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Artenvielfalt hängt nicht von der Produktivität ab

23.09.2011
Das internationale Ökologen-Netzwerk «Nutrient Network», darunter Umweltwissenschaftler der Universität Zürich, widerlegt die Abhängigkeit der Biodiversität von der Produktivität des Ökosystems. Evolutionsgeschichtliche Faktoren und die Häufigkeit und Intensität von Störungen sind ebenfalls für die Artenvielfalt innerhalb eines Ökosystems verantwortlich.

Wie kommt es dazu, dass das eine Ökosystem viel mehr Tier- und Pflanzenarten beherbergt als ein anderes? Zählt eine Graslandschaft nicht zwangsläufig mehr Arten als eine Trockensteppe oder eine alpine Tundra? Die Prozesse, welche die Biodiversität steuern, sind auch heute noch weitgehend unbekannt. Gemäss gängiger Lehrmeinung hängt die Biodiversität mit der Primärproduktivität des Ökosystems zusammen. Das heisst, je mehr Biomasse von Pflanzen, Algen oder Bakterien produziert wird, umso grösser sei die Vielfalt an Pflanzen und Tieren.

Das bald vierzigjährige Modell besagt, dass mit steigender Produktivität die Biodiversität anfänglich zunimmt und ab einem gewissen Punkt wieder absinkt. Dieses Modell wurde in den vergangenen Jahren immer wieder erfolglos in Frage gestellt. Ökologen des internationalen «Nutrient Network», darunter die Umweltwissenschaftler Andrew Hector und Yann Hautier von der Universität Zürich, widerlegen nun dieses Modell im Wissenschaftsmagazin «Science». Sie können erstmals nachweisen, dass es keinen klaren Zusammenhang zwischen Produktivität und Biodiversität gibt. Dieses Resultat unterstützt die kürzlich ebenfalls von UZH-Ökologen in «Nature» publizierte Erkenntnis, dass jede Pflanzenart für das Funktionieren eines Ökosystems zählt.

Für ihre Arbeit wählten die Forscher einen neuen Ansatz. Sie analysierten und standardisierten die Resultate von 48 Versuchswiesen, die auf fünf Kontinenten verteilt sind. Ihre Erkenntnisse legen nahe, dass unterschiedliche Artenvielfalten in Ökosystemen nicht mit deren Produktivität zu erklären sind. Andere Aspekte wie evolutionsgeschichtliche Faktoren und die Häufigkeit und Intensität von Störungen sind ebenfalls für die Artenvielfalt innerhalb eines Ökosystems verantwortlich. Um zukünftig die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität noch besser prognostizieren zu können, müssen Ökologen, laut Umweltwissenschaftler Hector, vermehrt in weltweiten Netzwerken arbeiten und ihre Untersuchungsmethoden weiterentwickeln.

Literatur:
Peter Adler et al., Productivity is a poor predictor of plant species richness, Science, 23. September 2011, DOI: 10.1126/science.1204498

Kontakte:
Dr. Yann Hautier
Universität Zürich
Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften
Tel. +41 44 635 61 04
E-Mail: yann.hautier@ieu.uzh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

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