Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unterschiedliche Lesegeräte, unterschiedliches Lesen?

12.10.2011
Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz legt weltweit einmalige Lesestudie mit neurowissenschaftlichen Ergebnissen zum Lesen auf E-Readern vor

Buch oder Bildschirm – wie liest es sich besser? Das Lesen auf elektronischen Lesegeräten hat keine Nachteile gegenüber dem Lesen gedruckter Texte.

Das ist ein Ergebnis einer weltweit einmaligen Lesestudie, die der Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Kooperation mit der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH durchgeführt hat. "E-Books und E-Reader spielen auf dem weltweiten Buchmarkt eine immer größere Rolle. Dennoch stehen Leser in Deutschland E-Books und elektronischen Lesegeräten skeptisch gegenüber.

Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob es für diese Skepsis fundierte Gründe gibt", erklärt der Initiator der Studie, Univ.-Prof. Dr. Stephan Füssel, Leiter des Instituts für Buchwissenschaft und Sprecher des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. "Mit der Studie können wir die verbreitete Meinung, das Lesen am Bildschirm habe nachteilige Effekte, wissenschaftlich fundiert entkräften", so Füssel. "Es gibt keinen Clash der (Lese-)Kulturen – ob analog oder digital, Lesen bleibt die wichtigste Kulturtechnik."

Im deutlichen Kontrast zum Ergebnis der Studie steht der subjektive Eindruck der Probanden. "So gut wie alle Probanden haben ausgesagt, dass für sie das Lesen eines gedruckten Buchs am schönsten ist. Dieser subjektive Eindruck war dominierend. Er stimmt aber nicht mit den Daten überein, die wir in der Studie erhoben haben", so Prof. Dr. Matthias Schlesewsky, Leiter der Arbeitsgruppe "Neuronale Grundlagen Sprachlicher Universalien" am Department of English and Linguistics der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der den Aufbau der Studie gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Stephan Füssel konzipiert und den Ablauf durchgeführt hat. Vielmehr liefern Tablet-PCs gegenüber E-Ink-Readern und einer Papierseite sogar einen nicht bewusst wahrnehmbaren Vorteil, die Informationen werden über dieses Lesegerät leichter verarbeitet. Ein weiteres Ergebnis: Während es bei jüngeren Probanden keine Lesezeitunterschiede zwischen den drei Medien gab, zeigten die älteren Probanden schnellere Lesezeiten für den Tablet-PC.

Auch beim Vergleich von E-Ink-Readern und gedrucktem Papier entspricht die subjektive Wahrnehmung nicht dem Studienergebnis. Fast alle Probanden haben ausgesagt, dass das Lesen auf Papier komfortabler sei als auf einen E-Ink-Reader. Tatsächlich hat die Studie ergeben, dass es in Bezug auf die Leseleistung keinen Unterschied macht, ob man auf Papier oder einem E-Ink-Reader liest. "Die subjektive Präferenz für das gedruckte Buch ist also nachweislich kein Kriterium für die Schnelligkeit und die Güte der Informationsverarbeitung", so Schlesewsky.

Mitinitiator und Kooperationspartner der Studie ist die MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, Betreiberin der E-Book-Plattform libreka!. "Wir freuen uns, dass wir die Universität Mainz bei dieser einmaligen Studie begleiten und unterstützen konnten. Als Wirtschaftstochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels schafft die MVB mit libreka! die Voraussetzung für Verlage und Buchhandlungen, sich auf das digitale Zeitalter einzustellen. Für uns ist es wichtig, den Markt mitzugestalten, dazu gehört es auch, die Bedürfnisse des Lesers zu kennen", begründet Ronald Schild, Geschäftsführer der MVB, die Kooperation.

Bei der Studie wurde erstmals in einer alters- und geschlechtsbalancierten Stichprobe analysiert, wie sich das Lesen auf verschiedenen Oberflächen unterscheidet. Dafür haben die Probanden der Studie verschiedene Texte unterschiedlicher Komplexität gelesen, und zwar jeweils auf einem E-Book-Reader (Kindle 3), einem Tablet-PC (iPad) und auf Papier. Das Leseverhalten und die damit korrespondierende neuronale Verarbeitungsleistung der Probanden wurden dabei durch die kombinierte Messung der Augenbewegungen (Eye Tracking) und der elektrophysiologischen Hirnaktivität (EEG) erhoben. Kriterien, die berücksichtigt und untersucht wurden, waren Leseverhalten und Lesestrategien, Textverständnis, Behaltensleistung und Erinnerungsvermögen sowie die Präferenzen der Probanden für das jeweilige Medium.

Der Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz ist eine fachbereichs­übergreifende Einrichtung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und wird vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz im Rahmen der Forschungsinitiative 2011 mit sechs weiteren Forschungsschwerpunkten an der JGU gefördert. Ausgelöst durch die technische Konvergenz der Medien wird ein industrieller, kultureller und sozialer Wandel vorangetrieben. Ziel des Forschungsschwerpunktes Medienkonvergenz ist es, die damit einhergehenden tiefgreifenden Veränderungen der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dieser rasanten Medien(r)evolution, ihre enormen kulturellen Potenziale und die unterschiedlichen gesellschaftlichen Folgen zu erfassen und wissenschaftlich aufzuarbeiten. Die durch die Medienkonvergenz induzierten Veränderungsprozesse können nur im interdisziplinären Verbund adäquat erforscht werden. Aus diesem Grunde kooperieren im Forschungsschwerpunkt die geistes- und die sozialwissenschaftlich orientierten Medienfächer der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Buchwissenschaft, Journalistik, Publizistik, Film- und Theaterwissenschaft, Neurolinguistik) mit Medienrecht, Medienpädagogik, Medienkunst sowie Medienökonomie, Informatik und Suchtprävention.

Die MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH ist das führende Service-Unternehmen für die deutsche Buchbranche. Als Wirtschaftstochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. bietet das Unternehmen eine breite Palette verschiedener Verlagsprodukte und Dienstleistungen an. Zentrale Produkte sind die Branchenplattform libreka!, das Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) und das Branchenmagazin BÖRSENBLATT.

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mainz.de/presse/48646.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht VDE analysiert Auswirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt von Elektroingenieuren
29.06.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Designte Proteine gegen Muskelschwund

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Benzin und Chemikalien aus Pflanzenresten

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hochleitfähige Folien ermöglichen großflächige OLED-Beleuchtung

29.06.2017 | Energie und Elektrotechnik