Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachts macht Essen dicker

04.09.2009
Fettnahrung zur Schlafenszeit lässt Mäusegewicht explodieren

Wer zur Schlafenszeit regelmäßig den Kühlschrank plündert, ist weit eher gefährdet, zu viel Körperspeck anzulegen. Das schließen Neurobiologen der Northwestern University aus ihrer Untersuchung, die in der Zeitschrift Obesity veröffentlicht wurde. "Gewichtszunahme ist ein komplizierter Prozess, bei dem es um viel mehr als bloß um Zufuhr und Verbrennung von Kalorien geht", so Studienautor Fred Turek.

Manche der beteiligten Faktoren seien von unserer inneren Uhr gesteuert. "Um eine übermäßige Gewichtszunahme in Griff zu bekommen, dürfte die Suche nach dem geeigneten Zeitpunkt für die Mahlzeiten eine entscheidende Rolle spielen. Das erfordert somit eine Verhaltensänderung", so der US-Forscher.

In einem Experiment fütterten die Wissenschaftler eine Gruppe von Mäusen nur während des Tages - was für die Tierchen üblicherweise Schlafenszeit ist - mit besonders fettreicher Nahrung. Eine Kontrollgruppe bekam ihre Fressen während der natürlichen Wachstunden in der Nacht. Die untertags verköstigte Gruppe nahm innerhalb von sechs Wochen um 48 Prozent an Körpergewicht zu, während bei der Vergleichsgruppe die Fettkur bloß zu einem Anstieg um 20 Prozent führte. Was die Kalorienzufuhr oder die Aktivität der Mäuse betrifft, gab es statistisch keine Unterschiede. Da der Mensch im Unterschied zur Maus ein tagaktives Wesen ist, würde bei uns der ungünstigste Zeitpunkt für Nahrungsaufnahme zu Mitternacht liegen, schlussfolgern die Forscher.

Der falsche Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme könnte somit in manchen Fällen eine Erklärung für Übergewicht bieten. "Besonders Schichtarbeiter sind häufig übergewichtig. Ihre Arbeitszeiten zwingen sie, ihre Mahlzeiten zu Zeitpunkten einzunehmen, die im Konflikt mit ihren natürlichen Körperrhythmen stehen. Diese Beobachtung war für uns der Anlass, diesen Zusammenhang von Essenszeit und Gewichtszunahme näher anzusehen", berichtet Deanna M. Arble, die die Untersuchung geleitet hat. Übergewicht und Fettleibigkeit gerät zusehends ins Visier der Forscher, sind doch mittlerweile bereits mehr als 300 Mio. Menschen von Fettsucht betroffen, unter ihnen jeder dritte US-Amerikaner. Prognosen halten es sogar für möglich, dass im Jahr 2048 jeder erwachsene US-Bürger fettleibig sein wird.

Von einer vorschnellen Übertragung der Ergebnisse von Maus auf Mensch warnt hingegen Kurt Kräuchi, Chronobiologe an der universitären psychiatrischen Klinik Basel http://www.chronobiology.ch . "Menschen schlafen sehr unterschiedlich und haben auch dementsprechend andere Essensrhythmen. In Spanien ist beispielsweise ein ausgiebiges Abendessen gegen 23 Uhr die Regel, ohne dass die Bevölkerung dadurch automatisch übergewichtig wäre", so Kräuchi gegenüber pressetext. Das häufige Übergewicht bei Schichtarbeitern dürfe zudem nicht auf einen Faktor reduziert werden. "Schichtarbeiter leben viel häufiger in schwierigen Umständen, die sie kaum Sport betreiben und eher zu fetthältiger Nahrung greifen lassen."

Abstract der Studie unter http://www.nature.com/oby/journal/vaop/ncurrent/abs/oby2009264a.html

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.northwestern.edu
http://www.nature.com/oby/journal/vaop/ncurrent/abs/oby2009264a.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie