Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Journalismus im Internet

21.04.2009
Studie des Instituts für Kommunikationswissenschaft der WWU

"Ergänzung statt Konkurrenz" - auf diese knappe Formel lassen sich die Ergebnisse einer Studie über "Journalismus im Internet" bringen, die am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster durchgeführt wurde.

Wird der Journalismus im Internet überflüssig? Bisher haben die Redaktionen von Presse und Rundfunk alleine darüber entschieden, welche Nachrichten veröffentlicht werden. Durch Weblogs, Twitter und soziale Netzwerke hat nun jeder einen Zugang zur Öffentlichkeit. Wie das offene Medium Internet den Journalismus verändert, ist in dem zweijährigen Forschungsprojekt am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster untersucht worden.

Im Rahmen der Studie wurden 183 Internetredaktionen aus Deutschland befragt. Damit haben sich 44 Prozent aller ermittelten Redaktionen an der Erhebung beteiligt. Zuvor wurden rund 1.200 Internetangebote inhaltsanalytisch ausgewertet.

Die erweiterte Partizipation ist nur ein Merkmal des Internets, das den Journalismus beeinflusst. „Technisierung" lautet ein anderes Stichwort: Google News und andere Suchmaschinen haben die Nachrichtenauswahl automatisiert. Die Ergebnisse der Studie lassen allerdings vermuten, dass weder partizipative noch technische Angebote den beruflich ausgeübten Journalismus verdrängen.

„Ergänzung statt Konkurrenz" - auf diese Formel lassen sich die Ergebnisse der Studie bringen. Im Kernbereich des Internetjournalismus dominieren nach wie vor die Online-Angebote der traditionellen Massenmedien. Nur wenige partizipative Angebote erfüllen journalistische Mindestanforderungen. Weblogs und Nutzerplattformen stellen insgesamt lediglich fünf Prozent der als journalistisch identifizierten Internetangebote. Auch die Zahl der Nachrichtensuchmaschinen, Portale und weiteren Nur-Internetangebote ist hier noch überschaubar.

„Weblogs und Redaktionen beobachten sich gegenseitig, sie übernehmen Themen und kommentieren einander", beschreibt Prof. Dr. Christoph Neuberger, der Leiter des Forschungsprojekts, die Beziehung. So ließ sich nachweisen, dass rund drei Viertel der Internetredaktionen in Weblogs recherchieren, sie suchen vor allem nach Themenideen. 99 Prozent der Redaktionen nutzen die Enzyklopädie Wikipedia, und zwar in erster Linie als Nachschlagewerk (83 Prozent). Ihre Zuverlässigkeit schätzen sie als hoch ein.

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Studie ergab, dass viele Redaktionen mit den Möglichkeiten der Nutzerbeteiligung experimentieren. So gestatten zwei Fünftel der befragten Anbieter ihren Nutzern, redaktionelle Beiträge zu kommentieren. Auch „Web 2.0"-Anwendungen werden in das Angebot integriert: 55 Prozent der Angebote verfügen über Weblogs, Videoblogs oder Podcasts. Differenziert ermittelt wurde, in welchem Maße das technische Potenzial des Internets bei der Gestaltung der Internetangebote ausgeschöpft wird. Erforscht wurde auch, welche Konsequenzen die Nutzerbeteiligung hat.

Die Projektergebnisse zeigen, dass im Internet Marktgrenzen weiter gezogen werden als in den traditionellen Medien. Für Tageszeitungen, Publikumszeitschriften und Rundfunkanbieter stammen die wichtigsten Konkurrenten überwiegend nicht mehr aus dem Ursprungsmarkt. Auch im Internet setzen Qualitätsmedien die Maßstäbe: „Spiegel Online" wird von 61 Prozent der Befragten als Vorbild für die eigene Arbeit angegeben.

Zwar droht der professionelle Journalismus durch die neuen Anbieter im Internet nicht ersetzt zu werden, dennoch hat er ein gravierendes Problem: Werbekunden und Leser wandern ins Internet ab. Journalistische Websites erzielen hohe Reichweiten, aber das Publikum zeigt bisher keine Zahlungsbereitschaft. Vor allem die Tageszeitungen spüren den Wettbewerbsdruck, der vom Internet ausgeht. Der Journalismus, diesen Schluss lassen die Ergebnisse zu, gerät dadurch in ein Dilemma: Einerseits muss er sich im Internet engagieren, andererseits fehlt ihm dort ein Geschäftsmodell.

Das Forschungsprojekt „Journalismus im Internet" (Laufzeit: 2006-2008) wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Die Leitung hatte Christoph Neuberger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Als wissenschaftliche Mitarbeiter waren Christian Nuernbergk und Melanie Rischke an der Studie beteiligt. Das zum Projektabschluss erscheinende Buch „Journalismus im Internet" (VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden) umfasst neben den Ergebnissen des DFG-Projekts auch Gastbeiträge zum Thema, darunter eine auf Internetjournalisten bezogene Sonderauswertung der repräsentativen Befragung „Journalismus in Deutschland II".

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christoph Neuberger
Institut für Kommunikationswissenschaft
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Tel.: 0251/83-23002
E-Mail: neuberger@uni-muenster.de
Christian Nuernbergk M. A.
Forschungsstelle Internetöffentlichkeit
Tel.: 0251/83-21246
E-Mail: nuernbergk@uni-muenster.de

Norbert Frie | Universität Münster
Weitere Informationen:
http://internetjournalismus.uni-muenster.de
http://www.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warum der Brennstoffzelle die Luft wegbleibt

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chlamydien: Wie Bakterien das Ruder übernehmen

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sterngeburt in den Winden supermassereicher Schwarzer Löcher

28.03.2017 | Physik Astronomie