Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Es wimmelt in Flüssen und Seen

16.05.2008
Binnengewässer beherbergen überproportional viele Tierarten – doch sie sind gefährdet

Bei der aktuellen Diskussion um Biodiversität geht es meist um die Artenvielfalt in tropischen Regenwäldern und in den Weltmeeren. Vergessen wird dabei oft die Artenvielfalt in Binnengewässern wie Flüssen, Bächen, Seen und Quellen: Etwa zehn Prozent aller Tierarten (126 000 Arten) sind hier zuhause, obwohl die Binnengewässer nur ein Prozent der Erdoberfläche bedecken. Mehr als ein Drittel aller bekannten Wirbeltiere (18 300 Arten) sind an Süßwasserlebensräume gebunden.

Für einen verbesserten Schutz der Binnengewässer tritt Dr. Jörg Freyhof vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) auf der zurzeit in Bonn stattfindenden Konferenz „Biodiversity Research – Safeguarding the Future“ ein. Hier erarbeiten Wissenschaftler aus aller Welt Empfehlungen für die UN-Konferenz zur Biodiversität vom 19. bis 30. Mai 2008.

Die Artenvielfalt in Binnengewässern ist heute akut bedroht. Seit 1700 sind europaweit 16 Wirbeltiere ausgestorben, 13 davon sind Süßwasserfische. Dabei ist es weniger der Klimawandel selbst, der zum Rückgang des Artenreichtums beiträgt. Prof. Klement Tockner, Direktor des IGB: „Es sind vielmehr die Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels, die die Qualität der Süßwasserökosysteme beeinträchtigen.“ So würden der Ausbau der Wasserkraft und die intensive Landnutzung durch den Anbau von Energiepflanzen die Gewässer erheblich belasten. Tockner weiter: „Die rasche Veränderung der biologischen Vielfalt stellt eine der größten globalen Herausforderungen für uns Menschen dar und darf in der Diskussion um den Klimawandel nicht untergehen.“

... mehr zu:
»Artenvielfalt »Binnengewässer »IGB

Jörg Freyhof weist auf einen anderen Aspekt hin: „Noch vor einigen Jahren hieß es, Umweltschutz sei zu teuer, das können wir uns nicht leisten. Heute berechnen wir die Kosten, die der Verlust der Artenvielfalt zur Folge hat und stellen fest: Die Vernichtung von Biodiversität können wir uns nicht leisten.“ So wird zum Beispiel in den USA die Wertschöpfung von Bestäubern, das sind zum Beispiel Bienen, auf sechs bis acht Milliarden Dollar beziffert. „Wenn die Bienen die Pflanzen nicht mehr bestäuben, können später keine Früchte geerntet werden. Der wirtschaftliche Verlust ist immens“, so Freyhof. Solche Zusammenhänge werden auch im aquatischen Bereich vom IGB erforscht.

Der Umweltschutz der letzten Jahrzehnte hat deutlich zur Verbesserung der Wasserqualität der meisten Flüsse und Seen geführt. Entlang großer Flüsse wie Donau, Oder und Elbe wurden Nationalparks eingerichtet, einige Fischarten konnten von der Roten Liste genommen werden. Tockner kann aber keine Entwarnung geben: „Trotz der ersten Erfolge sind Arten in Binnengewässern nach wie vor gefährdet, einen weiteren Verlust können wir uns nicht leisten.“

Kontakt:
Prof. Dr. Klement Tockner
Direktor des Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Tel.: (030) 641 81 601
E-Mail: tockner@igb-berlin.de
Dr. Jörg Freyhof
Tel.: 0160-991 06 721
E-Mail: jfreyhof@yahoo.com

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt Binnengewässer IGB

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Den Trends der Umweltbranche auf der Spur
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas
17.10.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz