Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rebellenkriege sind vorhersehbar

18.12.2009
US-Forscher: Konflikte als universelles Gesetz

Willkürliche Attacken aus dem Hinterhalt und mysteriöse Angreifer sind die Markenzeichen von Rebellenkriegen wie sie derzeit in Afghanistan oder im Irak ausgefochten werden.

Viele Sozialforscher und auch Militärexperten sind der Meinung, dass diese Kriege ebenso wie konventionelle Bürgerkriege, nicht vorhersehbar sind ohne lokale Faktoren wie Geographie und Politik zu berücksichtigen. Nun haben Forscher ein mathematisches Modell entwickelt, das diesen Rebellenkriegen gemeinsame Muster zugrunde liegen, die Angriffe und sogar die Opferzahlen vorhersehbar machen.

"Wir haben entdeckt, dass die Art und Weise, wie Menschen diese Rebellenkriege führen - inklusive dem Zeitpunkt der Attacken und der Opferzahlen - universell ist", so Studienleiter Neil Johnson von der University of Miami http://www.miami.edu in Florida. "Das verändert die Denkweise wie wir glauben, dass Aufstände zustande kommen", schreibt der Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature. Das Hauptargument für ihre Annahmen finden die Forscher in der fehlenden Kohärenz einer Kommandozentrale.

Mediale Aufmerksamkeit als Auslöser

Da es an einer gemeinsamen zielgerichteten Kriegsführung mangelt und die Angreifer in verschiedenen Gruppen operieren, die sich zu Zellen zusammenschließen und bei Gefahr wieder lösen, sind gewisse Grundmuster erkennbar. Das Timing der Attacken hänge mit der Konkurrenz der Rebellengruppen um mediale Aufmerksamkeit zusammen.

Johnson, der einen Teil seiner Forschungsarbeit vorab dem US-Militär überlassen hat, glaubt damit, einen guten Einblick ins Herz des Rebellenverhaltens zu bekommen. "Wir bekommen einen Sinn dafür, was abgeht und vor allem, was passieren könnte, wenn wir in bestimmter Art intervenieren." Derzeit arbeitet der Forscher daran, vorherzusagen, wie die Rebellen in Afghanistan auf die Präsenz von ausländischen Truppen reagieren werden.

54.000 Angriffe in neun Kriegen analysiert

Insgesamt hat das Team 54.000 Angriffe in neun Rebellenkriegen unter die Lupe genommen. Darunter auch jenen im Irak zwischen 2003 und 2008 und in Sierra Leone zwischen 1994 und 2003. Das Team kommt zum Schluss, dass ein Rebellenkrieg einem ungefähren Kraftgesetz entspricht, in dem die Frequenz der Attacken mit zunehmender Attackengröße abnimmt. Das bedeutet, dass bei jedem der Rebellenkriege ein Angriff mit zehn Opfern um 316 mal wahrscheinlicher ist als einer mit 100 Opfern. Das Ergebnis bezeichnet Johnson als überraschend, da diese Kriege in verschiedenen Regionen unter verschiedenen Umständen stattgefunden haben.

Nicht bei allen Forscherkollegen stößt die Analyse auf Begeisterung. "Die Untersuchung hat zwar das Potenzial, das Wissen über Kriegsführung zu verbessern, allerdings gehen die Autoren zu weit, daraus ein universelles Gesetz zu machen", meint Lars-Erik Cederman Forscher am Internationalen Konfliktforschungsinstitut der ETH Zürich http://www.icr.ethz.ch gegenüber pressetext.

Cederman zeigt sich auch skeptisch hinsichtlich der nicht näher spezifizierten Datensätze, die in dieser Studie verwendet wurde. "Eine Vorhersehbarkeit im Sinne einer Risikoabschätzung scheint durchaus möglich. Allerdings ist diese aufgrund der Komplexität sehr schwierig."

Cederman ist Teil einer Forschergruppe, die Rebellenkriege ähnlich wie normale Kriege beurteilen. "Natürlich können Terroranschläge ein Wettstreit um mediale Aufmerksamkeit sein. Es bleibt aber unklar, ob Rebellenkriege das gleiche Motiv haben", so der Experte.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.miami.edu

Weitere Berichte zu: Attacke Kriege Kriegsführung Opferzahlen Rebellenkrieg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik