Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Körperscanner wird gescannt

23.09.2011
Auch wenn der Testlauf am Hamburger Flughafen nicht erfolgreich war: Flugpassagiere sollen künftig durchleuchtet werden: Wissenschaftler der Universität Tübingen erforschen nun die ethischen Dimensionen von Körperscannern an einem eigenen Gerät.

Bei den Tests am Hamburger Flughafen haben Körperscanner schlecht abgeschnitten. Die Politik fordert Nachbesserungen, hält aber am Einsatz der Technik fest. Das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) an der Universität Tübingen hat nun ein eigenes Gerät erworben.

Im Forschungsprojekt „KRETA“ geht es aber nicht darum, die Funktion des Geräts zu verbessern, das momentan noch Probleme mit Schweißflecken und Bügelfalten hat – die Wissenschaftler erforschen vielmehr die ethischen Dimensionen des Einsatzes von Körperscannern.

Seit Anfang 2011 wird am IZEW das Projekt „Körperscanner: Reflexionen der Ethik auf Technik und Anwendungskontexte“ (KRETA) durchgeführt. Das wissenschaftliche Team um Projektleiterin Professor Regina Ammicht Quinn untersucht dabei, welche ethischen Fragen und Probleme mit der Herstellung von Sicherheit durch den Einsatz von Körperscannern an Flughäfen (und anderen Orten) verbunden sind.

Für das im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt wurde nun ein Gerät der Firma Smiths Heimann (Wiesbaden) erworben. Ohne von politischen Konstellationen und Verfügbarkeiten abhängig zu sein, können die Tübinger Wissenschaftler damit Forschung betreiben, die Aufschlüsse über die psychische und psychosoziale Wirkung, die Arbeitsweise sowie die ethischen Dimensionen von Körperscannern gibt.

Die Ethiker untersuchen, inwieweit der Einsatz der Geräte an den Sicherheitskontrollen, beispielsweise am Flughafen, bestimmte Personengruppen systematisch benachteiligt und diskriminiert. Dabei werden besonders Menschen mit abweichenden Körperstrukturen berücksichtigt, z. B. Transsexuelle, aber auch Menschen mit verdeckten Behinderungen. Denn von der Kleidung verdeckte Gegenstände, die der Körperscanner anzeigt, müssen nicht Sprengstoffe oder Waffen sein; bei den „potentiell gefährdenden Gegenständen“ kann es sich auch um Brustprothesen, Inkontinenzeinlagen oder Urinbeutel handeln.

Neben Menschen mit abweichenden Körperstrukturen sind auch Menschen mit Bewegungseinschränkungen betroffen, die die Scanposition nicht oder nur schwer einnehmen können, oder Menschen, denen es religiöse Gebote nicht erlauben, sich einem Scan durch einen Körperscanner zu unterziehen. „Bei der Einführung von Sicherheitstechnologien sollte die übliche Abwägung von Freiheit und Sicherheit durch das Kriterium der Gerechtigkeit ergänzt werden“, fordert Regina Ammicht Quinn. Nicht nur Einschränkungen von Freiheit oder Privatheit sollten untersucht werden, so die Tübinger Ethikerin, sondern genauso die mögliche ungerechte oder diskriminierende Wirkung von Sicherheitstechnologien.

Die empirischen Studien über mögliche psychische und psychosoziale Wirkungen des Scanners werden vom Team um Dr. Larissa Wolkenstein vom Fachbereich Psychologie der Universität Tübingen durchgeführt. Die Psychologen und Ethiker erwarten sich durch die Studien Erkenntnisse hinsichtlich der Wirkung von Körperscannern auf Körperschemata und das Befinden sowie auf Einstellungen. Das Gerät wird auch interessierten Kolleginnen und Kollegen aus den Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften für Forschungs- und Kooperationsprojekte zur Verfügung stehen. „Jegliche Form empirischer und ethischer Forschung zum Einsatz solcher Geräte ist hierbei willkommen.“ Auch Besucher sollen die Möglichkeit bekommen, das Gerät zu besichtigen, etwa bei einem „Tag der offenen Tür“.

Kontakt:

Heidi Schäfer
Universität Tübingen
Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)
Wilhelmstr. 19 • 72070 Tübingen
Tel. +49 7071 29-77987
Fax: +49 7071 29-5255
h.schaefer[at]izew.uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Berichte zu: Ethik Ethiker IZEW Körperscanner Körperstrukturen Sicherheitstechnologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung