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Forschungsprojekt untersucht hausärztliche Versorgung in Sachsen

22.02.2012
Wissenschaftlerin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden erforscht Rahmenbedingungen und Arbeitsinhalte allgemeinärztlicher Hausbesuche

Die Studie wird im Rahmen der DFG-Nachwuchsakademie Versorgungsforschung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und bereitet ein Projekt zur sachsenweiten Erhebung von Inhalten und Bedingungen von Hausarztbesuchen vor.

Daraus sollen langfristig Strategien resultieren, die dem drohenden Hausärztemangel nachhaltig entgegensteuern.

Aktuelle Daten belegen, dass ein Allgemeinmediziner pro Woche durchschnittlich 25 Hausbesuche absolviert. Es sind vor allem alte und schwerkranke Menschen, die häufig nicht mehr mobil und darum auf den Besuch ihres Arztes oder ihrer Ärztin zu Hause angewiesen sind. Die meisten dieser Patienten sind mindestens 75 Jahre alt und älter. „Doch der Anteil älterer Personen in der Bevölkerung steigt kontinuierlich und damit auch der Bedarf, immer mehr Menschen zu Hause ärztlich zu versorgen“, so Dr. Karen Voigt, Wissenschaftlerin im Bereich Allgemeinmedizin der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Während der Anteil der über 80-Jährigen im Jahr 2010 noch bei 5,2 Prozent lag, wird für das Jahr 2020 ein bundesweiter Anteil von über 7,4 Prozent erwartet, für Sachsen liegt die Prognose sogar bei 9,4 Prozent.

„Für die hausärztliche Versorgung sind diese Zahlen von großer Bedeutung“, so die promovierte Gesundheitswissenschaftlerin und Soziologin, „besonders vor dem Hintergrund ständig steigender Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Krebs, koronare Herzkrankheiten sowie Demenz. Wir stehen vor der Aufgabe, die notwendige hausärztliche Versorgung auch zukünftig zu sichern.“

Um dem drohenden Mangel an Hausärzten mit wirkungsvollen Strategien entgegenwirken zu können, hat das Dresdner Uniklinikum gerade die Zusage für die von der DFG geförderte Studie „Inhalte und Rahmenbedingungen allgemeinärztlicher Hausbesuche. Eine Feasibilitystudie in Vorbereitung auf eine Vollerhebung in Sachsen“ erhalten. Projektstart ist Februar 2012, federführend ist Dr. Karen Voigt, die eine Förderung im Rahmen der DFG-Nachwuchsakademie Versorgungsforschung erhält. „In Modellprojekten wird bereits heute die Übertragung ärztlicher Leistungen auf nichtärztliches Personal - beispielsweise Krankenschwestern - erprobt“, so Voigt. „Mit Ausnahme der Abrechnungsdaten fehlen deutschlandweit zurzeit jedoch Daten über die Versorgungsinhalte der Hausbesuche.“

Diese Daten will die Dresdner Forscherin nun in einer sogenannten Vollerhebung sachsenweit ermitteln. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie viele der Hausarzt-Leistungen tatsächlich nur vom Mediziner erbracht werden dürfen und wie viel nichtärztliches Personal dabei leisten kann. Die Studienergebnisse sollen anschließend als Grundlage für einen Kriterienkatalog zur Übertragung allgemeinärztlicher Hausbesuche auf nichtärztliches Personal dienen. Bei der Befragung, die sich sowohl an Patienten als auch Mediziner richtet, geht es um inhaltliche Aspekte von Hausbesuchen, beispielsweise zu diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sowie um organisatorische Rahmenbedingungen wie den zeitlichen Aufwand von Hausbesuchen.

Damit die Studie möglichst viele Teilnehmer findet und optimale Ergebnisse erzielt, wird Dr. Karen Voigt vorab in einer sogenannten Machbarkeitsstudie die Bedingungen für die anschließende Hauptstudie erforschen. „Die Entwicklung eines solchen Studiendesigns ist für die akademische Allgemeinmedizin – unter Leitung von Prof. Dr. Antje Bergmann – an der TU Dresden von hoher Bedeutung. Denn ein Schwerpunkt dieses auf Versorgungsforschung spezialisierten Bereichs liegt in der Umsetzung sächsischer epidemiologischer Studien in der Allgemeinmedizin (SESAM). In diesen Forschungsschwerpunkt wird sich auch die geplante Hauptstudie zu Inhalten und Rahmenbedingungen von Hausbesuchen einreihen“, so Dr. Karen Voigt. Der Bereich Versorgungsforschung gehört zu den Profilschwerpunkten der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Die aktuelle Studie leistet einen wichtigen Beitrag zur weiteren Etablierung dieses Forschungsbereiches.

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Dr. rer. medic. Dipl.-Soz. Karen Voigt, MPH
Tel.: +49 0351 458 2203
Fax: +49 0351 458 7320
E-Mail: karen.voigt@uniklinikum-dresden.de

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://mk3.uniklinikum-dresden.de/

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