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Studie zu Nachhilfeunterricht: Nachhilfelehrer schöpfen Lern- und Entwicklungspotenziale von Schülern besser aus als Fachlehrer

04.04.2007
Eine Studie zur "Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Nachhilfeunterricht", die an der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld durchgeführt wurde, kommt zu überraschenden Ergebnissen: Demnach ist professioneller, kommerzieller Nachhilfeunterricht mehr als nur eine kurzfristig gedachte und in seiner Wirksamkeit auf das entsprechende Nachhilfefach beschränkte Soforthilfe.

Vielmehr werden den Nachhilfeschülerinnen und -schülern vielfach Lernkompetenzen vermittelt, von denen sie längerfristig und auch fächerübergreifend profitieren. Für die Studie wurden Eltern und Schüler des größten Anbieters kommerzieller Nachhilfe, des Studienkreises, befragt - bundesweit repräsentativ ausgewählte Personen (418 Nachhilfeschüler mit jeweils einem Elternteil), verteilt auf insgesamt 43 Standorte des Studienkreises. Die Befragten schreiben den Nachhilfelehrkräften zum Teil mehr Kompetenzen zu als den Fachlehrern in der Schule.

"Nachhilfeunterricht ist ein alltägliches, bereits seit der Einrichtung öffentlicher höherer Schulen im 19. Jahrhundert existierendes Phänomen der Schulrealität", so Professor Eiko Jürgens. "Es gibt aber nur sehr wenige empirische Befunde zu diesem Thema." So ist die nun vorgelegte Studie des Bielefelder Pädagogen und seines Teams der erste Schritt, eine Lücke der erziehungswissenschaftlichen Forschung zu schließen.

Knapp 80 Prozent der befragten Schüler des Studienkreises besuchen entweder das Gymnasium oder die Realschule. Am weitaus häufigsten wird Hilfe für die Fächer Mathematik, Englisch und Deutsch gebucht - auf die drei Fächer entfallen gut 80 Prozent der Nennungen.

Nach den Angaben der Eltern und Schüler dient der Nachhilfeunterricht der Vorbereitung auf Klassenarbeiten, dem Ausgleich von Wissenslücken und vor allem der Verbesserung der Noten. Die Schüler sehen die Maßnahme tendenziell als kurzfristige Soforthilfe, die Eltern erhoffen sich eine längerfristige Erfolgsorientierung.

Überraschende Ergebnisse förderte die Studie bei der Frage nach der Qualifikation und den Kompetenzen der Nachhilfelehrkräfte zutage: "Die Befragten schreiben den Nachhilfelehr-kräften, im Vergleich zur jeweiligen Fachlehrkraft in der Schule, weitaus höher ausgeprägte Kernkompetenzen - didaktische Kompetenz, Sach-, Diagnose- und Klassenführungskompe-tenz - zu", erläutert Professor Eiko Jürgens. "Ein besonders großer Unterschied besteht aus Sicht der Befragten bezüglich der diagnostischen Kompetenz von Fach- und Nachhilfelehr-kraft." Nahezu alle befragten Schüler (97 Prozent) und Eltern (95 Prozent) trauen der Nach-hilfelehrkraft beispielsweise zu, die Fähigkeiten ihrer Nachhilfeschüler jeweils treffend einzu-schätzen. Der betreffenden Fachlehrkraft sprechen dagegen fast ein Drittel der befragten Schüler und Eltern diese Kompetenz entweder teilweise oder sogar vollständig ab. "Dieses Ergebnis überrascht umso mehr, als ein kommerzielles Nachhilfeinstitut wie der Studienkreis deutlich teurer als karitative Anbieter von Nachhilfe ist, und man daher durchaus kritische Beurteilungen der Kunden erwarten könnte."

Mit der Studie konnten die Bielefelder Wissenschaftler nachweisen, dass der Nachhilfeunterricht erfolgreich ist. "In rund drei Vierteln der Fälle kommt es zu einer zensurenmäßig abbildbaren Leistungsverbesserung", so Jürgens. "Und 96 Prozent jener, die sich verbessert haben, führen das auf den Nachhilfeunterricht zurück."

Und: Die Inanspruchnahme von Nachhilfeunterricht unterstützt die Fähigkeit zu selbstständi-gem Lernen und wirkt sich deutlich positiv auf die Anstrengungsbereitschaft sowie das Interesse am Nachhilfefach aus. Ein exemplarischer Befund: Jeweils rund 60 Prozent der befragten Schüler und Eltern geben an, der Nachhilfeunterricht habe geholfen, ein bereits zuvor bestehendes Interesse am Nachhilfefach zu steigern beziehungsweise überhaupt erst zu entwickeln.

"Unsere Befragung liefert darüber hinaus eindeutige Hinweise darauf, dass die pädagogische Arbeit der Lehrkräfte des Studienkreises einen deutlichen Beitrag zur Stärkung des allgemeinen Selbstvertrauens sowie zum Abbau von Leistungsangst bei den Nachhilfeschülern leistet", stellt der Bielefelder Pädagoge heraus. Viele Schüler seien durch den Nachhilfeunterricht mehr vom eigenen Können im Fach und in der Schule insgesamt überzeugt. "In diesem Sinne geben beispielsweise etwa drei Viertel der befragten Schüler an, dass ihnen - seit sie Nachhilfeunterricht erhalten - das Lernen leichter falle und sie sich eher zutrauen, auch mit hohen Anforderungen zurechtzukommen."

Der Studienkreis - ein Unternehmen der Cornelsen Verlagsgruppe - ist nach eigenen Angaben mit bislang über 850.000 geförderten Schülern Deutschlands meistbesuchte Nachhilfeschule. Gegründet wurden die ersten Lerngruppen vor über 30 Jahren im Ruhrgebiet. In bundesweit mehr als 1.000 Schulen erhalten Schülerinnen und Schüler heute Nachhilfe und schulbegleitenden Förderunterricht in allen gängigen Fächern.

Kontakt:
Professor Dr. Eiko Jürgens,
Fakultät für Pädagogik / AG5: Schule und Unterricht
Tel. 0521 / 106-3302;
E-Mail: eiko.juergens@uni-bielefeld.de

Ingo Lohuis | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de/

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