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Schlechte Zeiten für Frösche

15.10.2004


Ein Drittel aller Amphibien massiv vom Aussterben bedroht



Die Welt der Frösche, Kröten und der Salamander steht massiv vor dem Aussterben: Zu diesem Schluss kommen 500 internationale Wissenschaftler in der jüngsten Ausgabe des Magazins Science. Es sei zwar bekannt gewesen, dass die Amphibien unter Druck stehen, dass ihre Bedrohung aber derart groß ist, war den Forschern bisher nicht klar, berichtet das Wissenschaftsmagazin. Die Experten gehen davon aus, dass mehr als 30 Prozent aller Amphibien betroffen sind.



Die Ursachen für das rasche Verschwinden der Lurche sind eine zu starke Jagd, die Zerstörung ihrer Lebensräume (zumeist Feuchtbiotope) sowie bis dato unerklärliche Gründe. Ähnliche Studien an Säugetieren und Vögeln sprechen zwar auch zumeist eine triste Sprache, dennoch sehen die Zahlen bei den Amphibien besonders dramatisch aus: Von den insgesamt 5.743 bekannten Arten sind 1.856, also mehr als 30 Prozent, vom Aussterben bedroht und in den "roten Listen" der IUCN gelistet.

"In deutlicher Sprache heißt das, dass wir fast die Hälfte einer gesamten taxonomischen Gruppe innerhalb der kommenden 100 Jahre verlieren werden", so Studien Co-Autorin Janice Chanson. Dass der Mensch zahlreiche Anstrengungen unternehmen kann, um einen weiteren Overkill zu stoppen, scheint den Autoren klar zu sein. Dazu zählen etwa die Einschränkungen bei der Jagd und die Erhaltung des Lebensraums. Allerdings sind zu viele Arten vom "rätselhaften Verschwinden" bedroht. Das heißt, dass die Gründe für das Zurückgehen der Tiere unbekannt sind. Die einzige Möglichkeit, dies zu verhindern, sehen die Experten darin, Tiere in Gefangenschaft nachzuzüchten.

Wissenschaftler rätseln schon länger warum die Zahl der Amphibien so rasch abnimmt. Klimaänderungen und das Auftreten von tödlichen Pilzerkrankungen auf der empfindlichen Haut werden dafür verantwortlich gemacht. Die Pilzerkrankung Chytridiomykose könnte nach Ansicht von Experten als Erkrankung von anderen Froschlurchen stammen und als invasive Spezies weiter verschleppt worden sein. Änderungen des Klimas, vor allem aber in der Niederschlagsmenge, haben die Immunabwehr der Tiere geschwächt und sie anfälliger für Krankheiten gemacht. Diese Theorie wird von anderen Wissenschaftlern wie dem Evolutionsbiologen Blair Hedges von der Pennsylvania State University jedoch abgelehnt. Er sieht in der Ausbreitung der Pilzerkrankung nicht die wirkliche Ursache.

"Viele der angeblich so sauberen und ursprünglichen Regenwälder, wie etwa auf den zahlreichen karibischen Inseln, werden von Ratten bevölkert. Und diese fressen alles", so Hedges. Der Forscher leugnet aber nicht, dass die Zahl der Froschlurche seit den 1970-ern stetig abnimmt. Mindestens 100 Spezies haben die vergangenen 30 Jahre nicht überlebt.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.sciencemag.org

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