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Bevölkerungsbefragung zur Kulturhauptstadt 2010

28.01.2009
Um mehr über die Wünsche, Interessen und Erwartungen der Einwohner des Ruhrgebiets in Bezug auf Freizeit, Kultur und Kunst sowie das Kulturhauptstadtprogramm zu erfahren, hat das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim, unterstützt vom Essener Meinungsforschungsinstitut academic data, unter der Projektleitung von Prof. Dr. Birgit Mandel und Vera Timmerberg, von Januar bis April 2008 Bevölkerungsbefragungen durchgeführt.

Bei den Befragungen standen Themen wie "Image der Region Ruhrgebiet", "Image von Kultur, persönliche Bedeutung von Kunst und Kultur", "Motive und Barrieren für die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen" und "Bekanntheit von, Erwartungen und Wünsche an Ruhr 2010" im Vordergrund. Im Dezember 2008 wurden die Kulturvermittlungskonzepte in Essen präsentiert.

Unter dem Leitmotiv "Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel" benennt das Kulturhauptstadtjahr 2010 Kunst und Kultur als einen zentralen Faktor für gesellschaftliche Veränderungsprozesse und den Strukturwandel der Region. Ein solcher Prozess kann nur mit den Bürgerinnen und Bürgern der Region gemeinsam gestaltet werden und so stehen eben diese konsequenterweise im Mittelpunkt der Programmatik der Kulturhauptstadt 2010. Bürgerinnen und Bürger des Ruhrgebietes sollen an der Umsetzung des Kulturhauptstadtprogramms beteiligt werden, und sie sind eine der zentralen Zielgruppen für das Gesamtprogramm.

Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage im Einzelnen:

- Die häufigsten Erwartungen an Ruhr 2010 sind eine Imageverbesserung, verbunden mit einem stärkeren Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl der Bürgerinnen und Bürger. Darüber hinaus werden konkrete Verbesserungen in Stadtbild, Gastronomie und Verkehrsanbindung zwischen den Städten des Ruhrgebiets gewünscht.

- Die Mehrheit ist mit dem kulturellen Angebot der Region zufrieden und wünscht sich von Ruhr 2010 weniger eine Ausweitung kultureller Veranstaltungen als viel mehr bessere Zugänglichkeit und mehr Angebote für die Zielgruppen Kinder, Jugendliche und Familien.

- Zentrales Motiv für den Besuch kultureller Veranstaltungen ist bei den meisten Befragten ein soziales, der Wunsch, mit Familie und Freunden gemeinsam etwas Schönes und Besonderes zu erleben, am liebsten in ungezwungener Atmosphäre. Jeweils etwa zwei Drittel wussten vom Kulturhauptstadttitel des Ruhrgebiets und möchten Veranstaltungen im Rahmen von Ruhr 2010 besuchen; immerhin 13% zeigen sich bereit, ehrenamtlich mitzuarbeiten bei Ruhr 2010, wenn sie gut informiert werden und man auf sie zugeht.

- Die Entwicklung von Stolz auf das Ruhrgebiet und Gemeinschaftsgefühl, die Aktivierung eigener Kreativität und kulturelle Beteiligung sind wesentliche Ziele der Mission "Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel". Offensichtlich gibt es in der Bevölkerung die Bereitschaft, daran mitzuwirken.

Aus Sicht des Instituts für Kulturpolitik ist es damit eine der zentralen Herausforderungen für die Veranstalter des Kulturhauptstadtjahrs, das soziale Potenzial von Kunst und Kultur als verbindendes, Gemeinschaft stiftenden Element auf der Basis eines breiten Kulturbegriffs zu betonen und die Barrieren vieler Menschen gegenüber Kunst und Kultur zu senken, indem Bezüge zwischen Kunst und Alltagswelt herausgestellt und verschiedene Bevölkerungsgruppen aktiv eingebunden werden.

Das Institut für Kulturpolitik hat anhand der empirischen Ergebnisse folgende Empfehlungen für die Kommunikation und Kulturvermittlung im Rahmen von Ruhr 2010 entwickelt:

1. Einen weiten Kulturbegriff kommunizieren, der über die Künste der sogenannten "Hochkultur" hinaus geht und Bezüge zu unterschiedlichen Lebens- und Alltagswelten herstellen

2. Bei den Interessen der Bevölkerung anknüpfen: kulturelle Programme v. a. für die Zielgruppen Kinder, Jugendliche und Familien und in Verknüpfung mit beliebten Freizeitaktivitäten wie Sport

3. Kostengünstige und niedrigschwellige Angebote machen, die Kunst mit Geselligkeit und sozialen Aktivitäten verbinden

4. Kulturhauptstadt sichtbar und erlebbar machen im öffentlichen Raum mit Angeboten "umsonst und draußen

5. Kontinuierliche Informationsarbeit in Kooperation mit verschiedenen, auch populären Medien

6. Die Bevölkerung aktiv einbeziehen als Botschafter und ehrenamtliche Unterstützer

7. Alle beteiligten Kulturinstitutionen für das Thema der Kulturvermittlung sensibilisieren

In einem zweiten Schritt wurden vom Institut für Kulturpolitik gemeinsam mit Studierenden konkrete Kulturvermittlungskonzepte für Ruhr 2010 entwickelt, die mit außergewöhnlichen Aktionen an Alltagsorten überraschen und auf das Kulturhauptstadtjahr aufmerksam machen, die spielerisch zur Teilnahme auffordern, die Hintergründe vermitteln und Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen aktiv einbinden.

Das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim erforscht seit einigen Jahren systematisch und empirisch Konzepte und Rahmenbedingungen kultureller Partizipation. So entsteht eine breite Datenbasis über die verschiedenen kulturpolitischen und kulturvermittelnden Ansätze und Verfahren bundesweit und im internationalen Vergleich. Aufgrund dieser Daten können Konzepte des Audience Development entwickelt werden, in denen Strategien des Kulturmarketings mit unterschiedlichen Formen der Kulturvermittlung zu nachhaltigen Konzepten kultureller Bildung zusammengeführt werden.

Die detaillierten Ergebnisse der Studie können angefordert werden unter:

Universität Hildesheim
Institut für Kulturpolitik
Prof. Dr. Birgit Mandel
Vera Timmerberg
mandel@uni-hildesheim.de

Susanne Springer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hildesheim.de

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