Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unzufrieden mit dem Körper und schlecht in der Schule

27.02.2007
Heidelberger Studie liefert Ergebnisse zu Lebenssituation und Verhalten von 14 bis 16-Jährigen und ihren Eltern

Jedes zweite Mädchen und jeder fünfte Junge im Alter von 14 bis 16 Jahren fühlt sich zu dick, eine Mehrzahl von ihnen hat Erfahrungen mit Diäten, viele Mädchen sogar mehrfach - und in aller Regel ohne Erfolg. Tatsächlich aber sind nur rund 11 Prozent der Mädchen und 13 Prozent der Jungen in dieser Altersgruppe übergewichtig.

Diese Zahlen stammen aus der Heidelberger Studie "Lebenssituationen und Verhalten von Jugendlichen", einer repräsentativen Befragung von Schülerinnen und Schüler der neunten Klassenstufe allgemeinbildender Schulen in Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis. An den Befragungen von September 2004 bis Januar 2005 haben 5.832 Jugendliche und 3.413 Eltern teilgenommen.

Die aktuelle Studie ist die dritte Erhebung an einer Einschulungskohorte aus dem Jahr 1996. Bereits zum Einschulungszeitpunkt und 2000 in der vierten Grundschulklasse hatten die Ergebnisse von Elternbefragungen der Schülerinnen und Schüler Zusammenhänge zwischen körperbezogenen, kognitiven, emotionalen und sozialen Faktoren aufzeigen können (ein Bericht dazu erschien 2001).

... mehr zu:
»Lebenssituation

Die Untersuchung wurde vom Gesundheitsamt Rhein-Neckar-Kreis und der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg initiiert und ist in enger Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg entstanden. Sie fand Unterstützung durch das Kinder- und Jugendamt der Stadt Heidelberg sowie finanzielle Zuwendungen der Medizinischen Fakultät, der Stadt Heidelberg, des Gesundheitsamtes sowie Fördermittel der Lautenschläger-Stiftung.

Schulsozialarbeit an Heidelberger Hauptschulen

Mit dem Ziel, ein erweitertes Verständnis von Lebenssituation, Verhaltensweisen und Einstellungen, Sorgen und Stärken junger Menschen in der Region zu gewinnen, verfolgen die beteiligten Institutionen vor allem die Aufgabe einer "aktivierenden" Gesundheitsberichterstattung: Sie soll dazu beitragen, die Unterstützungsmöglichkeiten für die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu erweitern, konkrete Maßnahmen zu erarbeiten und diese gemeinsam mit Bildungseinrichtungen, Gesundheits- und Sozialdiensten umzusetzen.

Etappenziele auf diesem Weg konnten bereits erreicht werden: Die Einrichtung von Schulsozialarbeit in den Heidelberger Hauptschulen war auch Folge der Studienergebnisse, ebenso das regelmäßige Angebot von Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte zur Vermittlung von so genannten "Life Skills" ("Lebensfertigkeiten") an Schülerinnen und Schüler mit Hilfe des vom Lions Club geförderten Programms "Erwachsen werden".

Nur jeder 4. ist mit den schulischen Leistungen zufrieden

Neben der verbreiteten Unzufriedenheit mit dem körperlichen Erscheinungsbild - in wachsendem Maße begleitet von problematischem Essverhalten - zeigt sich lediglich ein Viertel der jugendlichen Befragten zufrieden mit ihren schulischen Leistungen. Dass jedes fünfte Mädchen und jeder vierte Junge bis zur neunten Klassenstufe mindestens eine Klasse wiederholt hat, entspricht zwar ungefähr dem bundesdeutschen Durchschnitt - angesichts der Tatsache, dass Klassenwiederholungen in der Regel nicht zu besseren Schulleistungen führen, ist dieser Befund allerdings alarmierend.

Ein nicht unerheblicher Teil der Jugendlichen zeigt mehrfache Risiken und Belastungen. So bestehen Zusammenhänge zwischen einem regelmäßigen Suchtmittelkonsum (Tabak, Alkohol, Drogen), selbstschädigendem Verhalten und anderen Problembelastungen. Wer mehrmals in der Woche Alkohol oder Drogen konsumiert und regelmäßig raucht, weist einen geringeren Schulerfolg auf und zeigt deutlich mehr soziale und psychische Auffälligkeiten, bis hin zu Selbstmordversuchen.

Fast jeder Jugendliche verfügt über ein eigenes Handy, Fernseher und Computer

Jedes fünfte Mädchen hat Erfahrungen mit Selbstverletzungen, vor allem mit dem sogenannten "Ritzen", schmerzhaften Schnitten in die eigene Haut. 16 Prozent der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler rauchen nach eigenen Angaben täglich, 15 Prozent der Jungen und 10 Prozent der Mädchen hatte in diesem Alter bereits Umgang mit illegalen Drogen.

Medienbesitz und -konsum sind bei den 15-Jährigen erwartbar weit verbreitet. Die Mehrzahl der Jugendlichen verfügt über Mobiltelefon, eigenes Fernsehgerät und Computer. Dass zahlreiche Sorgen und Probleme sie beschäftigen, geben 6% der Jungen und 16% der Mädchen zu Protokoll. Solche krisenhaften Erfahrungen an der Schwelle zum Erwachsenwerden ergeben sich vor allen Dingen in der Wechselbeziehung zwischen körperlichen und sozialen Anforderungen auf der einen und den von Elektronik, Technologie und Konsumversprechen geprägten, sich rasch wandelnden Umweltbedingungen auf der anderen Seite.

Eltern unterschätzen Probleme

Eltern dieser Altersgruppe unterschätzen Sorgen und Probleme, Sucht- und selbstschädigendes Verhalten ihrer Kinder erheblich oder wissen nur wenig darüber. Die Studienergebnisse weisen aus Sicht der beteiligten Wissenschaftler/innen auf einen dringenden Bedarf an Austausch und, Zusammenarbeit zwischen den beiden wichtigen Sozialisationsinstanzen dieser Entwicklungsphase hin: Familie und Schule. Sie belegen zugleich die Notwendigkeit einer geschlechtsspezifischen Gesundheitsförderung und lassen darüber hinaus Herausforderungen für das Gesundheits- und Gesellschaftssystem erkennen.

Der aktuelle Bericht als PDF-Datei unter folgender Adresse:
www.rhein-neckar-kreis.de/servlet/PB/show/1599900/Jugendgesundheitsstudie2005.pdf
Kontakt:
Rainer Steen
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Gesundheitsamt Rhein-Neckar-Kreis
Tel: 06221 / 5221827
Dr. Johann Haffner
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Zentrum für Psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Heidelberg
E-Mail: johann.haffner@med.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Lebenssituation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie