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Schlaganfallvorbeugung bei Vorhofflimmern

11.02.2011
Studie zeigt: Aspirin spielt in Zukunft keine Rolle mehr

Der Direktor der Essener Uni-Klinik für Neurologie Prof. Hans Christoph Diener veröffentlichte jetzt als Mitautor online eine Studie im New England Journal of Medicine - der bedeutendsten medizinischen Fachzeitschrift. Die Ergebnisse stellen einen Durchbruch in der modernen Schlaganfallprävention dar.

In dieser AVERROES-Studie wurden 5.599 Patienten mit Vorhofflimmern eingeschlossen, die entweder Marcumar nicht einnehmen wollten oder bei denen nach Ansicht des behandelnden Arztes Gegenanzeigen gegen Marcumar bestanden. Diese Patienten wurden zur einen Hälfte mit dem neuen Gerinnungshemmer Apixaban 5 mg zweimal täglich oder mit Aspirin in Tagesdosen zwischen 81 und 344 mg am Tag behandelt. Das Studienziel lag darin, Schlaganfälle zu verhindern. „Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, da sich eine hoch signifikante Verminderung von Schlaganfällen in der Patientengruppe ergab, die mit Apixaban behandelt wurde“, berichtet Prof. Diener. Die relative Risikominderung betrug 55 Prozent, die Zahl von Blutungskomplikationen war für beide Behandlungen gleich.

Prof. Hans Christoph Diener von der Neurologischen Universitätsklinik in Essen war an der Studie maßgeblich beteiligt. Er leitete das Adjudizierungskomitee. Adjudizierung bedeutet, dass in einer verblindeten Studie, in der Ärzte und Patienten nicht wissen, welches der beiden Medikamente sie einnehmen, Ereignisse wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Todesfälle von einem unabhängigen Komitee aus Experten begutachtet werden und endgültige Diagnosen gestellt werden. Die Studie wurde jetzt auch auf der Pressekonferenz der American Heart Association von Prof. Diener vorgestellt.

Zum Hintergrund:
Vorhofflimmern ist eine bei älteren Menschen häufig vorkommende Herzrhythmusstörung, bei der das Herz unregelmäßig schlägt. Neben der Tatsache, dass dies subjektiv sehr unangenehm ist, kann es durch den unregelmäßigen Herzschlag zur Bildung von Blutgerinnseln im Herz kommen, die abreißen und ins Gehirn gelangen und dort Blutgefäße verstopfen können. Daraus resultiert dann ein Schlaganfall. Menschen mit Vorhofflimmern haben ein fünffach höheres Schlaganfallrisiko als Menschen ohne. Vor mehr als 50 Jahren wurde entdeckt, dass eine weitgehende Ausschaltung des Gerinnungssystems durch so genannte. Vitamin K-Antagonisten - in Deutschland vorwiegend Marcumar - das Schlaganfallrisiko bei Patienten mit Vorhofflimmern um etwa 70 bis 80 Prozent senken kann. Allerdings lehnen fast die Hälfte aller Patienten, denen eine orale Antikoagulation mit Vitamin K-Antagonisten empfohlen wird, diese ab oder es bestehen Gegenanzeigen wie beispielsweise Schwierigkeiten, regelmäßige Kontrollen der Blutgerinnung durchzuführen.

In den letzten Jahren wurde eine ganze Reihe von neuen Substanzen entwickelt, welche ebenfalls zu einer Hemmung der Blutgerinnung führen aber die meisten Nachteile, die Vitamin K-Antagonisten haben, nicht aufweisen. Diese Substanzen können in einer festen Dosis unabhängig von Größe, Gewicht, Alter und Geschlecht gegeben werden und führen zu einer zuverlässigen Hemmung der Blutgerinnung, ohne dass Gerinnungskontrollen im Labor notwendig sind. Eine solche Substanz ist Apixaban.

Apixaban in patients with atrial fibrillation unsuitable for Vitamin K antagonist
Stuart J. Connolly (1), John Eikelboom (1), Campbell Joyner (2), Hans-Christoph Diener (3), Robert Hart (4), Sergey Golitsyn (5), Greg Flaker (6), Alvaro Avezum (7), Stefan Hohnloser (8), Raphael Diaz (9), Mario Talajic (10), Zhu Jun (11), Prem Pias (12), Andrzej Budaj (13), Alexander Parkhomenko (14), Petr Jansky (15), Patrick Commerford (16), RS Tan (17), Kui-Hian Sim (18) Basil Lewis (19), Walter Van Meighem (20) Gregory YH Lip (21) Jae Hyung Kim (22), Fernando Lanas-Zanetti (23), Antonio Gonzalez-Hermosillo (24), Martin O’Donnell (25), John Lawrence (26), Gayle Lewis (1), Rizwan Afzal (1), Salim Yusuf (1), on behalf of the AVERROES Steering Committee and Investigators

1. McMaster University, Hamilton, ON 2. University of Toronto, Toronto ON 3. University Duisburg-Essen, Essen, DEU 4. University of Texas, San Antonio, TX 5. Russian Cardiology Research and Production Center, Moscow, RU 6. University of Missouri, Columbia, MO 7. Instituto Dante Pazzanese de Cardiologia, Sao Paulo, BRA 8. Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt, DEU 9. ECLA, Rosario, Santa Fe, AR 10. Montreal Heart Institute, Montreal, QC 11. FuWai Hospital, CAMS & PUMC, Beijing, CHN 12. St. John's Research Institute, Bangalore, IND 13. Grochowski Hospital, Warsaw, POL 14. Institute Of Cardiology, Kyiv, UA 15. Mainmed, S.R.O., Prague 5, CZE 16. The Cardiac Clinic, Cape Town, ZA 17. National Heart Center, Singapore, SGP 18. Clinical Research Centre, Sarawak, MYS 19. Lady Davis Carmel Medical Centre, Haifa, ISR 20. Ziekenhuis Oost-Limburg Campus St.-Jan, Genk, BEL 21. City Hospital, Birmingham, UK 22. St. Paul's Hospital, Catholic University of Korea, Seoul, KOR 23. Universidad de La Frontera, Temuco, CHL 24. Instituto N de Cardiologia Ignacio Chavez, Mexico, MX 25. HRB Clinical Research Facility, Ireland, UK 26. Bristol-Myers Squibb, Princeton, NJ

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener
Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstr. 55
45147 Essen
Tel/Phone +49 201 723 2460
Mobile phone +49 171 73 888 00 (ab Montag)
Fax +49 201 723 5901
E-mail: hans.diener@uni-duisburg-essen.de(ab sofort)

Kristina Gronwald | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duisburg-essen.de

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