Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflegende schleppen mehr als Bauarbeiter

15.11.2007
Bei Belastungen im Pflegebereich denkt man eher an psychische als an körperlich belastende Anforderungen. Doch nach den Ergebnissen der repräsentativen Erwerbstätigenbefragung, die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und das Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) gemeinsam durchführten (BIBB/BAuA Befragung 2005/2006), zeichnen sich Pflegeberufe auch durch besondere körperliche Belastungen aus.

Langes Stehen, schweres Heben und Zwangshaltung sind typische Belastungen für die Pflegeberufe.

Pflegende müssen standfest sein, schließlich verrichtet fast jeder Beschäftigte (93,8 %) seine Arbeit häufig oder immer im Stehen. Doch auch das Heben schwerer

Lasten - für Frauen mehr als 10 kg, für Männer mehr als 20 kg - gehört für zwei von drei Pflegenden (68,2 %) zum Berufsalltag. Hinsichtlich dieser Belastung übertreffen die Beschäftigten in den Pflegeberufen sogar ihre Kollegen im Baugewerbe: Hier muss nur etwa jeder zweite Beschäftigte (54,0 %) nach eigenen Angaben häufig schwer heben. Unter der Last leiden drei von vier Betroffenen in Pflegeberufen (74,4 %). Deutlich mehr als auf dem Bau: hier empfindet nicht einmal jeder Zweite (42,8 %) das schwere Heben als belastend.

Das Arbeiten in gebückter, hockender, kniender oder liegender Position, kommt in Pflegeberufen zwar nicht häufiger vor als im Baugewerbe, wesentlich seltener ist es aber auch nicht: 35,8 % der Erwerbstätigen in Pflegeberufen und 41,5 % der im Baugewerbe arbeiten häufig in Zwangshaltungen. Auch hier empfinden mehr Betroffene in Pflegeberufen (63,8 %) diese Arbeitssituation als belastend als Betroffene, die im Baubereich arbeiten (53,4 %).

Psychische Anforderungen verstärken die Belastungsvielfalt bei der Arbeit in der Pflege. Während durchschnittlich etwa jeder zehnte Beschäftigte (10,8 %) seine Tätigkeit als "gefühlsmäßig belastende Arbeit" beschreibt, beträgt dieser Anteil in den Pflegeberufen rund 40 Prozent (41,7 %). Zusätzlich müssen oft mehrere Dinge gleichzeitig im Auge behalten werden (Pflege 71,1 % - andere Berufe 58,1 %). Diese Faktoren tragen sicherlich dazu bei, dass deutlich mehr Beschäftigte in Pflegeberufen (27,0 %) das Gefühl haben, häufig an die Grenze der Leistungsfähigkeit gehen zu müssen, als in anderen Berufen (16,6 %).

Hinzu kommen belastende Arbeitszeiten: Schichtarbeit (76,6 %) ist weit verbreitet, in der Regel wird auch an Wochenenden und Feiertagen gearbeitet (Samstage 93,8 % und Sonn- bzw. Feiertage 91,5 %). Außerdem kennt jeder zweite Beschäftigte Nachtarbeit (51,5 %) aus seinem Arbeitsalltag. Bei dieser Quote zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede bei den Geschlechtern: Während 68,4 Prozent der Männer zumindest gelegentlich nachts arbeiten müssen, betrifft dies nur 48,1 Prozent der Frauen.

Entsprechend klagen Erwerbstätige in pflegenden Berufen häufiger über gesundheitliche Beschwerden als andere Beschäftigte. Auch hier treten starke Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf: Insbesondere Schmerzen im Rücken (Pflegeberufe Männer 57,1 % gegen andere Berufe Männer 40,1 %; Pflegeberufe Frauen 63,7 % gegen andere Berufe Frauen 43,9 %) und im Nacken-Schulter-Bereich (Pflege M 46,0 % gegen andere Berufe M 37,0 %; Pflege F 66,3 % gegen andere Berufe F 57,1 %) werden überdurchschnittlich oft angegeben. Während Schmerzen in den Beinen bei weiblichen Pflegekräften deutlicher häufiger auftreten (36,7 % vs. 25,2 %) als in anderen Berufsgruppen, sind diese bei männlichen Kollegen etwas seltener (14,3 % vs. 15,7 %).

Zudem leidet das allgemeine Wohlbefinden der Pflegenden. Beschäftigte in Pflegeberufen klagen häufiger über allgemeine Müdigkeit/Mattigkeit (58,6 % / andere Berufe 42,1 %), Schlafstörungen (36,6 % / andere Berufe 19,0 %) und Niedergeschlagenheit (28,6 % / andere Berufe 17,8 %) als Erwerbstätige in anderen Berufen.

Alle Ergebnisse und weitere Informationen befinden sich unter der Adresse www.baua.de/arbeitsbedingungen auf der BAuA-Homepage. Darüber hinaus wertet die BAuA das Datenmaterial hinsichtlich verschiedener Berufe und Branchen weiter aus.

Bei der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 handelt es sich um eine repräsentative Erhebung unter 20.000 Erwerbstätigen in Deutschland. Durch sie werden differenzierte Informationen über ausgeübte Tätigkeiten, berufliche Anforderungen, Arbeitsbedingungen und -belastungen, den Bildungsverlauf der Erwerbstätigen sowie über die Verwertung beruflicher Qualifikationen gewonnen. Die letzte Befragung fand 1998/99 statt.

Jörg Feldmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.baua.de/arbeitsbedingungen

Weitere Berichte zu: Baugewerbe Erwerbstätig Pflegeberuf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Europas demografische Zukunft
25.07.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie