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Neuseeland: Spielplätze ohne Gesetz rauchfrei

29.09.2009
Selbst zwei von drei Rauchern unterstützen freiwilligen Rauchverzicht

Rauchverzicht in der Umgebung von Kindern kann auch durch freiwillige Maßnahmen erreicht werden. Zu diesem Schluss kommen Forscher der University of Otago in der Online-Zeitschrift "New Zealand Medical Journal".

Sie werteten die Praxis zahlreicher neuseeländischer Ortschaften aus, Zigaretten von Spielplätzen und Parks zu verbannen, ohne dass es dazu bisher Gesetze gibt. Starteten diese Maßnahmen erstmals im Jahr 2005, so hat diese heute jeder vierte Bezirk des Inselstaates erfolgreich umgesetzt, wodurch bereits eine Mio. Neuseeländer einen rauchfreien Spielplatz oder Park in der Wohnumgebung haben. "Der freiwillige Weg ist nicht nur weitaus billiger als gesetzliche Regelungen, sondern kann auch tatsächlich einen Rückgang des Rauchens bewirken. Zählungen von Zigarettenstummeln in Parks zeigten innerhalb eines Jahres einen Rückgang von 60 Prozent", berichtet Studienleiter George Thomson im pressetext-Interview.

Bei den Bemühungen, Rauchen auf Spielplätzen und in Parks zu reduzieren, geht es nicht in erster Linie um die Eindämmung von Passivrauch. "Das wichtigste Ziel ist ein pädagogisches. Verzichtet man in der Umgebung von Kindern auf die Zigarette, verhindert man dadurch, dass das Rauchen als normales und nachahmenswertes Verhalten dargestellt wird, wodurch der spätere Schritt zum eigenen Rauchen erleichtert würde", berichtet Thomson. Weitere Absichten seien die Bewahrung der Sauberkeit in den Parks, der bessere Schutz vor Bränden oder weniger Belästigung von Menschen durch Rauch. Die breite Vermittlung dieser Ziele sei eine der wichtigsten Schritte in der Umsetzung solcher freiwilligen Regelungen.

Freiwilliger Rauchverzicht geht in vieler Hinsicht andere Wege als gesetzlicher, so die Analyse des Experten. Nicht der Staat, sondern Gemeinden, lokale Gesundheitseinrichtungen und Vereine seien die Motoren dieser Entwicklung. Die Umsetzung erfolge meist viel langsamer als per Gesetz, da Freiwilligkeit auf breiter Basis erst durch öffentliche Wahrnehmung entstehen könne. Das erfordere weit mehr Kommunikation mit rauchenden und nicht-rauchenden Teilen der Gesellschaft, etwa durch Medien und Hinweistafeln. "Allerdings ist zu erwarten, dass Raucher auf einem Spielplatz ganz anders gegenüber einer empörten Mutter reagieren als gegenüber einem kontrollierenden Beamten, der nur seinen Job erledigt", so Thomson.

Die bisherigen Erhebungen zeigen, dass die Bevölkerung den freiwilligen Raucherverzicht in Zonen, in denen sich Kinder aufhalten, grundsätzlich unterstützt und auch einhält. Selbst zwei von drei Rauchern sprach sich für rauchfreie Spielplätze aus. Ganz reibungslos ging es aber auch in Neuseeland nicht vor sich, berichtet Thomson. "Auch bei uns gibt es Verfechter der 'Rechte für Raucher' und der absoluten Willensfreiheit, die sich vehement gegen Regelungen des Rauchverzichts im Freien wehren, auch wenn diese freiwillig sein sollten. Sie bezeichnen diese als 'drakonisch' und aus einer 'Big Brother'-Mentalität entstammend, oder sie fühlen sich als Raucher marginalisiert." Dabei würden sie allerdings die Raucherrechte über die Rechte der Kinder setzen, gibt der Forscher zu bedenken.

Die Entwicklungen lassen Thomson optimistisch in die Zukunft blicken. "Es scheint so, als ob die rauchfreien Zonen im Freien in Neuseeland größere Ausmaße annehmen. Ähnliche Maßnahmen könnten schon bald bei Geschäftseingängen, außerhalb von Cafes, an manchen Stränden und in gesamten Einkaufsstraßen umgesetzt werden." Sei dadurch eines Tages genügend Aufmerksamkeit und Unterstützung für den Rauchverzicht erreicht, könnten rauchfreie Zonen im Freien vielleicht später einmal auch per Gesetz verankert werden.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.otago.ac.nz

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