Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entlassungen haben keinen Einfluss auf Erfolg

10.03.2011
Aktuelle Studie an der WWU zum Trainerkarussell in der Bundesliga

In diesen Tagen dreht sich das Trainerkarussell der Fußball-Bundesliga besonders schnell: Drei Spitzenclubs - der Hamburger SV, die Münchner Bayern und der FC Schalke 04 - werden ihre Trainer zum Ende der Saison wechseln.

Aber sind Trainerwechsel tatsächlich hilfreich für die Leistungen der jeweiligen Mannschaft? Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sagen Nein. In einer aktuellen Studie kommen zwei Arbeitsgruppen aus der Sportpsychologie und der Physikalischen Chemie zu dem Schluss, dass Trainerentlassungen keinen Einfluss auf die nachfolgenden Ergebnisse haben.

Die Entscheidung der Bayern, auf eine sofortige Entlassung Louis van Gaals zu verzichten, halten die münsterschen Wissenschaftler für sinnvoll. Denn egal, ob die Bayern das nächste Spiel gewinnen oder verlieren: Bei einem Trainerwechsel wäre es, statistisch gesehen, genauso gekommen.

Der Physiker Prof. Dr. Andreas Heuer hat in den vergangenen Jahren den Ausgang von Meisterschaften im Vereinsfußball und von Weltmeisterschaften mithilfe von Computersimulationen vorausgesagt. Er und Prof. Dr. Bernd Strauß (Sportpsychologie) - die Leiter der interdisziplinären Untersuchung - stellen den Sinn der zahlreichen Trainerentlassungen in der Bundesliga in Frage. Demnach dienen Trainerentlassungen meist nur "der Beruhigung der aufgeregten Öffentlichkeit". Zudem komme es weniger darauf an, welcher Trainer in einem Verein tätig ist, sondern darauf, welche Maßnahmen sie durchsetzen können (zum Beispiel Spielereinkäufe).

Für die Studie analysierten die Wissenschaftler Trainerentlassungen während der Saison in jeder der 46 Spielzeiten seit dem Beginn der Fußballbundesliga 1963 bis zur Saison 2008/09. Besonderes Interesse galt aus statistischen Gründen zunächst jenen 154 Entlassungen (von insgesamt 361), bei denen die Trainer mindestens zehn Spiele vor ihrer Entlassung den Trainerposten übernommen hatten und der neue Coach noch mindestens zehn Spiele für die Mannschaft tätig war. Auch über die Motivation einer Trainerentlassung bringt die Studie neue Erkenntnisse. Oft führen zwei besonders erfolglose Spiele zu einer Entlassung. Typischerweise sind zum Zeitpunkt des Trainerwechsels sechs Punkte weniger auf der Habenseite als erwartet.

Die Arbeitsgruppen untersuchten erstmals auch die Folgen von vorher geplanten Trainerwechseln in der Sommerpause für die Ergebnisse eines Teams. Der Beitrag des neuen Trainers zum Spielerfolg in der folgenden Saison ist dabei recht bescheiden (kleiner als 15 Prozent). Trainerwechsel, ob in oder zwischen den Saisons, folgen eher der Logik des Würfelspiels: Glück oder Pech. Effekte auf die nachfolgenden Ergebnisse des Teams lassen sich nicht nachweisen. Dies lässt sich auch damit erklären, dass die Trainer in der Fußballbundesliga in der Regel eine ähnlich hohe Qualität aufweisen und es unerheblich ist, welcher Trainer einen bestimmten Club trainiert.

Für die beiden Arbeitsgruppen um Andreas Heuer und Bernd Strauß ist die Studie, die demnächst in der renommierten nordamerikanischen Wissenschaftszeitschrift PLoS ONE erscheint, der Startpunkt zu einem gemeinsamen Forschungsprogramm, in dem es um die Physik sozialer Systeme geht.

Pressestelle der Universität Münster
Hanna Dieckmann
Schlossplatz 2, 48149 Münster
hanna.dieckmann@uni-muenster.de
+49 251 83-21414

Hanna Dieckmann | Universität Münster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie