, um eine umfassende Übersicht über weitere ölverseuchte Gebiete zu erhalten."

Das französische Unternehmen TotalFinaElf ist einer der Hauptimporteure von Rohöl aus Westsibirien. Das Öl des Konzerns wird in Raffinerien in Leuna (Sachsen-Anhalt) und Schwedt (Brandenburg) verarbeitet. Die Raffinerien beziehen aus Westsibirien über die Druschba-Pipeline ("Pipeline der Freundschaft") jährlich zwischen 18 und 20 Millionen Tonnen Öl.

Bisher zeigt sich TotalFinaElf zwar besorgt über die Lage in Russland, lehnt aber jegliche Verantwortung ab. Die Hauptgeschäftspartner von TotalFinaElf im Samotlor-Feld sind die russischen Unternehmen TNK (Tyumen Oil Company) und Yukos. "TotalFinaElf muss endlich Verantwortung für die Herkunft seines Öls übernehmen und umgehend Geld für Sanierungsprojekte in den russischen Fördergebieten bereit stellen", fordert Jörg Feddern.

Jörg Feddern | ots

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