Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unerwartete Entwicklung: Die Zahl übergewichtiger Kinder steigt nicht weiter

29.04.2014

Ulmer Wissenschaftler belegen erstaunlichen Trend in Industrieländern in einer der ersten internationalen Übersichtsstudien

Nachdem die Zahl übergewichtiger Kinder in den Industrieländern seit den 80er Jahren massiv zunahm, zeigt sich eine Verlangsamung oder sogar ein Rückgang. Diese überraschende Entwicklung belegten jetzt Ulmer Wissenschaftler um Prof. Dr. Martin Wabitsch, Leiter der Sektion Pädiatrische Endokrinologie an der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, in einer der ersten internationalen Übersichtsstudien.

Sie erschien jetzt im renommierten Fachjournal BioMed Central Medicine. Einen wichtigen Grund dafür sehen die Wissenschaftler darin, dass Aufklärung und bessere Ernährungs- und Bewegungsangebote tatsächlich wirken. Entwarnung können die Forscher aber nicht geben, denn Kinder sind heute im Vergleich zu den 80er Jahren immer noch rund dreimal so häufig übergewichtig.

Das Team von Professor Wabitsch am Universitätsklinikum Ulm begab sich in die Vogelperspektive und wertete Einzelstudien aus verschiedenen Industrieländern aus. „Die Deutlichkeit des Trends für Deutschland und viele vergleichbare Länder wie die Schweiz, Frankreich, die USA oder Australien hat uns selbst erstaunt“, sagt Professor Wabitsch.

Für Deutschland analysiert er mit seiner Kollegin Dr. Anja Moss seit Jahren die Daten aus Schuleingangsuntersuchungen mit jährlich mehr als einer halben Million Kinder und wurde so auf die erstaunliche Trendwende aufmerksam, die seit dem Jahr 2000 immer deutlicher wird. „Die positive Entwicklung ist dabei international bei Mädchen ausgeprägter als bei Jungen, im Vorschulalter deutlicher als bei Schulkindern“, erläutert Dr. Moss. An der Studie hat auch maßgeblich das Team um PD Dr. Katrin Kromeyer-Hauschild vom Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum Jena mitgearbeitet.

Doch woher kommt die Trendwende? „Erste Studienergebnisse legen nahe, dass Aufklärung, bessere Ernährungs- und Bewegungsangebote tatsächlich wirken. Das ist für alle, die sich für gesünderes Essen in KiTas und Schulen, für mehr Sportunterricht, Grünflächen und Radwege einsetzen, eine gute Nachricht – denn ihr Einsatz lohnt sich“, betont Professor Wabitsch. Dr. Moss ergänzt: „Tatsächlich gehen der Konsum zuckerhaltiger Getränke und die Fernsehnutzung in vielen Industrieländern offensichtlich leicht zurück, der Verzehr von Obst und Gemüse sowie die Dauer aktiver Freizeitgestaltung steigen dagegen.“

Entwarnung kann Professor Wabitsch vom Universitätsklinikum Ulm aber nicht geben: „Die dauernde weitere Gewichtszunahme unserer Kinder scheint gestoppt, aber wir haben ein bereits ein erschreckendes Niveau erreicht: Unsere Kinder haben heute doppelt so viel Fettmasse wie den 80er Jahren. Und unsere Übersichtsstudie zeigt, dass der positive Trend geringerer Gewichtszunahmen nur für Kinder mit vergleichsweise geringem Übergewicht gilt, die Zahl der Kinder mit extremem Übergewicht steigt hingegen weiter.“

Die Botschaft der Ergebnisse ist für Professor Wabitsch daher klar: „Wir müssen unsere Bemühungen verstärken, damit die offensichtlich möglichen positiven Effekte von besserer Ernährung und mehr Bewegung eines Tages zu einem wirklichen Rückgang von Übergewicht führen.“ Dazu gehört für Professor Wabitsch auch Mut: „Wer Kinder vor den großen Dickmachern wie zuckerhaltigen Getränken und Fertigprodukten samt der dazugehörigen Werbung bewahren will, muss nicht nur an die Eigenverantwortung appellieren, sondern auch entsprechende Regelungen zum Kinderschutz treffen. Ein Geländer an der Treppe hilft ja auch mehr als ein Warnschild.“

Die Übersichtsstudie erschien als Kommentar in der Reihe „Evolutionary Medicine“ von BioMed Central Medicine und ist abrufbar unter: http://www.biomedcentral.com/1741-7015/12/17 . DOI:10.1186/1741-7015-12-17

Das beigefügte Foto zeigt: Prof. Dr. Martin Wabitsch, Dr. Anja Moss (Fotos: Universitätsklinikum Ulm), PD Dr. Katrin Kromeyer-Hauschild (Foto: privat). Sie finden die einzelnen Fotos in höherer Auflösung auch unter http://www.uniklinik-ulm.de/presse.

Gerne vermitteln wir Ihnen ein Gespräch.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Schultze

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (SII)
Universitätsklinikum Ulm
Albert-Einstein-Allee 29
D- 89081 Ulm

Tel.: +49 - (0) 731 - 500.43.025
Fax.:+49 - (0) 731 - 500.43.026
Mail: petra.schultze@uniklinik-ulm.de
Internet: http://www.uniklinik-ulm.de

Weitere Informationen:

http://www.uniklinik-ulm.de/kinderheilkunde - Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin
http://www.biomedcentral.com/1741-7015/12/17 - Fachartikel Biomed Central Medicine

Petra Schultze | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise