Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaschützende Strategien in der Abfallwirtschaft

15.09.2004


Ersatzbrennstoffe wichtig zur Reduktion von Kohlendioxid-Emissionen



Die gesetzlichen Initiativen zur Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen von Kohlendioxid werden nach Ansicht von Wissenschaftlern und Politikern zu einer nachhaltigen Änderung der Abfallwirtschaft führen. Der sechste Wetzlarer Abfalltag beschäftigte sich mit den Auswirkungen des Treibhausgas-Emissionshandelsgesetzes (TEHG) auf die unterschiedlichen Verfahren zur Entsorgung von Abfall. Das TEHG ist das Basisgesetz für die Umsetzung der Emissionshandelsrichtlinie, die vorsieht, dass Unternehmen ab dem 1. Januar 2005 nur noch Kohlendioxid ausstoßen dürfen, wenn sie hierfür eine entsprechende Anzahl von Emissionsberechtigungen (Zertifikate) zu einem festgelegten Stichtag besitzen.



"Da die verschiedenen Abfallkonzepte in unterschiedlichem Maße zum Treibhauseffekt beitragen, wird durch die geeignete Wahl des Behandlungsverfahrens eine Netto-Klimaentlastung möglich, die sich als Gutschrift anführen lässt. Das gilt vor allem dann, wenn die Wirkungsgrade der thermischen Abfallbehandlung in Zukunft deutlich gesteigert werden. Die effiziente stoffliche und energetische Abfallverwertung in Deutschland kann also mit vergleichsweise geringem Aufwand zur Minderung von Treibhausemissionen beitragen", sagte der Klimaforscher Jürgen Scheffran von der University of Illinois. Werde Energie aus Abfall mit einem hohen biogenen Anteil gewonnen, trage das zur Einsparung von klimarelevanten Kohlendioxid-Emissionen bei.

"Die rund 400 Millionen Tonnen Abfälle in Deutschland stellen im Sinne einer nachhaltigen Energie- und Abfallpolitik eine wertvolle Ressource dar", betonte Scheffran in seinem Referat. Besonders die innovativen Verfahren der mechanisch-biologischen und thermischen Abfallbeseitigung würden sich günstig für den Klimaschutz auswirken. Mit entsprechenden Vorbehandlungsverfahren werde das Treibhauspotenzial mindestens um den Faktor 10 reduziert. Die Deponierung sei aufgrund der hohen Methanemissionen die klimapolitisch ungünstigste Entsorgungsvariante. Methan habe ein Global Warming Potential von 21. Bei einem Betrachtungszeitraum von 100 Jahren sei es etwa 21 mal treibhauswirksamer als Kohlendioxid.

Welche energetische Ausbeute im Gegensatz zur umweltschädlichen Deponierung möglich sei, zeige die Restmüllverarbeitung der Firma Herhof im Lahn-Dill-Kreis. Das computergesteuerte Rotteverfahren dient der Trocknung organischer Abfälle, deren anschließender Befreiung von metallischen Wertstoffen und mineralischen Störstoffen und der Herstellung eines lagerungsfähigen heizwertreichen Ersatzbrennstoffs. "Bei einer Trocknung der Biomasse-Anteile auf 15 Prozent Wassergehalt steigt der Heizwert von Ersatzbrennstoffen deutlich an, bei Trockenstabilat auf 16.000 Kilojoule je Kilogramm und übertrifft damit deutlich die gesetzlichen Vorgaben zur energetischen Verwertung", sagte Scheffran. Nach Ansicht von Karl Ihmels, Landrat des Lahn-Dill-Kreises , erfahre das Trockenstabilatverfahren seines Landkreises durch das Emissionshandelsgesetz eine außerordentliche Aufwertung. "In den Kraftwerken und Industriefeuerungsanlagen wird pro erzeugter Energieeinheit eine bestimmte Menge Kohlendioxid freigesetzt. Am klimaschädlichsten schneiden dabei Braunkohle und Steinkohle ab. Da das Trockenstabilat zu zwei Dritteln aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, wird bei der Anwendung des Emissionshandelsrechts für dieses Material von der ausgestoßenen Menge an Kohlendioxid zwei Drittel in Abzug gebracht. Weil Erdgas keinen Abzug erfährt, liegt das Stabilat unter den Aspekten des Klimaschutzes noch weit über dem ansonsten als ökologisch besonders hochwertig geltenden Erdgas", führte Ihmels aus.

Die Substitution fossiler Brennstoffe, die Vermeidung von Methan und Lachgas sei nach Einschätzung des SPD-Bundestagsabgeordneten und Umweltwissenschaftlers Ernst Ulrich von Weizsäcker ein wichtiger Beitrag der Abfallwirtschaft für den Klimaschutz. "Die Bundesregierung hat ihre strategischen Ziele in der Abfallwirtschaft erklärt, dass spätestens bis zum Jahr 2020 Abfälle so zu behandeln oder aufzubereiten sind, dass keine Deponierung mehr notwendig wird. Klimapolitisch erhält dabei das Trockenstabilatverahren einen privilegierten Status", sagte Weizsäcker.

Die klimapolitische Bedeutung einer gut organisierten Abfallwirtschaft haben die Wissenschaftler Bernt Johnke, Jürgen Scheffran und Konrad Soyez in einem Fachbuch dokumentiert, das soeben im Erich Schmidt Verlag erschienen ist. Titel: Abfall, Energie und Klima, Wege und Konzepte für eine integrierte Ressourcennutzung, Beiträge zur Umweltgestaltung, Band A 157, 256 Seiten, 39,80 Euro.

Gunnar Sohn | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.esv.info
http://www.lahn-dill-kreis.de
http://www.uiuc.edu

Weitere Berichte zu: Abfall Abfallwirtschaft Deponierung Klimaschutz Kohlendioxid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften