Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von Verlierern und Gewinnern: Studie zu Folgen des Klimawandels in NRW gestartet

12.11.2008
Der Klimawandel hinterlässt seine Spuren auch in Nordrhein-Westfalen. Wissenschaftler haben zum Beispiel beobachtet, dass manche Zugvögel ihr Wanderverhalten ändern und sich Insektenarten in Richtung Norden ausbreiten.

Insgesamt ist jedoch noch weitgehend unklar, welche Arten und Lebensräume vom Klimawandel betroffen sind und welche Folgen künftig zu erwarten sind. Eine Pilotstudie, die im Auftrag des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen von einem Forscherteam der Universität Münster geleitet wird, soll Licht in das Dunkel bringen und Empfehlungen geben, wie der Naturschutz auf den Klimawandel reagieren sollte.

"Klimaprognosen, die bis ins Jahr 2055 reichen, sagen: Wir bekommen mildere Winter und heißere Sommer mit verstärkten Trockenphasen", erklärt Privatdozent Dr. Thomas Fartmann vom Institut für Landschaftsökologie der WWU, der gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Norbert Hölzel die Pilotstudie "Klimawandel und biologische Vielfalt in NRW" leitet. "Das wird auf Lebensräume und ihre Bewohner zum Teil gravierende Auswirkungen haben." Um einen Überblick darüber zu bekommen, welche Tier- und Pflanzenarten durch den Klimawandel bereits jetzt beeinflusst werden und um weitere Auswirkungen vorhersagen zu können, wollen die Forscher das Wissen von zwanzig an der Studie beteiligten Experten aus ganz NRW zusammentragen und auswerten. Das Projekt wird vom Land für ein Jahr mit rund 131.000 Euro gefördert.

Die Auswirkungen der Klimaänderung auf Tier- und Pflanzenarten sind sehr unterschiedlich. Manche Arten profitieren und breiten sich weiter nach Norden aus. Ein Beispiel aus der Vogelwelt ist der wärmeliebende Bienenfresser. Ein anderes Beispiel ist das Weinhähnchen. Diese Grillenart, die vor allem in Süddeutschland vorkommt, breitet sich über die Rheinauen in Richtung Norden aus. 1990 wurde erstmals ihr Vorkommen in NRW nachgewiesen. "Inzwischen kommen die Weinhähnchen nördlich von Duisburg vor und haben sogar die Grenze zu den Niederlanden überschritten", so Fartmann. Auf Winterkälte angewiesene Tiere verlieren dagegen Lebensraum. Der Dukatenfalter zum Beispiel zieht sich zunehmend in höhere, kältere Lagen zurück.

Generell gilt: Arten, die mit unterschiedlichen Lebensräumen zurechtkommen, werden weniger unter der Klimaerwärmung leiden. So genannte Spezialisten, die auf bestimmte Lebensräume angewiesen sind, könnten dagegen in Gefahr geraten. "Bewohnern von Moorgebieten könnte der Lebensraum entzogen werden, wenn Moore durch längere Trockenperioden degenerieren", so Hölzel.

Nicht nur in der Ausbreitung, sondern auch im Verhalten mancher Arten schlägt sich der Klimawandel bereits nieder. "Vogelforscher beobachten zum Beispiel, dass der Bruchwasserläufer, der in den münsterschen Rieselfeldern rastet, im Frühjahr eher kommt und im Herbst später geht", so Fartmann. Welche Auswirkungen solche Veränderungen haben, ist unklar. Die Wissenschaftler rechnen jedoch mit Störungen der Ökosysteme. Hölzel befürchtet: "Wenn die Synchronisation nicht mehr klappt, gibt es neue Konkurrenzsituationen, und ganze Nahrungsketten werden zerschlagen."

Auch eng miteinander verwandte Tierarten können unterschiedlich gut mit Veränderungen ihrer Umwelt umgehen. "Flugfähige Heuschrecken sind mobil und können leichter neue Lebensräume besiedeln. Ihre flugunfähigen Verwandten, die ohnehin schon unter der - dem Menschen geschuldeten - Fragmentierung ihrer Lebensräume leiden, könnten daher durch weitere Veränderungen massiv gefährdet werden", erklärt Fartmann. Für solch wenig mobile und spezialisierte Arten könnte eine im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen herbeigeführte "Vernetzung von Lebensräumen" geeignet sein, um ihnen die Anpassung an den Klimawandel zu ermöglichen.

Die "Bestandsaufnahme", die im Rahmen der Studie durchgeführt wird, soll Prognosen ermöglichen und damit dem Naturschutz in NRW dienen. "Die Frage ist", so Fartmann, "wie muss der Naturschutz seine Strategien ändern?"

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/
http://www.uni-muenster.de/Oekosystemforschung/mitarbeiter/hoelzel.html
http://www.uni-muenster.de/Biozoenologie/fartmann.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten