Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zu Arbeitsverhältnissen im Dienstleistungssektor - Viele Jobs, wenig Geld

10.10.2011
Drei von vier Beschäftigten in Deutschland arbeiten heute in Dienstleistungsunternehmen.

Ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung ist in den vergangenen 20 Jahren um 14 Prozent gestiegen, in der Industrie sind entsprechend weniger unter Vertrag. In diesem Strukturwandel haben sich aber die Bedingungen dramatisch verschlechtert.

„In manchen Dienstleistungsbranchen ist prekäre Arbeit zum Normalfall geworden“, kritisieren Prof. Dr. Gerhard Bosch und Dr. Claudia Weinkopf vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE). Ihre Analyse ist in den aktuellen WSI-Mitteilungen der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht.

Den Forschern zufolge ist bundesweit die Gesamtbeschäftigung gestiegen.
Ein Großteil entfällt aber auf Teilzeit- oder befristete Stellen, Leiharbeit und Minijobs. Solche atypischen Arbeitsverhältnisse betrafen

2009 jeden Vierten, 1996 war es erst ein knappes Fünftel aller Jobs.

Die Steigerung geht nach IAQ-Berechnungen zu über 90 Prozent auf den Dienstleistungssektor zurück. Häufig werden diese Jobs zudem schlecht

bezahlt: Im Verarbeitenden Gewerbe arbeitet jeder zweite atypisch Beschäftigte für Niedriglohn, im Gastgewerbe sind es dagegen sogar 76 Prozent, im Handel 60 Prozent.

Allerdings muss Dienstleistungsarbeit nicht automatisch mit schlechteren Arbeitsbedingungen verbunden sein, meinen die IAQ-Wissenschaftler. Der große Lohnabstand zwischen Industrie- und Servicebeschäftigten scheine ein ausschließlich deutsches Phänomen: Bei den durchschnittlichen Arbeitskosten beträgt der Unterschied 6,60 Euro, während es z.B. in Frankreich nur 60 Cent sind. Zudem sind Beschäftigte des Dienstleistungssektors in vielen anderen Ländern sozial besser abgesichert.

Um die Armutsrisiken von Arbeitnehmern zu verringern, empfiehlt das IAQ, Regulierungsdefizite aufzuarbeiten: Anders als in den meisten EU-Mitgliedsländern fehle ein gesetzlicher Mindestlohn ebenso wie allgemeinverbindlich erklärte Tarifverträge. Zudem müssten wirksame Equal-pay-Regelungen für Leiharbeiter geschaffen werden. Die weit verbreiteten Minijobs – die es in dieser Form nur in Deutschland gibt – stehen sicheren Arbeitsverhältnissen entgegen und sollten abgeschafft werden. Ein Problem sind auch die unterfinanzierten öffentlichen Haushalte und Sozialversicherungen, wodurch die Mittel für Gesundheits- und Bildungsdienstleistungen oft nicht ausreichen.

Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/wsi_37658_37670.htm
Prof. Dr. Gerhard Bosch, Tel. 0203-379-1827, gerhard.bosch@uni-due.de; Dr. Claudia Weinkopf, Tel. 0203-379-1353, claudia.weinkopf@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170-8761608, presse-iaq@uni-due.de

Ulrike Bohnsack | Universitaet Duisburg-Essen
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive