Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wer Sport treibt, ist erfolgreicher in Schule und Beruf

13.11.2007
Studie belegt positive Wirkung sportlicher Aktivität auf den Bildungserfolg

Jugendliche, die regelmäßig Sport treiben, erzielen durchschnittlich höhere Bildungsabschlüsse als ihre bewegungsscheuen Altersgenossen.

Dieser Zusammenhang konnte in einer vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlichten Untersuchung jetzt erstmals für Deutschland nachgewiesen werden . Demnach erhöht die Teilnahme an außerschulischen Sportangeboten die Wahrscheinlichkeit, die Hochschulreife zu erlangen oder ein Universitätsstudium erfolgreich zu absolvieren, um jeweils bis zu sechs Prozentpunkte. Die vollständige Untersuchung liegt als IZA-Diskussionspapier vor: http://ftp.iza.org/dp3160.pdf

Dass Eigenschaften wie Teamgeist, Disziplin oder Durchhaltevermögen durch Sport gefördert werden, ist hinlänglich bekannt. Häufig wird allerdings unterstellt, die auf dem Sportplatz oder in der Turnhalle verbrachte Freizeit gehe zu Lasten des Lernpensums und wirke sich eher negativ auf die schulischen Leistungen aus. Diese Einschätzung wurde für die USA bereits in früheren Studien durch amerikanische Wissenschaftler widerlegt: Sie fanden heraus, dass Sportler weniger Zeit für "schädliche" Aktivitäten wie Fernseh- oder Genussmittelkonsum aufwenden und die Schule somit nicht zwangsläufig zu kurz kommt.

... mehr zu:
»Sportangebote

Steigerung der Bildungsproduktivität

Die jetzt vorgelegte Studie von Thomas Cornelißen und Christian Pfeifer geht der Frage nach, ob sich die US-Ergebnisse auch auf Deutschland übertragen lassen. "Ein entscheidender Unterschied der Systeme besteht darin, dass der Wettkampfsport in den USA ein fester Bestandteil des Schullebens ist, während er hierzulande fast ausschließlich in den örtlichen Vereinen stattfindet", erläutert Pfeifer. Die Analysen gelangen dennoch zum gleichen Resultat: Auch der außerschulische Sport wirkt sich durchweg positiv auf die Bildungsproduktivität aus.

Für Ihre Studie konnten die beiden an der Leibniz Universität Hannover tätigen Autoren aktuelle Umfragedaten des "Sozio-oekonomischen Panels" auswerten. Diese repräsentative Erhebung wird jährlich in Deutschland durchgeführt und enthält seit dem Jahr 2000 auch Fragen zum Thema Sport. Von den über 6000 Befragten aller Altersgruppen gaben 64 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen an, während ihrer Schulzeit sportlich aktiv gewesen zu sein.

Frauen profitieren besonders von Sportaktivitäten

Besonders ausgeprägt ist der positive Effekt übrigens bei weiblichen Sportlern. Dies erklären die Ökonomen damit, dass sich sportlich aktive Frauen mit gesteigertem Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen dem Wettbewerb mit Männern stellen - ob im Klassenverband oder bei der Bewerbung um eine Lehrstelle. Denn aus experimentellen Studien ist bekannt, dass Frauen von Natur aus Wettbewerbssituationen eher scheuen als Männer. So nahm auch nur rund die Hälfte der befragten weiblichen Sportler während der Schullaufbahn an Wettkämpfen teil, während dies auf drei Viertel der männlichen Sportler zutrifft.

Zu viel Sport kann den festgestellten positiven Effekt allerdings schmälern: Wer Leistungssport betreibt, ist zumindest bei den höheren Bildungsabschlüssen kaum erfolgreicher als ein Sportmuffel. Offenbar lässt sich die lernintensive Vorbereitung auf Abitur oder Examen nicht immer mit den zeitlichen Verpflichtungen eines Wettkampfsportlers vereinen.

Dennoch ist das Fazit der Wissenschaftler eindeutig: Kinder und Jugendliche sollten nicht nur unter gesundheitlichen Aspekten zu sportlicher Aktivität animiert werden, sondern auch zur Steigerung ihrer Bildungs- und Berufsaussichten. Hier sehen die Autoren neben dem Elternhaus nicht zuletzt die Politik in der Pflicht: "Wenn über Möglichkeiten zur Verbesserung des deutschen Bildungssystems diskutiert wird, sollte das Potenzial einer stärkeren Einbindung von Sportangeboten in den Schulalltag nicht unterschätzt werden."

Die Forschungsarbeit ist im Rahmen einer umfangreichen Initiative der Deutsch-Britischen Stiftung zur Erarbeitung von Politikvorschlägen für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung entstanden. Der Volltext der Studie ist kostenlos über die IZA-Homepage abrufbar:

T. Cornelißen/C. Pfeifer,
The Impact of Participation in Sports on Educational Attainment: New Evidence from Germany.
IZA Discussion Paper No. 3160
http://ftp.iza.org/dp3160.pdf
Pressekontakt:
Christian Pfeifer
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Institut für Arbeitsökonomik
Leibniz Universität Hannover
Königsworther Platz 1
30167 Hannover
Tel. (0511) 762-4949
E-Mail: pfeifer@aoek.uni-hannover.de

Holger Hinte | idw
Weitere Informationen:
http://www.iza.org
http://ftp.iza.org/dp3160.pdf

Weitere Berichte zu: Sportangebote

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt „High-tech for Medical Devices“ auf der COMPAMED 2017

18.10.2017 | Messenachrichten