Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Startbahn für Fortschritt in den Alpen

30.08.2012
Muss die Straße nur breit genug sein, damit der Fortschritt in einer Region ankommt? Die gängigen Annahmen der Politik über Erreichbarkeit und Raumentwicklung hat Dr. Frieder Voll für den Alpenraum untersucht.
Für seine Studie ist der Forscher vom Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg (FAU) mit dem Dissertationspreis 2012 der Interakademischen Kommission Alpenforschung (ICAS) ausgezeichnet worden.

„Mit der Regionalentwicklung wird in allen Ländern Politik gemacht“, berichtet Frieder Voll. Die Gleichung lautet oft schlicht: mehr Straße gleich wirtschaftlicher Aufschwung. So einfach sind die Zusammenhänge allerdings nicht, das weist Voll in seiner Dissertation nach. Er unterscheidet zwischen regionaler Versorgungsqualität – sprich: dem Zugang zu Krankenhäusern, Behörden und Nahversorgung – und Lagegunst. Hierbei geht die Studie davon aus, dass die Nähe zu Großstädten und Metropolen mit der Ansiedlung von Unternehmen und einem größeren Angebot an Arbeitsplätzen einhergeht.
Auf Basis von Daten der Eurac, der Europäischen Akademie in Bozen, hat Frieder Voll Karten erstellt und die Erreichbarkeit des Alpenraums mit der Bevölkerungsdichte in einen Zusammenhang gesetzt. Die Erreichbarkeit bezieht sich auf den motorisierten Individualverkehr, gemessen in Zeit – denn allein die Strecke sagt in den schmalen Tälern und gewundenen Passstraßen der Alpen wenig aus. Zudem hat er die politische Diskussion um den Ausbau des Straßennetzes und die Erreichbarkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz herausgearbeitet. Das Ergebnis: Allein aus der Erreichbarkeit kann nicht auf eine positive Entwicklung einer Region geschlossen werden. Auch andere Faktoren spielen eine Rolle.

Der Tourismus etwa kann von schlechter Erreichbarkeit profitieren. Attraktive Ferienregionen zählen in der Nähe großer Zentren vor allem Tagesgäste und die Seilbahnen sind ausgelastet. Doch die Gastronomie leidet und die Betten der Hotels bleiben leer. Schlechte Erreichbarkeit dagegen hält Touristen länger am Ort, sie kann auch – St. Moritz lässt grüßen – zum Zeichen von Exklusivität werden. Gute Erreichbarkeit kann für wirtschaftlichen Aufschwung sorgen, sie kann die eigenständige Entwicklung einer Region aber auch bremsen. Wenn die Straßen schnell sind, wächst um Städte und Metropolen ein Speckgürtel – Gemeinden, die außer Wohnraum wenig bieten.

Der Forscher benennt das Problem: Die Bedeutung von Erreichbarkeit wird auf politischer Ebene falsch eingeschätzt. Was dazu führen kann, dass Regionen abgekoppelt werden – etwa weil die nächste Stadt so nahe ist, dass man die Versorgung im ländlichen Raum zurückfährt. Oder dass erst Einwohnerzahlen ab 20.000 oder 30.000 als Potenziale begriffen und entwickelt werden. „In Österreich steht der Versorgungsaspekt im Vordergrund, in der Schweiz wird gerade diskutiert, ob man sich stärker auf die Städte konzentrieren soll“, berichtet Dr. Frieder Voll. Er rät: Die Politik in den Alpenländern sollte vorsichtiger mit der Erreichbarkeit argumentieren und alle Aspekte einbeziehen. Und die Regionen müssen sich überlegen, in welche Richtung sie sich entwickeln wollen. Denn breite Straßen schaffen Strukturen. Diese sind auf Mobilität ausgelegt – und wenn das Benzin dann teurer wird…

Kontakt für die Medien:
Pressestelle der FAU
Tel.: 09131/85-70210
presse@zuv.uni-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung