Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dieselabgase: Schon geringe Mengen krebserregend

04.09.2009
Dämpfe verursachen Blutgefäßwachstum bei kranken Mäusen

Forscher der Ohio State University haben in Laborversuchen gezeigt, dass Dieselabgase schon in sehr geringen Mengen krebserregend sind.

Das Wissenschaftsteam um Qinghua Sun hat entdeckt, wie die Dieselabgase die Krebsentstehung fördern. Mäuse, die mehrere Stunden täglich solchen Abgasen ausgesetzt waren, wurden mit Artgenossen verglichen, die gefilterte Luft einatmeten. Bei letzteren, konnten die Forscher die Bildung neuer Blutgefäße feststellen. Diese können bei kranken Tieren Tumore mit Nährstoffen versorgen. Eine Vorerkrankung ist nicht notwendig, um auf die Dieselabgase so empfindlich zu reagieren.

In der Studie wollten die Forscher untersuchen wie Lebewesen auf Abgasmengen reagieren, die in städtischen Bereichen üblich sind. Die Schadstoffmengen lagen bei oder sogar leicht unter den Werten, denen Arbeiter, die mit Dieselmotoren arbeiten oder Abgasen beispielsweise in Tunneln, an Autobahnen oder Verlade-Docks ausgesetzt sind. "Die Hauptbotschaft unserer Studie ist, dass schon nach einer kurzen Zeitspanne von nur zwei Monaten sogar gesundes Gewebe einen Tumor entwickeln kann, wenn es Dieseldämpfen ausgesetzt ist", so Studienleiterin Qinghua Sun.

Die meisten der Dieselpartikel haben einen Durchmesser von nur 0,1 Mikrometer. Diese geringe Größe ermöglicht es den Schadstoffen, überall in den menschlichen Kreislauf einzudringen. Das bestätigt auch der Umweltmediziner und Chemiker Emil Hellemann, der sich seit Jahren mit den Feinstpartikeln befasst. "Besonders jene Teilchen, die unter einem Mikrometer groß sind, sind extrem gefährlich", erklärte der Experte in einem pressetext-Interview ( http://pressetext.de/news/050901018/ ). Diese Aussagen wurden in den vergangenen Jahren auch von anderen Experten immer wieder bestätigt. Erst im Mai 2009 hat eine Studie der Universität Mailand bei der Internationalen Konferenz der American Thoracic Society ein noch erschreckenderes Bild gezeichnet: Das Einatmen gewisser Partikel kann sogar erbgutschädigend sein und damit Krebs und andere Erkrankungen auslösen (pressetext berichtete http://pressetext.at/news/090519044/ ).

"Die Studie liefert eine weitere spezifische Beobachtung zur Wirkung von Dieselabgasen", meint der Umweltmediziner Nino Künzli, Leiter des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel http://www.ispm-unibasel.ch/english/index.php , gegenüber pressetext. Gefährlichkeit sei allerdings immer eine Frage des Standpunktes. "Grundsätzlich ist es seit langem bekannt, dass Dieselabgase - vor allem von Fahrzeugen ohne Filtersystem - in verschiedener Weise toxisch sind und unter anderem auch die Krebsentwicklung fördern." Die Toxizität von Dieselabgasen sei für Europa besonders problematisch, da in vielen Ländern die Dieselfahrzeuge seit Jahren fiskalisch gefördert wurden. "Zudem wurde die Filterpflicht sehr lange verzögert, so dass heute noch immer die große Mehrzahl von Dieselfahrzeugen auf europäischen Strassen ohne Filter herumfahren", erklärt Künzli.

"Ein weiteres Problem ist die dichte Bebauung der europäischen Städte. Das bedeutet, dass sehr viele Menschen sehr nahe entlang von dicht befahrenen Verkehrsadern leben, wo sehr hohe Konzentrationen von Dieselpartikeln gemessen werden", so Künzli. In den USA - etwa in Kalifornien - sei die Situation weit weniger zugespitzt, da Dieselautos seit langem aus Gesundheitsgründen gar nicht zugelassen sind und zudem sehr viel weniger Leute in Straßenschluchten wohnen. "Die Forschungsresultate sind eine Herausforderung für die Autoindustrie, die Gesetzgeber, und vor allem auch die Städteplaner", meint Künzli. "Dicht bevölkerte Stadtteile sollten vom Straßenverkehr viel besser geschützt werden als dies in vielen Europäischen Städten derzeit der Fall ist."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.osu.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften