Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleinkinder leben in der Gegenwart

25.03.2009
Andere Denkstrukturen verhindern vorausschauendes Verhalten

Dreijährige können kaum für die Zukunft planen und rufen Vergangenes erst dann im Gedächtnis ab, wenn das nötig wird. Zu diesem Schluss kommt ein Experiment von Psychologen der University of Colorado, das im Journal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde.

Die Forscher glauben darin eine Erklärung dafür entdeckt zu haben, dass Kinder bis zu einem bestimmten Alter kaum auf wiederholte Aufforderungen reagieren. "Gehörtes geht bei Kindern nicht bei einem Ohr hinein und beim anderen heraus, wie oft angenommen wird", sagt Studienleiterin Yuko Munakata. Anstatt jedoch wie Erwachsene Informationen gleich umzusetzen, speichern Kinder diese für später.

Aufschluss darüber brachte ein Experiment, bei dem drei- und achtjährige Kinder vor ein Computerspiel gesetzt wurden. Eine Animation machte sie mit zwei Zeichentrickfiguren und deren Vorlieben für bestimmte Objekte bekannt. Jedesmal wenn auf die Darstellung einer Figur eines der Objekte folgte, war ein bestimmter Knopf zu betätigen.

Die Forscher beobachteten durch Pupillenreaktion die Bedenkzeit und verglichen sie mit der Schnelligkeit der Antworten sowie mit ihrer Richtigkeit. Für die Älteren war die Aufgabe ein Kinderspiel, da sie die Folgeobjekte bereits vor ihrem Aufscheinen vorausdachten. Den Dreijährigen gelang dies jedoch nicht, denn sie benötigten stets einen enormen Denkaufwand, als ob sie sich beim Anblick des Objekts nochmals an die zuvor gezeigte Figur zurückerinnern müssten.

Kinder entwickeln erst im Laufe der ersten Lebensjahre den Umgang mit Zukunft und Vergangenheit. "Kinder leben viel mehr in der Gegenwart als Erwachsene", betont der Psychologe Gerald Kral im pressetext-Interview. Erst die Berücksichtigung weiterer Faktoren werde jedoch der kindlichen Psyche gerecht. Denn auch das logische oder sachorientierte Denken sei bei Dreijährigen noch kaum ausgeprägt.

"Kinder in diesem Alter befinden sich in der Phase des magisch-animistischen Denkens, in der sie Objekte ihrer Umgebung als belebt wahrnehmen." Zudem durchleben Kinder mit drei Jahren die Trotzphase, bei dem das Ausprobieren eine wichtige Rolle für die Bildung des eigenen Willens und der Individualität spiele. "In dieser Phase ist das Verständnis der Eltern besonders wichtig. Das braucht jedoch ein Wissen um die Gründe, warum sich Kinder den Aufforderungen widersetzen", so der Wiener Psychologe.

Die US-Forscher empfehlen Eltern, statt einer ständigen Wiederholung gleicher Aufforderungen reaktive Mechanismen zu fördern, indem man Konsequenzen der Nichtbefolgung veranschaulicht. "Wichtig ist es, den Kindern Hintergründe zu erklären", betont auch Kral. "Doch auch Wiederholungen sind wichtig und vermitteln Sicherheit. Erzählt man Kleinkindern etwa am Freitagnachmittag, welche Besuche am Wochenende anstehen, wollen sie es am Samstag nochmals hören." Verkürzende, logische Denkweisen seien hingegen Merkmal von Erwachsenen, so der Psychologe abschließend zu pressetext.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.colorado.edu
http://www.zentrum-rodaun.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten